Feindiagnostik in der Schwangerschaft: Das erwartet Dich beim Feinultraschall


Wichtige Informationen über die Feindiagnostik

Wann ist der beste Zeitpunkt für die Feindiagnostik?

Um die aussagekräftigsten Informationen aus der großen Ultraschall-Untersuchung zum Zustand des Neugeborenen zu bekommen, empfiehlt es sich, den Termin zwischen der 22. und 24. Schwangerschaftswoche zu legen. Oft liest man vom Timing zwischen SSW 19 und SSW 22. Man geht hier davon aus, dass früher oder später die Ergebnisse schwerer zu beurteilen sind. Abhängig ist der beste Zeitpunkt allerdings auch von anderen Bedingungen, wie z.B. die Lage des Kindes.

Da die Feindiagnostik meist von einem spezialisiertem Facharzt mit hochleistungsfähigem Ultraschallgerät und langjähriger Erfahrung durchgeführt wird, ist die Wahrscheinlichkeit, dass Fehlentwicklungen entdeckt werden können höher als 80%.

Was wird bei der Feindiagnostik alles gemacht?

Beim zweiten großen Ultraschalltermin wird das Baby ganz genau untersucht, Der Frauenarzt vermisst unter anderem den Durchmesser des Kopfes, er misst die Länge des Babys und achtet darauf, wie groß der Brustumfang des Neugeborenen ist. Sollte es zu neuen Erkenntnissen dabei kommen, könnte man jetzt z.B. den erechneten Geburtstermin nochmal genauer ansetzen, weil man jetzt besser den wirklichen Entwicklungszustand einordnen kann.

Organscreening

Bei der eigentlichen Feindiagnostik (auch Feinsonographie genannt) untersucht der Facharzt vor allem die bereits entwickelten Organe des Babys und wie weit und stabil diese sich bisher entwickelt haben. Dabei wird mit dem Ultraschallgerät der Reihe nach auf folgende Regionen des Babys im Mutterleib geachtet und ggf. die Länge bzw. Durchmesser vermessen:

  • Herz und Herzkammern
  • Lage des Herzens
  • Harnblasen
  • Gehirn
  • Kopf bzw. Schädel
  • Kiefer
  • Nase
  • Oberschenkelknochen
  • Oberarmknochen
  • Finger
  • Vorderseite des Bauches
  • Wirbelsäule und Rücken
  • Niere
  • Magen

Dank dieses Organultraschall können also jetzt schon in der Schwangerschaft erste Anzeichen auf Fehlbildungen oder Herzfehler festgestellt werden. Nebenbei wird außerdem die Plazenta, Durchblutung der Gebärmutter und Menge des Fruchtwassers geprüft.

Zu guter letzt besteht auch die Möglichkeit, anhand der Ultraschallbilder das Geschlecht des Babys zu erfahren, wenn man das denn möchte. Ein 3D-Gesichtsbild vom Baby wird hin und wiedder auch mit nachhause gegeben.

Sehr schön zusammengefasst ist auch alles in diesem Video zu sehen:

Welche Krankheiten und Auffälligkeiten können entdeckt werden?

Die Feindiagnostik hilft dabei körperliche Auffälligkeiten frühzeitig zu entdecken. Darunter zählen vor allem Fehlbildungen an den Gliedmaßen, aber auch Auffälligkeiten am Gesicht oder anderen Organen, die auf Infektionen oder Mangelerscheinungen deuten. Durch die frühzeitige Erkennung kann man darauf Einfluss nehmen und unter Umständen sogar das Kind im Mutterleib operieren.

Der Verdacht auf chromosomale Krankheiten wie z.B. Trisomie21 lassen sich mit der Feindiagnostik nicht erkennen.

Welche Kosten fallen für die Untersuchung an?

Die Feindiagnostik gilt als Vorsorgeuntersuchung, die freiwillig als Ergänzung zur Regelversorugung (Mutterschaftsrichtlinien) gemacht werden kann. Sollte vom behandelndem Frauenarzt schon ein Risiko-Verdacht beim Neugeborene bestehen, kann dieser eine Überweisung ausstellen, wodurch keine Kosten für die Feindiagnostik anfallen. Ist dies nicht der Fall liegen die Kosten bei ca. 150 – 300 Euro, die man privat zahlen muss.

