Schwangerschaft und Job – bin ich jetzt raus?

Schwangerschaft und Job

Gestern habe ich zum ersten Mal, dank dieses sehr humorvollen Beitrags wirklich darüber nachgedacht, was mit mir als Mama denn eigentlich später beruflich passieren soll. Oder kann. Denn als Arbeitgeber (mein Job ist es, kurz gesagt, geeignete Kandidaten für Unternehmen zu finden und diese einzustellen) kenne ich wie Liz diese Vorbehalte meinerseits gegenüber Mamas mit kleinen Kindern: eingeschränkte Arbeitszeiten, Ausfälle durch Krankheit des Kindes, eigene Krankheiten wegen Überlastung und Schlafmangel, etc. etc. Ich hatte sogar schon Unternehmen, die niemanden einstellen, der Kinder  hat oder noch welche bekommen möchte. Andere berücksichtigen nur Männer, weil sie mit Frauen „schlechte Erfahrungen“ gemacht haben. Welche schlechten Erfahrungen das sind, kann ich mir wirklich denken.

Schwangerschaft und Job

Nun ist es also so weit: ich stehe bald selbst auf der anderen Seite. Noch kann man mich einfach nur für schlecht portioniert oder etwas proper halten, aber bald wird jeder auf den ersten Blick sehen: da ist eine künftige unzuverlässige Arbeitskraft! Noch habe ich großes Glück mit meinem Team und meinem Vorgesetzten, die bereit sind, große Rücksicht zu nehmen – mehr sogar, als ich momentan brauche. Denn Fakt ist: bisher bin ich einen einzigen Tag der Schwangerschaft wegen einer Erkältung zu Hause geblieben, sonst gibt es keine Ausfälle oder Minderleistungen zu verzeichnen. Aber nichts hält ewig, was also, wenn ich mal eine neue Stelle möchte oder sich das Team während meiner Elternzeit verändert? Wie steht es mit der Arbeitswelt für Mütter?

 

Frauen in der Arbeitswelt

Neugierig habe ich mal ein wenig recherchiert und verschiedene, ehrlich gesagt eher deprimierende Fakten über Frauen und die Arbeitswelt gefunden:

Statistik: Durchschnittlicher Bruttoverdienst von Führungskräften in der Privatwirtschaft (in Euro) in Deutschland nach Männern und Frauen in 2008 | Statista
Laut einer Umfrage sind 71% der Befragten der Meinung, dass Frauen im Beruf benachteiligt werden. Tatsächlich liegt der Anteil von Frauen in Führungspositionen gerade einmal bei 21%, in Vorstandspositionen lediglich 11%.

Für den durchschnittlichen Gehaltsunterschied zwischen Frauen und Männern gibt es einen Fachbegriff: Gender Pay Gap. Der Wert dafür wird in Prozent angegeben, eine Richtung anzugeben erübrigt sich, da Frauen durchweg weniger verdienen, als Männer – und zwar über 20% weniger. Das heißt, wenn eine Frau 1000 Euro bekommt, bekommt ein Mann mindestens 1200 Euro. Selbst in der einzigen Branche, in der Frauen klar die Nase vorn haben – im Gesundheits- und Sozialwesen gibt es einen Frauenanteil von über 80% – gab es zwischen 2006 und 2008 einen Gehaltsunterschied von 24%.

Außerdem habe ich herausgefunden, dass Frauen statistisch gesehen auch weniger ehrgeizig sind – d.h. weniger häufig nach einer Beförderung oder Gehaltserhöhung fragen, als Männer.

 

Warum ist das so?

Die Antwort liegt wahrscheinlich auf der Hand: Frauen sind in unserer Gesellschaft nach wie vor diejenigen, die verantwortlich gemacht werden und sich auch verantwortlich fühlen (wollen?) für die Erziehung des Nachwuchses. Ich glaube, dass sich viele Frauen auch gerne mit dieser Rolle identifizieren, ja geradezu darin aufgehen.

