Warum es gut ist, dass Mütter ständig vergleichen


Immer wieder lese ich es. Wir Mütter dürfen nicht vergleichen. Uns nicht mit anderen Müttern. Unsere Kinder nicht mit Gleichaltrigen. Wahrscheinlich auch nicht die Väter unserer Kinder. Oder die Großeltern.

Wir.

Dürfen.

Nicht.

Vergleichen.

Das scheint mir fast wie ein Mantra und augenscheinlich erzeugt schon allein die Tatsache, dass sie verglichen haben, ein schlechtes Gewissen bei manchen.

Absoluter Quatsch!

Ich denke, das Vergleichen liegt uns Menschen im Blut und darum gibt es einen guten Grund dafür, dass wir es tun.

Was ist vergleichen?

Denn vergleichen bedeutet doch am Ende nichts anderes, als das Eine in Relation zum Anderen zu setzen. Es ist ein Versuch, sich in unserer Welt zurechtzufinden, zu verorten und weniger Fehler zu machen. Vergleichen ermöglicht uns Menschen, in allen Bereichen, vorteilhafte und normale Verhaltensweisen, Vorgehensweisen, Entwicklungen, zu kopieren und negative zu unterlassen, ohne jeden Fehler selbst begehen zu müssen.

Das ist der Sinn vom Vergleichen. Deshalb tun wir Menschen das unaufhörlich.

Vergleichen ist bei mir, und ich bin mir sicher auch bei ganz vielen anderen Müttern, wie ein Reflex. Ich sehe etwas und ich ordne es gedanklich in das ein, was ich kenne. Ich vergleiche es mit eigenen Erfahrungen, mit eigenen Verhaltensweisen – mit dem eigenen Kind.

Ein Plädoyer für das Vergleichen der Mütter

Deshalb, liebe Mütter, dürfen wir vergleichen! Wann immer es uns in den Sinn kommt. So viel wir wollen.

Der Druck des Vergleichens

Ja, wirst Du jetzt sagen, aber uns Mütter setzt es furchtbar unter Druck. Jedes Mal, wenn ich andere beobachte, die es vermeintlich so viel besser machen, habe ich ein schlechtes Gefühl. Denke, ich bin vielleicht nicht gut genug.

Ja, ganz genau! Denn dieses ewige Vergleichen gibt mir jedes Mal einen Anreiz, mein eigenes Verhalten zu überdenken. Wenn ich eine andere Mutter sehe, die so ist, wie ich gerne wäre, dann fallen mir all die Dinge auf, die ich nicht so gut mache.

Das nächste Mal, wenn ich mein Kind ungerecht behandle, denke ich vielleicht an diese Mutter, die das ganz anders tun würde. Ich denke daran, wie ich eigentlich sein will und reiße mich verdammt noch mal zusammen. Weil ich weiß, dass es auch anders geht.

Für mich ist das Vergleichen ein täglicher Anreiz, mein Bestes zu geben.

Der Druck der Perfektion

Die Gefahr, vor der eigentlich gewarnt werden sollte, wenn es heißt, man Mütter dürfen nicht vergleichen, ist eine ganz andere: Der Umgang mit den Beobachtungen. Denn wer sich selbst mit anderen Müttern vergleicht und der Meinung ist, die anderen wären perfekt, der unterliegt einem gewaltigen Irrtum. Wer denkt, dass andere Mütter keine Fehler machen und dass nur perfekte Mütter glückliche Kinder haben, der irrt sich.

Beim Vergleichen kommt es nicht darauf an, sich wegen der eigenen Unzulänglichkeiten Vorwürfe zu machen. Das bringt niemanden weiter, nicht Dich und nicht Dein Kind. Es geht darum, Dich selbst zu reflektieren und positive Dinge zu übernehmen.

Lass das Vergleichen nicht Dein Selbstbewusstsein als Mutter verändern und es ist nichts falsches daran.

Die Kinder vergleichen

Dein Kind ist größer als andere? Kleiner? Aktiver? Schüchterner? Schön, herzlichen Glückwunsch, Du bist Mutter (oder Vater) eines Individuums. Wer hätte das gedacht.

Dein Baby sieht nie zur linken Seite? Es hat furchtbar starken Milchschorf auf dem Kopf? Dein Kind kann mit zwei Jahren immer noch nicht laufen? Woher wüsstest Du, dass das nicht normal ist, wenn Du nicht mit anderen Kindern vergleichen würdest? Woher wüssten Ärzte und Hebammen, was im Bereich des Normalen, des Gesunden ist und was einer Behandlung oder Unterstützung bedarf? Dass wir Kinder mit anderen Kindern vergleichen kann überlebenswichtig sein. Denn nur so kann uns auffallen, was mit unserem Kind vielleicht nicht in Ordnung ist – und wir können entsprechende Hilfe in Anspruch nehmen.

Natürlich gibt es auch hier wieder die Gefahr, dass das Vergleichen zum Wettbewerb wird. Es geht nicht darum, welches Kind zuerst losläuft, sondern um das Erkennen eines gesunden Rahmens, in dem ein Kind laufen lernt. Kein Kind ist besser, weil es länger schläft oder mehr isst. Aber vielleicht gibt es andere Mütter, die schon einen guten Trick gefunden haben, ihrem Kind das Schlafen zu erleichtern? Vielleicht kann ich mit meinem Kind von diesen Erfahrungen profitieren? Das funktioniert nur, wenn wir unsere Kinder vergleichen und die daraus resultierenden Erfahrungen teilen.

Vergleichen ohne Reue

Ich habe mich deshalb frei gemacht von dem „Verbot“, zu vergleichen. Und ich vergleiche, was das Zeug hält. Ich tratsche mit anderen Müttern. Über ihre Kinder, ihre Ehemänner, ihre Eltern und Schwiegereltern. Oft bin ich danach frustriert, aber oft auch stolz auf das, was ich habe. Und allzu oft lerne ich etwas Neues dazu, bin fasziniert von dem, wie andere es sehen oder machen.

Ich liebe mein Kind nicht weniger, nur weil ein Gleichaltriger täglich eine Stunde mehr schläft, im Restaurant still sitzen kann oder schon die Buchstaben unterscheidet. Aber es gibt mir Anregungen, wozu er womöglich schon fähig ist. Was ich mit ihm ausprobieren könnte und wie ich mit seinem Charakter umgehen kann.

Deshalb bin ich dankbar für jedes Vergleichen mit einem gleichaltrigen Kind, mit einer anderen Mutter oder mit anderen Beziehungen.


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