Standesamtlich Heiraten in Regensburg: Vom „schönsten Tag“

standesamtlich heiraten in Regensburg

Der Tag vor der Hochzeit

So oft sind wir gefragt worden, ob wir schon nervös waren vor unserem „schönsten Tag“. Waren wir nicht. Auch nicht am Freitag vor unserer Trauung. Die einzige Angst, die wir hatten war, nicht rechtzeitig zum Standesamt nach Regensburg zu kommen, um meine Unterschrift zu leisten. Wer nämlich seinen Verlobten mit einer Vollmacht zur Beantragung der Eheschließung schickt und nicht im Wohnort heiratet, muss vor der Hochzeit nochmal zum Standesamt des Ortes der Eheschließung, um zu unterschreiben. Wussten wir nicht, hat uns niemand gesagt, half aber nichts. Zum Glück sind die vom Regensburger Standesamt um 100% netter als die Berliner und haben uns den Termin gegeben mit der Zusicherung, dass wir noch am Freitag vor 12.00 Uhr (da schließen natürlich die Ämter) kommen, um das zu regeln. (Vorsichtshalber haben wir den Fakt aber auch noch zu unserer Checkliste für die standesamtliche Trauung hinzugefügt.)

So kam es also, dass ich um 03:15 Uhr morgens von meinem Zukünftigen geweckt, nach einem kurzen Frühstück (ja, wenn man schwanger ist, kann man überraschenderweise auch um 4 Uhr morgens essen) ins Auto gepackt und ab Richtung Süden verfrachtet wurde. Natürlich ist nichts Unerwartetes passiert, kein Stau, keine Autopanne und wir standen um 09:30 Uhr dort auf der Matte. Natürlich waren wir müde, vor allem er. Aber der Tag war so schön und sonnig, dass wir gar keine Gelegenheit hatten, darüber groß nachzudenken. Und immerhin wollten wir doch den letzten Tag unseres „alten Lebens“ als sog. ledige Personen noch genießen. Also sind wir mittags mit meinen ehemaligen Arbeitskollegen zum Essen in ein neu eröffnetes Restaurant, VyVu. Wirklich sehr zu empfehlen (sie kochen ohne Glutamat, also auch für Esser mit Histamin-Problemen). Danach haben wir den warmen Tag genutzt, um die uns eigentlich so bekannte Stadt wieder von neuem zu entdecken und Freunde zu treffen.

Ganz besonders aufregend für mich war der Besuch bei einem befreundeten Paar, deren Tochter erst von ein paar Wochen zur Welt gekommen ist. Es war wirklich schön zu sehen, wie die beiden sich freuen über die Kleine und so gar nicht gestresst sind. Und etwas Neues über Taktiken, Babys zu beruhigen, habe ich auch gelernt: der Föhn. Da hat der Papa doch tatsächlich die Kleine auf den Wickeltisch gepackt und geföhnt. Sie fand es klasse!

Den Abend ausklingen lassen haben wir mit einem Herzenswunsch meines Liebsten, den ich ihm schon lange schuldig bin: Ein ausgiebiger Besuch bei Burger King.

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Der große Tag der standesamtlichen Hochzeit in Regensburg

Samstag, 00:05 Uhr

Zum ersten Mal macht sich etwas wie Aufregung und Verunsicherung breit, als ich nachts kurz wach werde. Das frühe Aufstehen vom Vortag hat zum Glück dafür gesorgt, dass dieser Zustand nicht lange anhält und ich wieder einschlafe.


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07:10 Uhr

So, das war’s, die letzte Nacht unseres alten Lebens ist rum. Lieber stehe ich gleich auf, um nicht in Zeitnot zu geraten (die Trauung ist ja schon in in 3,5 Stunden und ich muss ungefähr nichts mehr machen außer mich duschen und anziehen…). Ca. 1 Stunde später ist dann auch mein Zukünftiger wach, aber verspürt nicht den geringsten Anflug von Zeitnot. Ich bin bis dahin eigentlich fertig mit allem.

09:30 Uhr

Schock! Vor genau 7 Tagen hatte das Kleid noch gut Luft, doch an diesem Tag drückt der Bund bereits! Es ist ganz unglaublich, wie viel man innerhalb einer Woche zunehmen kann, aber da muss ich jetzt durch. Also Bauch einziehen, soweit überhaupt noch möglich, und Reißverschluss hochgezogen.