Ich habe eine Freundin aus Kindertagen, die mit 17 Jahren zum ersten mal (ungewollt) schwanger wurde. Heute ist sie mit dem Vater verheiratet und sie haben insgesamt 5 wunderbare Kinder. Sie scheint die „Karriere“ nicht im geringsten zu vermissen und ich werde jedesmal, wenn wir uns sehen, grün vor Neid: ich habe selten so perfekte Kinder gesehen. Nicht zu wohlerzogen, aber auch nicht zu ungezogen, einfach Kinder, die sein dürfen, wie sie sind. Ihnen tut es offensichtlich gut, dass die Mama den ganzen Tag bei ihnen ist.

Auch meine Mama hat sehr früh Kinder bekommen und insgesamt vier davon. Ihren Beruf als Beamtin mit entsprechend abgeschlossenem Studium musste sie dadurch aufgeben und ist auch nie dahin zurückgekehrt. Aus Karriere-Sicht eine Vollkatastrophe. Aus Kindersicht der absolute Luxus. Dass die Mama immer da ist, ist als Kind ein sehr beruhigendes Gefühl – auch wenn man sie meistens eh nicht braucht und mit Freunden und Geschwistern am Toben ist. Entgegen aller Vorurteile vom Nachsehen im Job ist meine Mama heute trotzdem in einer Führungsposition – wenn auch in einem ganz anderen Beruf. Denn sie hat, als wir alle in der Schule waren, nochmal eine Ausbildung und ein Fernstudium gemacht und bewiesen, dass man auch als Frau mit fast 40 und nach vier Kindern nochmal richtig durchstarten kann!

Was also soll mit mir passieren?

Es ist also – Ausnahmen gibt es natürlich immer – grundsätzlich immer noch so, dass Frauen sich zwischen Karriere und Familienplanung entscheiden müssen. Wenn die Entscheidung einmal gefallen ist – und mit einer Schwangerschaft ist sie das allerspätestens – müssen wir eben sehen, wie wir damit klar kommen. Wollen wir lieber eine Vollzeit-Mama sein, eine Teilzeit-Mitarbeiterin und Teilzeit-Mama, oder doch lieber weiterhin versuchen, uns im Job zu verwirklichen? Denn es gäbe ja auch noch, gerade in Großstädten, die Möglichkeit, nach einem Jahr in den Beruf zurückzukehren und das Baby ganztags in Betreuung zu geben. Oder es soll ja tatsächlich auch Väter geben, die ihrer Frau und Kind zuliebe zurückstecken und zu Hause bleiben oder einen Teilzeitjob annehmen. Ich bin sogar der Meinung, ich hätte einen solchen gefunden – aber möchte ich das tatsächlich?

Bevor ich schwanger wurde habe ich mir das immer so vorgestellt: Ich gehe nach kurzes Zeit, vielleicht nach 6 Monaten zurück in meinen Job. Dort kann ich mich tagsüber verwirklichen und wenn ich abends heimkomme, ist der/die Kleine ausgepowert, gewaschen und gefüttert und bereit, von der Mama eine Gute-Nacht-Geschichte vorgelesen zu bekommen. Am Wochenende bin ich die coole Mum, die Ausflüge plant und endlich mal Zeit hat. Den ganzen Tag mit dem Nachwuchs zu verbringen, hatte ich mir immer vorgestellt, sei einfach zu anstrengend, dazu hätte ich keine Geduld. Mein Verlobter dagegen ist die Ruhe und Fürsorglichkeit in Person, wenn es um Kinder geht, der könnte das locker stemmen.

Nun ist es tatsächlich so weit – und anstatt meinen Plan durchzuziehen, was mache ich? Richtig, mindestens 1-2 Jahre Elternzeit und dann mal sehen, wohin es gehen soll mit mir. Ich möchte, dass mein Würmchen seine Mama um sich hat, solange er sie braucht. Und das erste Jahr bzw. solange gestillt wird, gehört für mich definitiv dazu! Bin ich jetzt nicht mehr überfordert, erscheint es mir weniger anstrengend? Nein, aber wie ihr hier bereits von mir lesen konntet, ändert sich mit einer Schwangerschaft so einiges, was ich selbst von mir nicht gedacht hatte…


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3 Kommentare zu „Schwangerschaft und Job – bin ich jetzt raus?“

