Zum Nachdenken: Mehr Zeit für’s Wesentliche

An der Panke

Wenn ich wüsste… ……. dass es das letzte Mal ist, dass ich Dich einschlafen sehe, würde ich Dich besser zudecken und zu Gott beten, er möge Deine Seele schützen. Wenn ich wüsste, dass es das letzte Mal ist, dass ich Dich zur Türe rausgehen sehe, würde ich Dich umarmen und küssen und Dich für einen weiteren Kuss zurückrufen. Wenn ich wüsste, dass es das letzte Mal ist, dass ich Deine Stimme höre ich würde jede Geste und jedes Wort auf Video aufzeichnen, damit ich sie Tag für Tag wiedersehen könnte. Wenn ich wüsste, dass es das letzte Mal ist, dass ich einen Moment innehalten kann, um zu sagen „Ich liebe Dich“ anstatt davon auszugehen, dass Du weißt, dass ich Dich liebe. Es gibt sicherlich immer ein „morgen“ um ein „Versehen/Irrtum“ zu begehen. Und wir erhalten immer eine 2. Chance um einfach alles in Ordnung zu bringen. Es wird immer einen anderen Tag geben, um zu sagen „ich liebe Dich“. Und es gibt sicher eine weitere Chance um zu sagen: „Kann ich etwas für Dich tun?“ Aber nur für den Fall, dass ich falsch liegen sollte und es bleibt nur der heutige Tag, möchte ich Dir sagen, wie sehr ich Dich mag. Und ich hoffe, dass wir nie vergessen, das „Morgen“ ist niemandem versprochen, weder jung noch alt. Und heute könnte die letzte Chance sein die Du hast, um Deine Lieben fest zu halten. Also, wenn Du auf Morgen wartest wieso tust Du’s nicht heute? Falls das „Morgen“ niemals kommt wirst Du bestimmt bereuen dass Du Dir keine Zeit genommen hast, für ein Lächeln, eine Umarmung oder einen Kuss und Du zu beschäftigt warst, um jemanden etwas zuzugestehen, was sich im Nachhinein als sein letzter Wunsch herausstellt. Halte Deine Lieben heute ganz fest und flüstere ihnen ins Ohr sag‘ ihnen, wie sehr Du sie liebst, und dass Du Sie immer lieben wirst. Nimm Dir die Zeit zu sagen „Es tut mir leid“ „Bitte verzeih‘ mir“, „Danke“, oder „Ist in Ordnung“ – und wenn es kein „Morgen“ gibt, musst Du den heutigen Tag nicht bereuen. Worte von Dr. H. Solomon, geschrieben nach dem schrecklich plötzlichen Tod der Menschen, die am 11. Sep. 2001 im World Trade-Center gewaltsam um’s leben kamen, und allesamt – wie auch ihre Lieben – irrtümlich dachten, sie hätten noch viel Zeit miteinander.

Diese Zeilen machen derzeit die Runde auf facebook und sind auch mir gestern untergekommen. Sie haben mich zum Nachdenken gebracht. Natürlich haben wir das schon oft gehört: Lebe jeden Tag, als wenn es dein letzter wäre. Aber tun wir dass denn wirklich? Tue ich das wirklich? Ich muss ehrlich zu mir selbst sein: leider sehr selten. Ich bin ein sehr zielstrebiger, effektiver Mensch. In meinem Kopf habe ich einen Plan für den Tag und den verfolge ich dann auch. Und darüber vergesse ich manchmal das Wesentliche: den Tag einfach zu leben. Ihn ganz entspannt mit dem zu füllen, was mich glücklich macht und mit denen zu teilen, die ich liebe. Möglichst viele der wunderbaren Momente, die das Leben uns beschert, zu genießen und diese Freude weiterzugeben. Meinen liebsten eine Freude machen. Ihnen Zeit schenken. Ihnen sagen und zeigen, wie wichtig sie sind.

Ich lag also abends im Bett, las den Text von H. Solomon und fing an, mir bewusst zu machen, wie viel Glück ich in meinem Leben habe und wie selten ich das einfach nur genieße. Weil ich ein Mensch der Taten und wie gesagt sehr zielstrebig bin, habe ich noch im selben Moment damit angefangen. Ich habe meinen kleinen schlafenden Engel ein wenig fester an mich gedrückt und meine Wange an seine gehalten. Ich habe ihm ins Ohr geflüstert, wie sehr seine Mama ihn liebt.

Dann habe ich meinen Mann zu mir gerufen und ihm gesagt, wie wundervoll er ist. Wie froh ich bin, mein Leben mit ihm zu teilen und dass ich hoffe, dass unser Weg noch viele, viele Jahre ein gemeinsamer sein wird. Immerhin ist er es, der mir in den letzten Jahren – teils mit mehr, teils mit weniger Erfolg – beizubringen versucht, auch einfach mal für den Moment zu leben. Dass es okay ist, etwas nur für mich zu tun, auch wenn es nicht effektiv ist und keinen Zweck erfüllt. Dass nicht alles bis zum Ende durchdacht sein muss, sondern es reicht, wenn es einfach nur Spaß macht. Dass es völlig in Ordnung ist, sich auch mit 30 noch manchmal zu benehmen wie ein Teenager und Dinge zu tun, die „man“ in diesem Alter eigentlich nicht mehr macht. Dafür bin ich ihm so unglaublich dankbar.

Heute abend war ich mit meinem Kleinen allein. Wir haben die Beleuchtung am Weihnachtsbaum angemacht und ich habe mich zu ihm auf seine Spielwiese (der Boden) gelegt. Viel zu oft nehme ich mir dafür nicht die Zeit. Wenn er schon mal friedlich spielt, drängt meine innere Stimme mich dazu, die Zeit zu nutzen. Um aufzuräumen, um Telefonate oder Emails zu erledigen, um schnell was zu essen. In den letzten Tagen war ich krank und konnte mich nur wenig um ihn kümmern. Als ich also meinen Kopf neben seinem kleinen Körper auf dem Boden ablegte, stand ihm die Freude ins Gesicht geschrieben. Dieses strahlende kleine Gesicht werde ich nie mehr vergessen. Lächelnd und fasziniert kniete er vor mir und sah mich an. Ich fing an, ein paar Grimassen zu schneiden oder Töne zu machen. Sämtliches Spielzeug war völlig irrelevant. Immer wieder kam er ganz nah an mein Gesicht, tätschelte es (manchmal auch begleitet von einem beherzten Griff in die Wange), schmiegte sich an mich und wich dann wieder ein Stück zurück, um mich wieder besser sehen zu können. So verbrachten wir ca. 30 Minuten. Diese 30 Minuten waren so wunderschön und in dem Moment gab es für mich nichts Wichtigeres und nichts Schöneres auf der Welt. Nur uns beide.

Solche Momente kann uns niemand zurückgeben, wenn wir sie verpasst haben. Mit keinem Geld der Welt, das ich in einem noch so gut bezahlten Job verdient habe, kann ich mir diese Augenblicke mit meinen Liebsten kaufen. Wenn er vorüber ist, und ich die Gelegenheit nicht ergriffen habe, dann kommt sie nicht wieder. Und wer weiß, wie viele ich noch habe in meinem Leben.

 

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