Neue Träume: Kursänderung im neuen Jahr


Beim Thema ortsunabhängiges Leben denkt man ja zu allererst an Reisen und Leben an Orten, wo andere Urlaub machen. Das wirklich schöne an Ortsunabhängigkeit für mich ist aber, dass ich immer dort leben und arbeiten kann, wo ich wirklich sein möchte. Flexibilität. Die Möglichkeit, die Pläne zu ändern. Neue Träume zu träumen. Für mich hat sich in den letzten Monaten vieles geändert – nicht zuletzt meine Vorstellung von der nahen Zukunft. Vom Jahr 2019.

Deshalb kommt von mir zum Jahresende auch kein Jahresrückblick, sondern eine Vorschau auf unsere Pläne und Möglichkeiten für nächstes Jahr.

Ein Strich, der alles verändert?

Ja, ich habe mir dieses Baby gewünscht. Obwohl oder vielleicht auch gerade weil die neue Situation alles verändert?

Und je mehr Schwangerschaftshormone sich in meinem Körper tummelten, desto weniger Lust habe ich plötzlich auf Südostasien. Vor allem Thailand wurde für mich zum absoluten Anti-Land. Statt Reisen und Kompromissbereitshaft schreit meine Seele nach Häuslichkeit und Bekanntem. Nach der Heimat. Nach meinen Eltern.

Allerdings wäre es nur die halbe Wahrheit, alles auf die Schwangerschaft zu schieben. Auch vorher hatte ich hin und wieder leise Gedanken dieser Art. Das Leben auf Bali war wunderschön und mir ging es so gut wie lange nicht mehr, ja. Trotzdem fehlte etwas. Die Familie. Die Freunde. Mein Heimatland. Mir war schnell klar, dass das kein Leben ist, das ich für immer leben möchte – sondern eben nur für eine gewisse Zeit. Wenn wir keine Familie und Freunde in Deutschland hätten, wäre es vielleicht anders. Aber wir haben die nun einmal und ich vermisse sie.

Nicht erst seit den Schwangerschaftshormonen.

Gemeinschaft als Lebensmodell

Eigene Wohnung, viel Privatheit?

Schon länger, auch schon vor unserer Abreise, beschäftigt mich ein Gedanke. Als wir, mein Mann und ich, nur zu zweit waren, war das schon okay, in einer Wohnung zu wohnen. Mit Wänden, die uns von den Nachbarn abschirmen, mit Zäunen und viel Privatheit. Trotzdem mochte ich es schon immer, zwischendurch viele Menschen um mich zu haben. Menschen, mit denen man sich wohl und zu Hause fühlt. Die sich ganz selbstverständlich bei uns aufhalten.

In unserer Zeit mit Kind habe ich mich immer wieder gefragt, ob das eigentlich gut ist. Vater, Mutter, Kind. Familie und Freunde weit weg. In einer anderen Wohnung. Einer anderen Stadt. Oder sogar einem anderen Land, wie in unserem Fall.

Mit Kind keine so gute Idee mehr!

Allein mit Kind ist es wirklich anstrengend, für alle Beteiligten. Und nach und nach wurde mir auch klar, warum: Es ist eben nicht gut. Es ist nicht natürlich. Auf Bali habe ich oft genug gesehen, wie es auch sein könnte. Wie es in den Jahrhunderten vor unserem bei uns auch war: Verschiedene Generationen leben auf demselben Grundstück zusammen. Alle kümmern sich um die Kleinsten, um die Alten und umeinander. Ja, man hat weniger Privatsphäre und man muss mehr Kompromisse eingehen, aber dafür ist es einfacher. Selbstverständlicher. Und vielleicht auch schöner?

In unseren 9 Monaten mit meinen Eltern in einem Haus wurde mein Verdacht bestätigt. Ja, es ist manchmal anstrengend. Oder nervig. Aber es ist mit Kind auch so viel schöner, als die selbstgewählte Isolation, die wir vorher und nachher hatten.

