Gewalt gegen Kinder: Warum es NIE in Ordnung ist, seine Kinder zu schlagen


Päpstlicher als der Papst in Sachen Kindererziehung!

„Einmal habe ich einen Vater bei einem Treffen mit Ehepaaren sagen hören: ‚Ich muss manchmal meine Kinder ein bisschen schlagen, aber nie ins Gesicht, um sie nicht zu demütigen‘.“

Das hat Papst Franziskus diese Woche vor aller Welt verkündet.

Schockierend? Ja, definitiv!

Naja, der kommt halt aus Lateinamerika und da ist das üblich – bei uns nicht. Falsch!

Auch in Deutschland muss fast ein Viertel aller Kinder zu Hause mit Schlägen rechnen, wie eine Studie aus 2013 belegt. Am häufigsten und am schwersten betroffen sind dabei Kinder aus ärmeren Familien und niedrigen Bildungsschichten. Aber die Tatsache, dass Gewalt in der Kindererziehung als Erziehungsmittel angewendet wird, zieht sich durch alle Schichten und Regionen. Dabei gibt es seit 2000 in Deutschland ein Gesetz, das Gewalt in der Erziehung verbietet und KinderMir hat der eine oder andere Klaps auch nicht geschadet.n das Recht auf eine gewaltfreie Kindheit einräumt.

Der ein oder andere wird sich jetzt sagen: „“ Wieder falsch!

Tatsächlich gibt es zahlreiche wissenschaftliche Studien über die Auswirkung von Gewalt in der Erziehung auf die Entwicklung von Kindern.

 

Auswirkungen von Gewalt gegen Kinder

Selbst wenn bei einem „Klaps“ (egal, wie verharmlosend man es nennt, es handelt sich doch immer um Gewalt) keine äußerlich erkennbaren Folgen zurückbleiben, gibt es eine Reihe von belegten körperlichen und psychischen Beeinträchtigungen, einige von diesen möchte ich hier nennen:

  • sozial-emotionale Strörungen und Verhaltensprobleme wie Zwangs-, Angst- und schwere Persönlichkeitsstörungen, Suchterkrankungen, Alkoholismus, Niedergeschlagenheit, Gefühle von Hilfslosigkeit und Kontrollverlust, soziale Passivität, Aggression, Selbstmordgedanken, Schlafstörungen, Magersucht
  • körperliche Erkrankungen als psychosomatische Erscheinung
  • körperlich-kognitive Beeinflussung der Entwicklung, sichtbar als geringerer Anteil grauer Hirnmasse in manchen Arealen des Gehirns, damit verbunden auch Probleme der Sprachentwicklung wie Lispeln, Stottern, begrenzter Wortschatz und folglich mangelhafte Schulleistungen

Kinder, die Gewalt erfahren, übernehmen außerdem dieses Verhalten. Sie lernen, Gewalt als Konfliktlösung anzuwenden und tun dies statistisch gesehen auch weitaus häufiger.

 

Bringt der „Klaps“ überhaupt etwas?

Manche werden jetzt denken: „Naja, aber anders ist meinem Kind oft nicht beizubringen, wie es sich verhalten soll.“

Tatsächlich bewirkt die Gewaltanwendung, egal ob körperliche oder seelische Gewalt, eine Verhaltensänderung beim Kind. Auch bezüglich des konkreten Verhaltens, für das es bestraft wurde. Das Kind wird in Zukunft so handeln, wie die Eltern es erwarten – aus Angst vor weiterer Bestrafung. Nicht aus Einsicht oder aus einer Persönlichkeitsentwicklung heraus. Ich unterstelle (fast) allen Eltern, dass sie eigentlich das Beste für ihr Kind wollen. Wollen wir nicht, dass sich unser Kind entwickelt, eine eigene Meinung und Persönlichkeit ausbildet und Dinge aus Einsicht tut oder nicht tut? Mit Gewalt bewirken wir nur Angst und Unsicherheit.

Was sagt dieses Verhalten außerdem über die Eltern aus? Meiner Meinung nach nutzen diese Eltern ihre körperliche und geistige Überlegenheit gegen ihre Kinder, anstatt sie zu unterstützen. Das kann nur eine Ursache haben: die eigene Unfähigkeit; sie wissen sich nicht anders zu helfen. Oder sind zu bequem, sich die Zeit für andere Maßnahmen zu nehmen, wie mit dem Kind zu sprechen oder durch eigenes Vorbild voranzugehen.

Zurück zu Papst Franziskus

Der Aussage des Papstes stimme ich so also auf keinen Fall zu. Ich bin auch der Meinung, dass er in seiner Rolle solche Aussagen nicht in dieser Weise treffen darf. Für Millionen von Christen ist das eine Rechtfertigung für ihre Gewalt gegen Kinder. Trotzdem steckt in der Aussage ein Fünkchen Wahres: denn es gibt tatsächlich verschiedene Abstufungen von Gewalt. Körperliche Gewalt ist nie in Ordnung, aber noch schlimmer ist die Kombination mit seelischer Gewalt und verbaler Missachtung. Die oben beschriebenen Folgen zeigen sich nicht nur bei körperlicher, sondern auch bei psychischer Gewalt. Wenn Kinder sich gedemütigt, verspottet und nicht geliebt fühlen, ist das oft verletzender als leichte körperliche Strafen und hat ebenfalls schlimme Folgen. Ein Vater, der sein Kind liebt und trotzdem schlägt, ist schlimm genug, keine Frage. Aber das Gefühl, nicht geliebt zu werden ist für ein Kind noch verheerender. Und auch die Bestrafung „Liebesentzug“ wirkt ähnlich, nur viel subtiler als Schläge.



Sag uns, was Du dazu denkst

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.