Tiere für Kleinkinder – Warum das eine gute Idee ist

Ich erinnere mich noch an das erste Mal, als unser Sohn bewusst ein Tier wahrnahm. Er war noch sehr klein, saß in der Trage und sah im Park einen Hund. Der Hund war recht klein und spielte ausgelassen mit einem Stock. Der Rubbelbatz in der Trage lachte und gluckste, wie wir es selten erlebt hatten. Die nachfolgende “Hundephase” dauerte lange an. In der Stadt konnte er alle naselang einen entdecken und freute sich jedesmal. Wenn er konnte, rannte er fröhlich auf die Vierbeiner zu und wollte sie jagen, anfassen, umarmen, begrüßen.

Nun sind wir seit etwa vier Monaten auf dem Land, wo es weniger Hunde, dafür so viele andere Tiere gibt. Unter anderem den alten, dicken Kater, der auch gerne einmal die Krallen ausfährt. In diesem Zusammenhang habe ich mir Gedanken gemacht, ob Haustiere für Kleinkinder eigentlich schon geeignet sind, oder ob er nicht eigentlich noch zu klein ist, richtig mit der Katze umzugehen.

Haustiere für Kinder – Warum nicht?

Wenn ich mir vorstelle, in einem eigenen Haushalt, vor allem in einer Wohnung, ein Haustier für mein Kind zu halten, sehe ich zunächst einmal einen Berg an Nachteilen.

Hund und Katze

Katzen und Hunde können Krankheiten übertragen, sind nicht unbedingt immer perfekt stubenrein. Sie können auch Auslöser für Allergien sein. Vor allem Hunde brauchen, wenn sie klein sind, fast so viel Aufmerksamkeit wie ein Kind und vor allem Erziehung. Meistens soll es dann eine ganz bestimmte Rasse sein. Rassehunde haben im Gegensatz zum Mischlingshund typische Rassekrankheiten und verursachen dadurch vielleicht hohe Tierartzrechnungen.

Katzen für Kinder sind, das durften wir ja am eigenen Leib erfahren, manchmal sehr launisch und fahren schnell einmal die Krallen aus. Auch gebissen wurde unser Sohn vom Kater schon, wenn er ihn zu sehr gereizt hat.

Kleine Haustiere für die Wohnung

Natürlich könnte man sich auch kleinere Haustiere wie Meerschweinchen, Hase, Hamster & Co. zulegen. Die kann auch ein Kleinkind mit Unterstützung schon halten und streicheln. Zum echten Spielen sind diese Tiere allerdings weniger geeignet. Ein Vogel im Käfig oder Fische im Aquarium wollen gefüttert werden und man kann sie wunderbar und gefahrlos beobachten. Aber mal ehrlich, wie lange ist das wohl interessant? Danach steht das Tier herum und kümmern muss sich – richtig, Mama! Ich weiß auch ohne Haustier schon nicht, woher ich die Zeit für all die täglichen Erledigungen nehmen soll – mich dann noch zusätzlich um die Pflege der Käfige, Futter und Co. zu kümmern, dazu habe ich wirklich wenig Lust.

Warum Kinder und Tiere zusammen passen

Und trotzdem. Nach etwas Hintergrundrecherche war mir schnell klar, dass eine Mensch-Tier-Beziehung wie zwischen Kind und Hund durchaus viele Vorteile haben kann.

Den richtigen Umgang lernen

In ihrer Entwicklung sind Kleinkinder noch nicht weit genug, um selbständig den richtigen Umgang mit Haustieren zu pflegen. Erst im Alter von 3-4 Jahren entwickelt sich die Fähigkeit, sich in andere Menschen oder Lebewesen hineinzuversetzen, die sogenannte Empathie. Das heißt, Kleinkinder verstehen den Umgang mit Tieren noch nicht so, wie wir. Wenn sie Tieren Schmerzen zufügen, sie jagen, treten, erschrecken, dann folgt das nicht in per se böser Absicht. Meist steckt übertriebene Freude und ausgelassenes Spielen dahinter, für Kinder ist der Unterschied zwischen Tier und Spielzeug nicht einfach zu verstehen. Auch Experimentierfreude und das Kennenlernen von Reaktionen der Vierbeiner spielt eine wichtige Rolle.

Trotzdem können wir versuchen, ihnen jetzt schon Grundwerte beizubringen. Auch wenn sie es noch nicht so richtig verstehen können, ist es trotzdem wichtig, den Unterschied zu erklären und den richtigen Umgang mit Tieren vorzuleben. Und irgendwann kommt der Moment, in dem sie nicht nur verstehen, dass sie Tieren nicht weh tun dürfen, sondern auch warum – das bedeutet aber nicht, dass sie sich vorher nicht daran halten können. Diese natürliche Entwicklung zur Empathie kann ein Haustier bestens begleiten und unterstützen. Auch die Tatsache, dass Tiere wie Katzen oder Hunde sich wehren können, also auch dem Kind weh tun können, ist eine wichtige Erfahrung, die unserem Rubbelbatz schon einige Kratzer eingebracht hat. Allerdings lehrt ihn das auch den nötigen Respekt vor fremden Tieren, auf die er lange Zeit ohne jegliche Furcht zugestürmt ist.

