Impfempfehlung Bali – Südostasien mit Kind


„Hast du keine Angst wegen der ganzen Krankheiten?“ Das werde ich immer mal wieder gefragt, wenn ich von unseren Zukunftsplänen im Ausland berichte. NATÜRLICH HABE ICH ANGST!!! Als mir zum ersten Mal klar wurde, welche Impfempfehlungen für Bali und wie viele Krankheitserreger es auf dem Teil der Welt gibt, den wir bereisen wollen, habe ich sogar fürchterliche Angst bekommen und kurzzeitig überlegt, ob wir nicht besser einfach in Deutschland bleiben sollten. Warum ich mich dagegen entschieden habe?

Die Sicherheit ist trügerisch

Ja, als Eltern haben wir Verantwortung gegenüber unserem Kind. Wir wollen, dass er gesund aufwachsen kann und Schaden von ihm fernhalten. Auf den ersten Blick scheinen Länder wie Indien oder Indonesien dafür keine ideale Grundlage zu bieten. Und doch wächst dort angeblich auch das eine oder andere Kind auf. Gesund. Und obwohl Deutschland vergleichsweise sicher scheint, sterben auch in diesem Land Menschen. Oder erkranken schwer. Wo also soll ich die Grenze ziehen? Was ist noch sicher für mein Kind und was nicht? Darf er hier in Deutschland dann nicht mehr auf die Straße, um ihn vor möglichen Verkehrsunfällen zu schützen? Soll ich ihn nicht zu anderen Kindern oder älteren Menschen lassen, weil er sich mit gefährlichen Keimen anstecken könnte? Oder im Laufstall einsperren, bis er 18 ist, damit ihm im Haushalt auch nichts passieren kann?

Natürlich ist das jetzt überspitzt ausgedrückt, aber wie gesagt, wo ist die Grenze? Ich habe die Frage für mich so beantwortet: Wir schützen ihn, so gut das in unseren Händen liegt, nach bestem Wissen und Gewissen. Unser Leben einschränken wollen wir aber deshalb nicht. Nicht seines und nicht unseres. Wir möchten unseren Traum vom Leben im Ausland nicht nicht probiert haben, weil wir uns von Angst daran hindern lassen.

Impfempfehlung für Bali: Ein Stück Sicherheit

Vor einigen Krankheiten in Indien und Südostasien können wir ihn allerdings ganz einfach schützen: Durch eine Schutzimpfung. Das sind sogenannte Reiseimpfungen und werden nicht oder nur zum Teil von den Krankenkassen erstattet. Ich bin bei der BARMER versichert und kann dort leider während der Elternzeit nicht weg. Diese Krankenkasse würde ich nicht empfehlen, wenn jemand Reiseimpfungen benötigt. Sie erstatten maximal 100€ pro Kalenderjahr, das ist nicht mal eine Injektion. Mein Mann und mein Sohn dagegen sind bei der BKK Mobil Oil versichert. Die erstatten 80% der Kosten für die Impfung und die Arztkosten in vollem Umfang.

Welche Impfungen für uns sinnvoll sind, hatten wir schnell im Internet recherchiert bzw. unsere Kinderärztin hat für uns ein dickes Buch zur Hand genommen und dieselben vier Impfungen für Südostasien empfohlen:

1) Tollwut

Tollwut brauchen wir vor allem in Indien. Dort gibt es viele wilde Affen und andere Tiere, die herrenlos auf der Straße leben. Durch einen Biss eines infizierten Tieres könnte die Krankheit übertragen werden. Wir haben uns für die Tollwut-Impfung entschieden, um nicht ständig in Angst vor einem kranken Tier zu reisen.

Krankheitsverlauf: Wenn Menschen mit dem Tollwut-Virus infiziert werden, verursacht dieser eine schwere Gehirnhautentzündung, die binnen zwei bis zehn Tagen in der Regel tödlich enden. Die wenigen Überlebenden tragen meist Gehirnschädigungen davon.

Injektionen Grundimmunisierung: 3 Spritzen innerhalb von 28 Tagen

Auffrischung: nach ca. 5 Jahren

Kosten: ca. 250 €

Komplikationen: Die Tollwut-Impfung ist für viele mit Komplikationen verbunden. Während mein Mann kaum Probleme hatte, bedeutete die Impfung für mich einen monatelang schmerzenden, bewegungseingeschränkten Arm. Nach jeder Impfung hatte ich einige Tage mit Gliederschmerzen, Niedergeschlagenheit und Schlafstörungen zu kämpfen. Auch unserem Kleinkind mit seinen 22 Monaten konnte man die Folgen der Impfung nach jeder Injektion anmerken. Er war richtig mies gelaunt und weinerlich. Ob er auch Schmerzen hatte, kann er ja noch nicht sagen, den Arm hat er jedenfalls normal verwendet.