Es ist viel mehr Leben im Haus, viel mehr Bezugspersonen für unser Kind. Viel weniger Arbeit, weil Dinge wie Einkaufen, Kochen und Wäsche waschen gemeinsam erledigt werden können. Ein Grillabend ist so viel schöner, wenn mehr Menschen dabei sind. An einem Weihnachtsabend klingen die Weihnachtslieder furchtbar schief, weil keiner von uns ein guter Sänger ist – aber sie machen Spaß und ein heimeliges Gefühl im Bauch.

Es braucht ein Dorf…

Zum ersten Mal ausformuliert gelesen habe ich den Gedanken bei der Autorin Nicola Schmidt. Sie sagt, dass wir Eltern, so wie wir aktuell meistens Leben, zu recht überfordert sind. Dass es nicht unserem menschlichen Wesen entspricht, so isoliert zu leben. Es seit nicht „artgerecht“, wie sie es nenne. Auch der renommierte Kinderarzt und Autor Remo H. Largo formuliert es immer wieder: Es tut uns nicht gut und wir Menschen sollten weiterhin in Gemeinschaften leben. Egal, welcher Form.

Und nun? Unser Plan für 2019

Mit mir ist das ja so, wie ein berühmter Herr mal formulierte,

„Zwei Herzen wohnen, ach, in meiner Brust“.

Das eine schlägt für die Heimat, für die Familie und für ein stabiles Zuhause für meinen Sohn. Das andere dagegen ruft nach Abwechslung, nach Reisen, nach neuen Erfahrungen. 2018 ist das Reiseherz definitiv auf seine Kosten gekommen. 2019 ist es Zeit für Heimat.

Wir werden also Anfang Februar zurück nach München fliegen und wie vor unserer Abreise bei meinen Eltern im 1. Stock wohnen. Wieder vorübergehend, aber diesmal mit längerfristigen Plänen. Denn direkt gegenüber, auf dem selben Grundstück, steht mein Elternhaus, in dem ich aufgewachsen bin. Dort wird aktuell der Dachboden saniert und im Erdgeschoss wohnt eine junge Mutter mit zwei Kindern. Der größere davon zufällig genauso alt wie unser Sohn. Und dazwischen: Ein ganzes Stockwerk mit drei Schlafzimmern, großem Bad, Toilette, Balkon und Arbeitszimmer. Nur eine Küche müsste noch rein.

Wir können also den Rest meiner Schwangerschaft nutzen, uns dieses Stockwerk ein wenig zu renovieren und so einzurichten, wie es für uns passt – und dann umziehen, wenn wir der Meinung sind, dass es so weit ist. Der Rubbelbatz hat im Ort ab März einen Kindergartenplatz.

Landleben langfristig testen

2019 wird für uns also eine lange Testphase. Ob wir das können. Sesshaft werden. Auf dem Land.

Für mich ist das sesshaft werden, das auf einen Ort festlegen die größte Schwierigkeit. Für meinen Mann das Landleben. Er ist ein Stadtkind und hat noch dazu immer wieder mit Heuschnupfen zu kämpfen.

Im schlimmsten Fall könnte es also passieren, dass wir irgendwann das Handtuch werfen und wieder aufbrechen. Im besten Fall stellen wir fest, dass wir diesem neuen (für mich alten) Zuhause und dem Leben in einer Gemeinschaft viel abgewinnen können und langfristig dort bleiben möchten. Unsere Kinder dort aufwachsen sehen.

Und trotzdem reisen

Natürlich wäre dann da noch meine andere Seite. Die Reiselust. Solange noch keine Schulpflichten bestehen, könnten wir der ja weiter nachgehen, sobald Junior Nr. 2 so weit ist. Einfach zwischendurch ein paar Monate wegfliegen. Dahin, wo es warm ist und neu und spannend. Und dann wieder zurück kommen in unser Zuhause. In unser Familiennest. Zu unserer Gemeinschaft.

Es bleibt also spannend 2019. Vom Rest der Schwangerschaft und der Geburt mal ganz abgesehen.

