Leben auf Bali – Fazit nach 5 Monaten


Hier ist es still in letzter Zeit. Das liegt nicht daran, dass ich nichts zu erzählen hätte, sondern schlicht an der mangelnden Zeit. Denn seit April leben wir nun schon auf Bali und müssen unseren Lebensunterhalt komplett online verdienen. Weil dieser Blog nach wie vor ein persönlicher bleiben soll, fokussieren wir uns aktuell auf andere Projekte, die primär unser Geld verdienen. Trotzdem will ich heute mal berichten, wie unser Leben so läuft auf Bali. Wie es uns geht, wie die weiteren Pläne sind und wie sich das Leben hier von dem in Deutschland unterscheidet.

Unser Leben in Ubud

Unsere Wohnung

Nachdem wir zwei Monate in verschiedenen Unterkünften direkt an der Südküste Balis unterwegs waren, haben wir uns hier in Ubud eine richtige Wohnung gemietet für insgesamt vier Monate. Nach Ubud zu kommen, hatte verschiedene Gründe. Unter anderem ist es hier sehr einfach, ein passendes Haus mit einem Kind zu mieten. Denn auf Dauer ist es zu dritt in einer 1-Zimmer-Wohnung einfach schwierig. Hier haben wir nun ein Schlafzimmer, eine große Wohnküche und ein Outdoor-Badezimmer sowie eine geräumige Abstellkammer. Auch zwei Schreibtische und ein großer Esstisch machen das Familienleben so viel einfacher.

Hier gibt es genug Platz zum Spielen, das macht einen großen Unterschied zu orten, an denen wir vorher waren. Unser Sohn kann all seine Fahrzeuge und Gleise auf dem Boden ausbreiten und beschäftigt sich so wirklich lange und zufrieden alleine. Seine Bücher sind übersichtlich im Regal in greifbarer Höhe, in der Küche steht ein breiter, stabiler Stuhl, sodass er immer auf Augenhöhe dabei ist, wenn ich koche.

Unsere Wohnung liegt im Obergeschoss, wodurch wir einen herrlichen Ausblick über den Dschungel haben. Wenn das Wetter schön ist, sehen wir bis zum Vulkan Gnung Agung im Osten der Insel. Vor allem wenn die Sonne hinter diesem heiligen Berg aufgeht, ist das so unbeschreiblich friedlich und wunderschön.

Kurz: Wir haben hier ein richtiges Zuhause gefunden. Wenn auch nur auf Zeit.

Warum Ubud

Nach Ubud kommt, neben den Touristen, die für ein paar Tage bleiben, ein ganz bestimmter Schlag Menschen. Hier wimmelt es von Yogis, Heilern, Aussteigern und Reisefamilien. Die Menschen sind offen, freundlich und tolerant. Es gibt wenig Oberflächlichkeiten oder falsche Höflichkeit. Für mich fühlt es sich so an, als würde die Lebenseinstellung der Ausländer, die hier leben und den Ort definitiv prägen, eine ganz besondere Atmosphäre erzeugen.


Ich weiß noch, wie wir das erste Mal in Ubud waren. Wir kannten aus den ersten Wochen vor allem das relativ authentisch-indonesische Jimbaran, geprägt von viel Verkehr, bebauten Flächen und Müll. Begegnet waren wir dort vor allem Balinesen, die zugegeben auch sehr freundlich und liebenswert sind. Und dann Ubud. Ich konnte zunächst gar nicht glauben, wie man so einen Ort auf dieser Insel erschaffen kann. Es fühlte sich an wie ein Disneyland für Rucksacktouristen, Veganer und Menschen auf der Suche nach Heilung und Spiritualität. Alles war so schön, so müllfrei und so vielfältig. Wir wurden sofort aufgesaugt von diesem Ort und wollten auf jeden Fall wiederkommen. Etwa einen Monat später entschieden wir uns, vorübergehend hier zu leben.