2) Hepatitis A und Hepatitis B

Hepatitis ist eine Lebererkrankung und wird über Körperflüssigkeiten übertragen. Mit einem Kleinkind, das gerne mal etwas in den Mund nimmt und bei einem voraussichtlich langen Auslandsaufenthalt eine durchaus sinnvolle Immunisierung. Der Rubbelbatz hat einen Schutz gegen Hepatitis B mit der 6-fach Impfung erhalten. Mein Mann und ich dagegen erhielten Twinrix A & B.

Krankheitsverlauf: Nach der Inkubationszeit verursachen Hepatitis-Viren möglicherweise eine Leberentzündung / Gelbsucht. Bei 5-10 % der Infizierten verläuft die Krankheit chronisch, d.h. auch nach 6 Monaten ist sie noch nicht ausgeheilt. Vor allem Säuglinge sind von einer chronischen Hepatitis betroffen, mit zunehmendem Altern sinkt die Wahrscheinlichkeit.

Injektionen Grundimmunisierung: Drei Spritzen innerhalb von neun Monaten.

Auffrischung: nach ca. 10 Jahren

Kosten: ca. 280 €

Komplikationen: Die Hepatitis-Impfungen haben wir alle wesentlich besser weggesteckt, als die Tollwut. Das Brennen und leichte Schmerzen im Arm waren bei mir schon nach etwa einem Tag verschwunden.


Nach den ersten Impfrunden wollen wir erst einmal eine Pause machen. Ein paar Monate später, dann mit neuem Kinderarzt in Bayern, soll es weitergehen:

3) Typhus

Typhus ist eine bakterielle Infektion, die es in unseren Breitengraden eigentlich kaum mehr gibt. In Ländern, in denen die Trinkwasserhygiene allerdings weniger gut ist, kommt Typhus häufiger vor.

Krankheitsverlauf: Im schlimmsten Fall kann eine Typhus-Infektion tödlich enden. Die Behandlung erfolgt mit Antibiotika.

Injektionen Grundimmunisierung: Eine Spritze (tote Erreger) oder drei Kapseln (Lebendimpfstoff). Wirkung nach ca. 14 Tagen. Beide bieten einen partiellen Schutz (bis 75%).

Auffrischung: nach1 Jahr bei oraler Impfung, nach 3 Jahren bei Injektion

Kosten: ca. 30 €

4) Japanische Enzephalitis

Japanische Enzephalitis wird durch Viren ausgelöst und ist eine „Tropenkrankheit“. Das heißt, sie kommt überall dort vor, wohin wir reisen möchten.

Krankheitsverlauf: In einigen Fällen verläuft die Krankheit schwer und kann zu bleibenden Schäden oder zum Tod führen.

Injektionen Grundimmunisierung: Zwei Spritzen innerhalb von 28 Tagen.

Auffrischung: nach ca. 2 Jahren

Kosten: ca. 180 €

Für diese Krankheiten in Südostasien gibt es keinen Impfschutz

Malaria

Als ich das erste Mal über die Ausbreitung und Schutzmöglichkeiten von Malaria las, war ich kurz davor, unsere Pläne abzubrechen. Denn obwohl die Krankheit so weit verbreitet ist, gibt es bis heute keine wirksame Impfung gegen Malaria. Es gibt eine sogenannte Malaria-Prophylaxe, jedoch ist das eine Art Chemie-Cocktail, der auch entsprechende Nebenwirkungen hat / haben kann. Man muss ihn über die ganze Dauer des Aufenthalts einnehmen, das kommt für mich nicht in Frage.

Die wirksamste Prophylaxe ist es daher, den Stich der Malaria-Mücke zu vermeiden und sich nicht in der Regenzeit in den Tropen aufzuhalten.

Denguefieber

Dieses Virus wird, ähnlich wie Malaria, nur durch Mücken übertragen. Die Prophylaxe ist also dieselbe. Die meisten Erkrankten erholen sich schnell von einer Infektion, nur in wenigen Fällen verläuft sie schwer – dann ist eine adäquate und schnelle Behandlung notwendig.