Handelt es sich um eine Kassenleistung?

Nein, für Schwangere sind in den Muttschaftsrichtlinien der Regelversorgung drei Ultraschalluntersuchungen gedeckt. Sollten noch weitere Untersuchungen außerhalb der Mutterschaftsrichtlinien hinzukommen, müssen diese vom Versicherten selbst bezahlt werden. Die Feindiagnostik zählt wie oben bereits erwähnt zu einer Vorsorgeuntersuchung außerhalb der Regelversorugung. Es kann sich aber auf jeden Fall lohnen, sich bei der Krankenkasse über Zusatzleistungen zu informieren. Mit etwas Glück und abhängig von Krankenkasse werden einem Teilbeträge der zusätzlichen Leistungen erstattet.

Persönliche Erfahrung mit dem Organscreening

Vorbereitung und Angst vor dem Feinultraschall

Der Tag war für uns beide gar nicht so einfach. Wir haben uns gemeinsam darüber ausgetauscht, was da morgen eigentlich geschehen wird und waren beide sehr angespannt. Bisher gab es eigentlich überhaupt keinen Grund zur Sorge, aber die morgige Feinultraschall-Untersuchung könnte zumindest zeigen, dass unser Kind in seiner Entwicklung körperliche Auffälligkeiten hat.

Gerade Hanna, die jetzt die Hälfte Ihrer Schwangerschaft hinter sich hat (SSW 22), macht sich wie jede werdende Mutti einfach über alles Sorgen, was mit dem Kind im Bauch zu tun hat. Angefangen von „Er ist so ruhig, das macht mir Angst!“ bis hin zu „Sind so harte Tritte eigentlich normal in dieser SSW?“ ist alles dabei. Meine Rolle hier ist ganz klar definiert: ich beruhige sie und sage ihr, dass alles passt! Das gelingt mir auch immer ganz gut, aber an diesem Tag war ich dann selbst auch verunsichert.

Ultraschallbild von Feindiagnostik

Immerhin muss man im Gedanken vor dem Feinultraschall-Termin auch ehrlich die Tatsache in Betracht ziehen, dass Mutter Natur hier das letzte Wort hat. Und die Gedanken, die dabei aufkommen sind doch eher bedrückend. Wie geht man damit um, wenn das Kind z.B.einen Herzfehler hat? Ganz ehrlich, bei diesem Termin können Informationen über das Baby aufkommen, die auch erst einmal verarbeitet werden müssen. Für mich gehört es aber auch dazu, diesen Fakt nicht zu ignorieren und den Termin nicht als „Babyfernsehen“ wahrzunehmen, sondern mit der notwendigen Ernsthaftigkeit, die damit verbunden ist.

Ablauf unserer Feindiagnostik-Untersuchung

Gestern sind wir dann zu unserem Termin in die Charité Berlin Mitte gefahren. Wir wurden sofort von einem sehr freundlichem Personal empfangen und haben uns auch gleich wohl gefühlt. Das ist wichtig, denn wenn die Atmosphäre dort kalt und unpersönlich wäre, wie man es aus manchen Krankenhäusern kennt, möchte man sich gar nicht vorstellen, wie dort schlechte Nachrichten für die Eltern übermittelt werden. Hier konnte die Klinik also schon einmal Pluspunkte sammeln.

Angekommen musste Hanna dann auch schon den Anmelde- und Fragebogen ausfüllen. Hier werden vor allem Informationen erfragt, die unmittelbar Einfluss auf die Entwicklung des Kindes nehmen können. Dazu zählt unter anderem die Einnahme von Medikamenten, oder auch Drogen,Tabak oder Alkohol. Alle weiteren Informationen zu Blutdruck und weiteren Erkrankungen der Mutter können ohne weiteres aus dem Mutterpass entnommen werden, der mitzuführen ist.