09:55 Uhr

Endlich geht es los. Ich im weißen Kleid und er im Anzug in unserem kleinen Polo ab zum Standesamt, auf dem Weg noch schnell meine Trauzeugin samt Brautstrauß aufgesammelt. Zum Glück regnet es, sodass nicht auffällt, wie lange unser Polo keine Waschanlage mehr von innen gesehen hat. Am Standesamt stellen wir ihn neben den auf Hochglanz polierten BMW mit Brautschmuck vorne und rundherum. Wenigstens hat es bis dahin zu regnen aufgehört. Aber es ist bitterkalt. Andere Bräute in pompösen Kleidern kommen und gehen, werden mit Reis und Blumen beworfen und in Seifenblasen gehüllt. Wir frieren alle. Aber das kann der Freude keinen Abbruch tun, nicht bei mir und nicht bei unseren Freunden und Verwandten, die langsam alle eintreffen.

10:40 Uhr

Alle sind da, bis auf seine Trauzeugin. Unruhe macht sich breit, immerhin geht es in 5 Minuten los. Die ersten Fotos sind geschossen, die ersten lieben Worte gefallen.


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10:45 Uhr – Jawort

Alle haben es rechtzeitig in den historischen Saal im alten Rathaus geschafft. Dieser wird übrigens nur drei Mal pro Jahr für Besucher geöffnet und ist innen komplett mit Holzverzierungen ausgekleidet. An einem großen, runden Tisch dürfen wir gegenüber unseres Standesbeamten Platz nehmen, rechts und links unsere Trauzeugen und am Rand des Raumes unsere Gäste. Vor uns liegen die Ringe und brennt die Hochzeitskerze, die mein Onkel für uns gebastelt hat. Der Standesbeamte klärt die Formalitäten und beginnt seine Rede. Er spricht davon, dass unsere Beziehung stabil ist wie die Steinerne Brücke in Regensburg, die die Jahrhunderte überdauert hat. Was die Baustoffe einer guten Ehe sind und wie sicher er sich ist, dass unsere Liebe hält. Klingt nett, aber je öfter er den Satz sagt „…und bei Ihnen, liebes Brautpaar, bin ich mir sicher, dass…“ desto protesthafter denke ich: Du kennst uns doch überhaupt nicht! Egal, wir kommen zum Punkt und die Frage wird gestellt, ob wir freien Willens diesen Bund eingehen wollen und so weiter. „Ja, auf jeden Fall“ höre ich meinen Gleich-Ehemann sagen. Dann bin ich an der Reihe, alles was ich rausbekomme ist ein schüchternes „Ja“. Den Satz „Sie dürfen die Braut jetzt küssen“ gibt es wohl nur im Film, aber geküsst wurde ich von ihm trotzdem für das Ja-Wort. Dann noch die Ringe tauchen und schon ist die Zeremonie zum Ende gelangt. Ging ganz schnell, 15 Minuten insgesamt.

Im Vorraum haben wir uns dann nochmal richtig Zeit genommen, Fotos zu schießen – danke an dieser Stelle für unsere Fotografin und gute Freundin, die sich nur für diese 45 Minuten auf die Reise nach Regensburg gemacht hat.

12:00 Uhr – Das Hochzeitsessen

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Im Restaurant unserer Wahl, dem Dechbettener Hof, wurden wir mehr als herzlich mit super-leckeren Begrüßungsdrinks und Häppchen empfangen. Alles war festlich geschmückt und das Ambiente wirklich perfekt. Das hatten wir natürlich nicht nur Herrn Mascarello und seinem Team zu verdanken, sondern auch meiner allerliebsten Schwägerin, die sich vor Ort im Voraus und in Rücksprache mit meiner Mama um alles gekümmert hat. Das war so ziemlich das schönste Geschenk, an dem viele ihren Anteil hatten: wir mussten uns um nichts kümmern und konnten den Tag wirklich genießen. Alles war reibungslos organisiert vom Empfang, über die Menükarte bis zum Kuchen-Buffet. So konnten wir die Zeit mit den insgesamt 20 Gästen verbringen, die teilweise wirklich weit angereist waren.

17:30 Uhr

Viel später als geplant sind wir dann endlich Richtung Bayerischer Wald aufgebrochen – ziemlich k.o. aber auch richtig glücklich und euphorisch – als Mann und Frau. Vor Ort wurden wir mit einem romantisch dekorierten Tisch und einem kleinen Geschenk empfangen. Nach unserem 5-Gänge-Menü waren wir einfach nur froh, unser Riesenbett in der Sternensuite ausgiebig nutzen zu können – natürlich nicht ohne vorher die riesige Badewanne vor dem Kamin genutzt zu haben.

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