Warum wir impfen

Ursprünglich bin ich kein Impffreund. Das heißt, ich stehe den Nebenwirkungen und übertrieben vielen Impfungen für mein Kind skeptisch gegenüber. Trotzdem habe ich ihn, auch unabhängig von unserer Reise, gegen gewisse Krankheiten impfen lassen: Diphterie, Tetanus, Perussis (Keuchhusten), Poliomyelitis (Kinderlähmung), Haemophilus influenzae Typ b, Windpocken, Hepatitis B, Mumps, Masern, Röteln. Allerdings haben wir diese Impfungen nicht nach Impfplan vorgenommen, sondern haben erst mit etwa 6 Monaten begonnen.

Denn auch wenn ich Impfstoffe bzw. die darin enthaltenen Konservierungsstoffe und Wirkbeschleuniger nicht ideal finde und tatsächlich jemanden kenne, der deshalb jahrelang starke Beschwerden hatte, gibt es derzeit keine bessere Alternative. Außer natürlich nicht impfen und mein Kind dem Risiko einer schweren Erkrankung aussetzen. Deshalb habe ich bisher bei allen Impfungen nach folgenden drei Kriterien entschieden:

  1. Wir mein Sohn durch eine Infektion mit der Krankheit mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit sterben oder dauerhafte Schäden davontragen?
  2. Ist die Infektion mit dem Erreger in Deutschland und Europa wahrscheinlich?
  3. Gefährde ich den „Herdenschutz“, d.h. andere Kinder, indem ich mein Kind nicht impfen lasse?

Wenn ich alle drei Fragen mit Nein beantworten kann, erspare ich ihm die Spritze. So haben wir zum Beispiel nicht gegen Meningokokken und Pneumokokken impfen lassen. Beide Erreger können bei schwerem Verlauf eine Gehirnhautentzündung hervorrufen. Vor allem Pneumokokken sind vor allem für Menschen mit schwachem Immunsystem gefährlich, d.h. sie werden für Babys und Kleinkinder bis 2 Jahren empfohlen und für Menschen über 60.

Auch die Schluckimpfung gegen Rotaviren haben wir ausfallen lassen.

Beim Thema Windpocken hatte ich anfangs eine ähnliche Meinung: Braucht man nicht, daran stirbt er nicht. Ich hatte als Kind auch Windpocken, und es hat mir nicht geschadet. Dann erklärte unsere Kinderärztin mir einen Zusammenhang, den ich bisher nicht kannte: Nach einer Windpockeninfektion „verstecken“ sich die Erreger im Rückenmark. Ein erneuter Ausbruch der Krankheit ist dann möglich, wenn das Immunsystem geschwächt ist – allerdings in der Regel nicht als Windpocken, sondern als Gürtelrose. Da mein Opa seit vielen Jahren unter einer chronischen Gürtelrose leidet, weiß ich, wie unangenehm das sein kann. Bei einer Windpockenimpfung kommt es im Idealfall nie zu einem Ausbruch der Krankheit – dadurch können sich keine Erreger im Körper einnisten und eine Gürtelrose taucht nicht auf.

Krankheiten wie Kinderlähmung dagegen können dauerhafte Lähmungserscheinungen nach sich ziehen. Ein Leben lang. Auch wenn die Ansteckungswahrscheinlichkeit sehr gering ist, möchte das trotzdem keinesfalls für meinen Sohn.



Alle Kommentare (2)

    Letztendlich fragen wir uns vor jeder Reise, ob wir gegen Zecken zum Beispiel mpfen sollten. Oder jedes Jahr wieder die Sache mit der Grippeimpfung. Wenn ich unseren Spielplatz betrete, wo das Gras fast Hüfthoch manchmal wächst…Gefahren lauern überall. Wir sichern auch ab so gut es geht, aber man sollte sich deshalb nicht einschließen.

    Liebe Sari,

    ganz genau so sehe ich das auch. Jetzt, wo wir auf dem Land sind, darf der Rubbelbatz – entgegen meiner Überzeugung zum Thema Medien – jeden Abend 10-15 Minuten die Sendung mit der Maus schauen und ich untersuche ihn von Kopf bis Fuß auf Zecken. Trotzdem hatte er schon zwei, das kann man wohl nie ganz verhindern. Außer ich lasse ihn nicht mehr raus und das wäre tatsächlich grausam…

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