Dann wurden wir auch schon aufgerufen und ins Behandlungszimmer begleitet. Man kommt rein und sieht links eine Liege, neben der unmittelbar zwei Sessel stehen. Mein Platz war somit schon einmal fest definiert. (Nicht die Liege!) Rechts und mir unmittelbar gegenüber stand nun ein riesiger Ultraschall-Bildschirm in 2m Entfernung, dessen Größe ich zwischen 42″ und 50″ einschätzen würde.

Bevor es nun losging, klärte uns der Arzt noch einmal genau darüber auf, dass wir mit Hilfe des 3D-Ultraschalls nur körperliche Auffälligkeiten kontrollieren werden. Wir können mit dieser Untersuchung keine genetischen Erkrankungen feststellen, sondern lediglich durch körperliche Auffälligkeiten Rückschlüsse auf bekannte und mögliche Erkrankungen schließen, die dann mittels Fruchtwasseruntersuchung bestätigt werden können.

Außerdem fragte er uns noch, ob wir Fragen hätten, die er durch die heutige Untersuchung vielleicht beantworten könnte. Bis auf die Frage nach dem Geschlecht des Babys fiel uns hier nichts weiter ein. Schließlich hatten wir bisher nur eine 70%ige Wahrscheinlichkeit zum Kindsgeschlecht von unserem Frauenarzt mitbekommen. Heute sollten also bestenfalls die 100% her und die Info, dass das Kind gesund ist. Dann wäre für uns alles super!

Die Untersuchung ging nun los, das Licht wurde auf ein Minimum reduziert und unsere ganze Aufmerksamkeit gehörte nun dem schwarzen Monitor, auf dem gleich weiße Schattierungen zu sehen sind, die unser Kind darstellen. Die Konturen zeichnen also jetzt den Kopf des Babys von oben ab und werden vom Arzt direkt vermessen (22cm Umfang, wenn ich mich nicht irre). Gleich im Anschluss konnten wir dann das kleine Herz sehen, welches fleißig pumpte. Man konnte die ganze Zeit sehr gut und laut den Herzschlag hören. Nebenbei gab der Arzt seiner Helferin immer die Information „keine Auffälligkeiten“ zum  untersuchten Organ oder Körperteil. Ein sehr, sehr gutes Zeichen für unsere Ohren.

Und mit jedem weiteren „keine Auffälligkeiten“ verfliegt auch die Angst davor, dass es welche geben könnte. Dann waren die Unterarme an der Reihe. Er zeigte uns Elle und Speiche, welche auch wir super erkennen konnten. Nachdem er sich die Maße notiert hatte, durften wir nun das Schienbein begutachten. „Keine Auffälligkeiten“ auch hier; genauso bei der Wirbelsäule.

Ganz nebenbei fragte er uns, ob wir uns über ein bestimmtes Geschlecht freuen würden, bevor er uns mit 100%iger Sicherheit einen Jungen bescheinigte. Kurz vor Schluss wurde dann noch die Durchblutung der Gebärmutter untersucht und zu unserer Freude wurden die vielen „keine Auffälligkeiten“ nur noch durch alles perfekt und da, wo es hingehört getoppt!

Gedauert hat das ganze ca. 30min und es war sehr schön und wichtig zu hören, dass unser Kind gesund ist. Ganz besonders für das Mama-Ohr. Ich sollte also Recht behalten, wenn ich meiner Frau immer sage, dass sie ganz tolle Arbeit leistet beim Zusammenbau unseres Kleinen!

Ist die Feindiagnostik sicher und sinnvoll? – Pro und Contra

Wie ich ja schon geschrieben hatte, wollten meine Verlobte und ich auf die Nackenfaltenmessung verzichten, da wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht durch potentielle Trugschlüsse und voreilige Diagnosen verunsichern lassen wollten. Sebastian hat es auf seinem PAL-Blog sehr schön auf den Punkt gebracht, warum er ebenso auf diese Untersuchungen verzichtet und wie ungenau eigtl. die Diagnosen sind, wenn nur 60% der Auffälligkeiten sich als wirkliche Erkrankung herausstellen. Auch die Fruchtwasseruntersuchung war für uns keine Option. Erstrecht nicht, weil Sie ein minimales Risiko mit sich bringt, dass das Kind durch die Nadel verletzt werden könnte.