  1. Ich sehe das ganze aus Arbeitgebersicht in einem Kleinbetrieb: mein Freund und ich sind selbstständig mit einer eigenen Apotheke und 5 weiteren Angestellten, 4 davon Mütter. Klar, dass es da ständig zu Arbeitsausfällen kommt, aber es ist auch bemerkenswert, wie unterschiedlich diese damit umgehen: alle lassen ihre Kids während ihrer Arbeitszeit von den Eltern/Schwiegereltern betreuen (was natürlich insgesamt ein großes Privileg ist!) . Während aber eine bei jedem Pups ihrer Kinder daheim bleibt (und wohlgemerkt, diese sind mittlerweile 10 und 12 Jahre), schaffen es die 3 anderen -Mehrfachmamis- in der Regel, trotzdem zu arbeiten.
    Unterm Strich bleibt stehen, dass eine Kollegin immense Fehlzeiten hat, während sich die der 3 anderen in Grenzen halten.
    Alles nur eine Frage der Organisation? Oder des „Loslassenkönnens“? Was sich mir generell als Frage stellt: wenn man keine persönliche Betreuung hat und das Kind krank ist, muss natürlich ein Elternteil daheim bleiben- aber wieso kann das denn nicht auch mal der Papa sein? (und da sind wir ja wieder genau bei deinem Thema).

    Mich persönlich hat das -bei jedem Verständnis das ich auch dafür habe- trotzdem immer genervt um ehrlich zu sein, heißt doch dieses Ausfallen in solch einem Kleinbetrieb, dass jemand anderes dafür einspringen muss: i.d.R. ich oder mein Freund.

    Dafür habe ich nun auch das Privileg- so ist es zumind. geplant- nach etwa einen halben Jahr Elternzeit nur für 1-2 Tage pro Woche zu arbeiten, während mein Freund an diesen Tagen daheim bleibt. Mit „Karriere“ ist es in meinem Job eh nix -die beschränkt sich auf Umsatzmaximierung 😉 – aber einfach um ein bißchen rauszukommen und wieder etwas anders zu sehen. Mal schauen, wie sich das dann in der Realität entwickelt, momentan finde ich diese Lösung sehr verführerisch.

  2. Hach ja, auch mein Lieblingsthema momentan… Ich war jetzt 1,5 Wochen krank – hatte eine richtig fiese Erkältung und da ja Medikamente ein No-Go sind und meine Ärztin direkt meinte ich soll zu Hause bleiben bis ich mich auskuriert habe, weil wohl grad auch noch ne fiese Grippe rumgeht musste ich das Bett hüten und habe mich schon lange erkältet nicht so schlecht gefühlt. Und mein einziger Gedanke? Super, jetzt bist du die Schwangere, die immer ausfällt.
    Aber mein Mann spricht da immer wahre Worte: Jetzt geht’s um das Kind und die Schwangerschaft und wenn es eben nicht geht, dann geht es nicht. Er hat ja leicht reden ;).

    Ich werde 2 Jahre Elternzeit nehmen und dann mal sehen wo mich mein Weg hin führt.
    Die Gedanken die du hast, kenne ich zu gut. Vor allem weil es bei mir irgendwie nicht so super easy ist mit Schwangersein und Arbeiten gehen – die Müdigkeit der ersten 3 Monate hat mich noch nicht ganz losgelassen und ich merke einfach, dass ich, obwohl es ein Bürojob ist, öfter an meine Grenzen komme.
    Ich hab immer alles gegeben und noch ein bisschen mehr in meinem Job, wenn es nötig war Überstunden gemacht und auch mal ein Wochenende gearbeitet, wenn eine Deadline anstand, aber ich muss zugeben, momentan gönne ich mir mehr Auszeiten und meinen pünktlichen Feierabend :).

    Wie das dann mal alles sein wird und ob mir nach einem Jahr vielleicht gar die Decke auf den Kopf fällt – lieber hab ich es dann doch so, als dass ich mein Kind nach einem Jahr abgeben muss und es aber gefühlsmässig doch noch gar nicht möchte :).

    1. Absolut richtig – ich werde aus demselben Grund auch 2 Jahre Elternzeit beantragen. Man kann ja nach 1 Jahr, sollte das Kind schon so weit seit, trotzdem sprechen, ob man in Teilzeit zurückkommen darf!

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