Das Leben ist hier langsamer

Hier auf Bali scheint das Leben irgendwie langsamer zu laufen. Außer der Zeit von Montag – Samstag, in der ich arbeite, gibt es kaum Verpflichtungen. Keinen Termindruck. Wir starten jeden Morgen in einer Seelenruhe und lassen uns alle Zeit. Das fühlt sich hier einfacher an, als in Deutschland. Weil es so ruhig ist, wenn wir die großen Fenster öffnen. So friedlich. Weil es immer warm ist und wir uns die Zeit völlig frei einteilen können. Weil die Menschen uns ins Gesicht lachen und sich freuen, wenn wir nach draußen kommen.

So etwas wie Haushalt habe ich hier nur bedingt. Ich mache Frühstück und manchmal eine zweite Mahlzeit pro Tag, spüle das Geschirr und räume ein wenig auf. Viel aufzuräumen ist da allerdings nicht, denn wir haben ja nur zwei Rucksäcke voll Sachen.

Zweimal die Woche kommt unsere Putzfrau, Sri. Unser Sohn freut sich jedes Mal und „hilft“ ihr begeistert bei allem, was sie tut. Ich habe nicht das Gefühl, faul zu sein, weil ich sie putzen lasse, sondern jemandem Arbeit zu geben. Unsere Wäsche kommt gewaschen und gebügelt aus der Wäscherei zurück für ca. 0,50€ / Kilogramm. Kaum jemand wäscht hier selbst, die wenigsten Häuser haben Waschmaschinen.

Abends gehen wir meist in ein Restaurant. Weil wir tagsüber abwechselnd arbeiten ist das unsere Familienzeit. Unser gemeinsamer Feierabend. Wenn möglich, lassen wir unser Kind mitbestimmen, wohin er gehen möchte. Finanziell nimmt es sich nicht viel mit zum selbst kochen, dafür haben wir viel mehr Abwechslung. Jeder kann bestellen, was ihm schmeckt.

Wie teuer ist das Leben auf Bali?

Indonesien ist ein Entwicklungsland. Dadurch liegt die Vermutung nahe, dass es viel günstiger ist als Deutschland. Ist es auch. Einheimische leben hier teilweise von 200€ pro Monat. Allerdings gibt es da ein großes Missverständnis, wenn man denkt, dass auch wir hier günstig leben. Denn die Balinesen leben teilweise auch den Lebensstandard eines Entwicklungslandes. In keinem Fall haben sie Wohnungen wie die, in der wir leben. Die Menschen hier leben auf sogenannten Compounds zusammen, also auf einem großen Familiengrundstück, wo jeder seinen Bungalow hat. Ein Bungalow besteht aus vier Wänden mit einem Dach. Darin befinden sich Bett und Kleider. Auf dem gesamten Compound gibt es dann meist eine Küche und ein Badezimmer. Viele Menschen baden auch einfach im Meer oder im Fluss und putzen dann in der Küche die Zähne.

Die Einheimischen essen auch nicht in veganen Raw-Food Restaurants, sondern alle zusammen zu Hause oder holen Essen von einem der fahrenden Köche oder aus Warungs (Imbissläden), die die meisten Europäer wahrscheinlich nicht mal als solche erkennen würden.

Kurz: Wenn Du den Lebensstandard der Balinesen lebst, kommst Du wahrscheinlich auch mit wenig hundert Euro pro Monat durch. Nur kommt das wohl für 99,9% der Langzeitreisenden oder Auswanderer hier nicht in Frage. Und für einen fast westlichen Lebensstandard zahlst Du hier auch fast westliche Preise. Unsere Wohnung ist mit 300€ / Monat ein super Glücksfall und entspricht nicht dem Marktpreis. Der läge eher bei 500-600€. Für eine Pizza zahlst Du hier zwischen 4 und 10 €, für Kosmetikprodukte viel mehr als bei uns. Viele Dinge, die wir für unser tägliches Leben haben möchten wie Joghurt, Haferflocken oder Olivenöl, bekommst Du nur in großen Touristen-Supermärkten. Die Preise sind dann ähnlich denen bei uns oder sogar teurer.