Aber warum nehmen wir nun die Feindiagnostik wahr, könnte man sich jetzt natürlich fragen? Immerhin wird dabei das Kind ebenso vermessen und die Organe hinsichtlich Ihrer Ausbildung untersucht. Auch dabei kann es dazu kommen, dass Auffälligkeiten zu Tage treten, die unsere Vorfreude auf den kleinen Bauchbewohner trüben könnten. Dessen sind wir uns total bewusst. Auch darüber, wie verheerend die Vermutung auf eine potentielle Missbildung oder Behinderung für die Eltern sein kann (z.B. Bindungsstörungen nach der Geburt).

Für uns und besonders für mich ist das Spektakel des „großen Ultraschalls“ jedoch eine wahnsinnig schöne Erfahrung und genau als solche sehen wir auch diese Untersuchung an, die ja unter anderem als der „große Ultraschall“ bekannt ist. Meine Verlobte hat dafür auch sehr schöne Worte gefunden, die ich hier einmal aus Ihrem Blogbeitrag „Moderne Medizin“ zitieren möchte:

Bei der Feindiagnostik, die meist von externen, spezialisierten Instituten durchgeführt wird, begibt sich der Mediziner nun gezielt auf Fehlersuche. Organ für Organ wird per Ultraschall überprüft und für gesund oder “abweichend” befunden. Das kann sehr beruhigend sein, wenn die Diagnose “normales Kind” lautet. Allerdings gibt auch das keine Garantie, dass das Kind wirklich gesund zur Welt kommen wird. Andererseits gibt es im Falle von Norm-Abweichungen auch keine Garantie, dass das Kind nicht gesund ist. Leider liest man immer wieder von Fehldiagnosen und den Folgen, die das für Mütter oder Eltern hat. Wie und ob man mit einer solchen Diagnose leben kann, sollte sich daher jeder vorher überlegen.

Das Schöne an der Feindiagnostik sind natürlich die dabei entstehenden Bilder und Emotionen. Eltern haben ausgiebig Zeit, den Nachwuchs auf dem Ultraschall zu begutachten und bekommen in der Regel 3-4 Bilder mit Nach Hause. Mir fällt es oft schwer, mir vorzustellen, dass und was da in mir heranwächst, das Kleine als werdende Person wahrzunehmen. Das Würmchen dann visuell vor mir zu sehen, hilft da immer sehr.

– Hanna

 

Wir sind also weder blauäugig, noch gehen wir zum „Babyfernsehen“, sondern verbinden mit dieser Feindiagnostik-Untersuchung insgeheim, endlich zu erfahren, ob wir einen Jungen oder ein Mädchen bekommen werden. Dann hätte auch die Suche nach einem passenden Jungennamen ein Ende. Und wie sagte doch ein Kollege von mir und frisch gebackener Papa: „Erst mit dem Wissen, ob Mädchen oder Junge, wurde die Schwangerschaft und Tatsache Papa zu werden für mich real.“


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Alle Kommentare (2)

    Vielen Dank für den interessanten Artikel. Ich finde es toll, dass es heutzutage so gute Aufnahmen vom Ultraschall gibt. Zu meiner Zeit hatten wir davon nur geträumt.

    Ein richtig toller Beitrag. Danke für die Einblicke. Da bei uns nächste Woche die Feindiagnostik ansteht kann man sich nun nochmal besser darauf einstellen. Auch ich bin sehr aufgeregt und hoffe natürlich das alles ok ist. Und natürlich sind wir auch gespannt auf die Geschlechterfrage. Aber es kommen eben auch Gedanken auf, was wenn doch etwas ist? Aber nun genieße ich erst mal meine Auszeit bis zum Termin und dann hoffen wir einfach das beste und auch nochmal einen besseren Bezug zu dem Würmchen. Auch wenn ich es spüren kann, So ist es trotzdem manchmal noch sehr unreal.

    Liebe Grüße und alles Gute Dany von danyalacarte.de

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