Nun bleibt mir nur noch zu sagen: Ich freue mich, dass Du 2018 dabei warst und unsere Reise verfolgt hast. Ich wünsche Dir und Deiner Familie einen guten Rutsch und ein gesundes 2019!

 


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Alle Kommentare (4)

    Ich finde es toll euch virtuell sozusagen zu begleiten, da man alles miterlebt. Und habe großen Respekt gehabt, dass ihr diesen Schritt gewagt habt. Und kann aber deine Sehnsucht nach zu Hause auch total verstehen. Ihr macht schon das richtige für euch draus. Finde es toll wie ihr euer Leben so gestaltet.

    Hallo Heike,

    vielen Dank für diese lieben Worte – oft bekomme ich ja eher skeptische Rückfragen und die zustimmenden Leser schweigen 🙂

    Ich bin sehr froh und dankbar, dass wir unser Leben so gestalten können und auch eine Planänderung so problemlos möglich ist.

    Liebe Grüße,
    Hanna

    Hallo Hanna,
    ich verfolge Euren Blog seit über vier Jahren. Zu der Zeit hatte ich so eine Sehnsucht nach einem Kind. Deine Berichte lenkten mich ab und machten die Zeit erträglicher. Für meinen Mann war es noch nicht an der Zeit. Ich sollte erst mein Lehramtstudium beenden und endlich arbeiten.
    Doch ich fühlte, dass mein Wunsch mich so sehr lahmlegte und ich nicht länger warten wollte. Wir hatten keine perfekten Bedingungen für ein Kind. Unsere Wohnung war viel zu klein und ich hatte keinen Job. Trotzdem wagten wir den Schritt und nun ist unser Kind bald 1 Jahr alt.
    Das war die beste Entscheidung meines Lebens. Ich bin nun angekommen und mit Herz und Seele Mama.

    Jetzt wünsche ich mir nichts sehnlicher als ein zweites Kind. Ich möchte ein Geschwisterchen für meinen Kleinen. Aber da ist das Studium wieder im Weg. Doch ich bin mir mittlerweile gar nicht mehr so sicher, ob das überhaupt mein Traumberuf ist.

    Ich finde es toll, dass ihr Eurem Wunsch gefolgt seid und es gewagt habt. Mich ermutigt es und ich werde Eure Berichten weiterhin mit Spannung verfolgen!

    Hallo Ann,

    vielen Dank für diese liebe Rückmeldung!

    Ich glaube, es gibt immer einen Weg. Wenn es beim ersten Mal geklappt hat, warum nicht auch beim zweiten Mal? In Deutschland gibt es so viel Möglichkeiten der Unterstützung, damit Du das Studium trotzdem fertig machen kannst – wenn Du es denn wirklich möchtest. Es gibt verhältnismäßig gute Kinderbetreuung (auch wenn oft darüber gejammert wird, unsere Kinder sind dort sicher und es gibt sehr hohe Standards), die Möglichkeit von Elternzeit und anderen Möglichkeiten, ein Studium zu pausieren. Ob ihr Unterstützung durch Großeeltern habt, weiß ich nicht, aber es gibt mittlerweile sogar Leihomas und Au-Pairs im höheren Alter.

    Wir haben so ein Privileg, als Deutsche geboren zu sein. So viele Sicherheiten. Was ist denn das Schlimmste, was passieren kann, wenn wir finanziell bzw. beruflich etwas riskieren? Dass wir vorübergehend auf staatliche Hilfe angewiesen sind, bis wir wieder auf eigenen Beinen stehen können! Dazu kommt es ohnehin in den allerwenigsten Fällen, aber alleine diesen Fallschirm zu haben, gibt mir enorm viel Sicherheit.

    Ich wünsche Dir, dass ihr einen Weg findet. Hör auf dein Herz, nicht auf die Angst! Meine Mama sagt immer, wenn der einzige Grund, warum man etwas nicht tut, Angst ist, dann muss man es erst recht machen.

    Liebe Grüße,
    Hanna

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