Hinzu kommt, dass es für viele Dinge verschiedene Preise für Einheimische und Ausländer gibt. Das fängt beim Roller mieten oder reparieren an, Preise für Gemüse oder Obst, Eintritte, bis hin zur Gebühr für Kindergärten.

So braucht eine dreiköpfige Familie hier in Ubud sicherlich mindestens 1000€ monatlich, je nachdem, wie viel man unternimmt. Bei uns haben sich die monatlichen Ausgaben bei ca. 1500-1700€ eingependelt, weil wir gerne auch mal ein paar Tage an die Küste fahren und uns die Übernachtung dann auch was kosten lassen.

Ist es so, wie ich es mir vorgestellt habe?

Und, wirst Du jetzt vielleicht fragen, bist Du jetzt glücklicher? Ist es so, wie Du es Dir vorgestellt hast? Ich muss ehrlich sagen, ich hätte es mir viel schwieriger vorgestellt. Habe durchaus in Erwägung gezogen, dass wir nach ein paar Monaten total gestresst zurück zu meinen Eltern fliegen. Tatsächlich aber hat sich nach dem Anfangsstress der ersten Wochen ein wunderbar entspanntes Gefühl eingestellt.

Das ist sicherlich nicht zuletzt der Entwicklung unseres Kindes geschuldet. Denn er macht alles super mit, ja scheint sogar großen Spaß am Reisen und an der Abwechslung zu haben. Je älter er wird, desto besser findet er sich in der Welt zurecht und desto einfacher macht er uns das Leben. So war ich vor kurzem sogar mit ihm alleine für eine Nacht am Meer und obwohl der Tag ohne seinen Papa schon ganz schön anstrengend ist, war es auch sehr schön. Ich habe hier nicht das Gefühl, nur „durchzuhalten“, weil ich eigentlich zu müde bin für den Tag oder so viel anderes zu tun hätte. Ich kann die Zeit mit meinem Sohn meistens wirklich genießen und freue mich auf den nächsten Tag mit ihm.

Insgesamt würde ich sagen, ist der Plan für uns voll aufgegangen. Wir sind hierher gekommen, um mehr gemeinsame Zeit mit unserem Kleinkind und zu dritt als Familie zu haben. Das haben wir definitiv.

So geht es weiter

Trotzdem ist Bali kein Ort, an dem ich viele Jahre leben wollen würde. Dem Mann ergeht es da ebenso. Die Erfahrung ist toll, aber wir freuen uns trotzdem, im Oktober weiterzuziehen. Für Oktober und November haben wir ein kleines Haus im Süden von Phuket gemietet. Im Dezember fliegen wir dann weiter nach Bangkok, von wo aus wir in einen kleinen Ort weiter südlich fahren. Dort haben wir ein großes Haus mit 3 Schlafzimmern, das wir uns für einen Monat mit meinen Eltern und zwei meiner Brüder teilen.

Während auch bei uns die Vorfreude auf meine Familie steigt, spricht auch unser Sohn immer häufiger von Thailand. Er überlegt schon, ob er dann wohl Geschenke bekommt von Oma und Opa und ob es in Thailand auch Thomas-Lokomotiven gibt.



Alle Kommentare (1)

    Danke das du diese wertvolle Erfahrung teilst. Nach einer Reportage im Fernsehen über Bali habe ich mich auch gefragt wie es wohl als Familie da wäre. Ich kann mir das sehr gut vorstellen das dort die Zeit nicht so rennt wie hier bzw es eben entspannter ist. Auch musste jetzt einige Gänge zurück schalten und es hat lang gedauert bis ich verstanden habe das das ok ist und sogar mehr als nur ok. Ich will das letzte Drittel meiner Schwangerschaft genießen und mit Vorfreude der Geburt etgegenschauen.

    Liebe Grüße nach Bali aus Dresden, eine Stadt in der es gut ist zwischen allen die rennen mal einen Gang runter zu schalten.

    Dany von https://www.danyalacarte.de

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