Ab etwa drei Jahren kann es auch passieren, dass Kinder Angst vor Tieren entwickeln. Vor allem, wenn sie vorher wenig Kontakt hatten. Denn auch die natürliche Abneigung bzw. Ekel vor gewissen Tieren wie Spinnen und Schlangen scheint sich erst nach diesem Alter auszubilden. Vorher sind Kleinkinder meist völlig angst- und vorurteilsfrei. Diese Angst zu überwinden, kann ein langer Prozess sein.

Der Einfluss von Tieren auf die kindliche Entwicklung

Zu Haustieren können Kinder eine wichtige Bindung aufbauen, emotionale Wärme, Fürsorge und Verantwortungsgefühl für ein anderes lebendiges Wesen. Erst später wird Kindern der Unterschied zwischen Mensch und Tier ganz bewusst. Ein Hund ist für ein Kleinkind ein gleichwertiges Familienmitglied. Die emotionalen Erfahrung, die sie mit dem Tier machen, sind für Kinder also fast gleichwertig zu denen mit Menschen. Stabile Beziehungen zu Menschen – oder ersatzweise zu Tieren – sind dem aktuellen Forschungsstand nach enorm wichtig für die gesunde Entwicklung von Kindern bis in die Pubertät hinein.

Wenn Du lesen möchtest, wie Tiere helfen, die seelische Widerstandskraft von Kindern zu stärken, lies dir meinen Artikel zur Resilienz bei Kindern durch. 

Haustiere geben auch Halt in schwierigen Situationen, z.B. bei Scheidung der Eltern, geben auch sozialen Halt. Das Leben mit Tieren ist etwas ganz Natürliches, zumindest in den Jahrtausenden vor unserem. Kann Kinder vor Vereinsamung bewahren, wird auch in der Therapie, also wenn bereits eine Entwicklungsstörung diagnostiziert wurde, eingesetzt.

Tiere schützen vor Allergien

Statistisch gesehen schützt der frühe Kontakt mit Tieren vor Allergien und Neurodermitis. Das bedeutet konkret, dass Tierhaare zwar Allergien verursachen können, aber eben nur, wenn schon eine Allergie vorliegt.

Die Natur kennenlernen

Nutztiere vermitteln wichtige Zusammenhänge: Woher kommt die Milch? Woher kommen die kleinen Hühner? Woher unsere Wolle?

Nicht nur Haus- und Nutztiere sind wichtig für Kinder, auch unscheinbare Insekten oder ein einfacher Regenwurm kann viel Input geben. Auf Kleinkinder üben auch Kriechtiere wie Schnecken eine ungeheure Faszination aus. Langsam entwickelt sich ein Verständnis für Zusammenhänge in der Natur, dafür, dass sie belebt ist bis in die kleinste Ecke und das eigene Selbst und die eigene Familie nur ein kleiner Ausschnitt davon.

Auch von tatsächlichen ökologischen Zusammenhängen hören Kleinkinder schon gerne. Was macht der Wurm mit der Erde? Warum sticht die Biene, wenn ich sie bedränge?

Kindern den Kontakt zu Tieren ermöglichen

Trotzdem kommt aus den unterschiedlichsten Gründen für viele Familien ein echtes Haustier nicht in Frage. In aller Regel entwickelt sich auch ohne Hund und Katze ein gesunder kleiner Mensch. Trotzdem ist es schön für alle Beteiligten, wenn die Kinder trotzdem Kontakt zu Tieren in jeglicher Form haben können . Hier ein paar Tipps, wie man Kindern auch ohne eigenes Haustier den Kontakt zu Tieren ermöglichen kann:

  • Urlaub auf dem Bauernhof
  • benachbarter Bauernhof
  • Kinderbauernhöfe
  • Bauernhof-Kita oder Waldkindergarten
  • Zoo und Streichelzoo
  • Übernahme einer Hund-Patenschaft im Tierheim
  • Vogelfutter-Station auf dem Balkon
  • Entenfüttern am Teich
  • Spaziergänge in der Natur, (Schreber)garten
  • vorübergehende “Haustiere”, z.B. Kaulquappen

Egal ob im Urlaub, beim Nachbarn, einem Kinderbauernhof oder in einer Bauernhof-Kita: Der Kontakt zu Nutztieren lässt sich auch herstellen, wenn man nicht gerade selbst auf dem Bauernhof lebt. Vor allem Pferde werden in der Praxis häufig zu Therapiezwecken eingesetzt und sind für Kinder von Klein an bis ins Jugendalter sehr interessant. Aber auch, wie andere Bauernhoftiere wie Ziegen oder Kühe sich verhalten, kann sehr lehrreich sein.

In vielen Tierheimen kann man sich als “Gassi-Geher” anbieten und so ein Tier näher und langfristig kennen lernen.

Auch Wildtiere wie Tauben, Enten, Schwäne oder Vögel kann man sehr nah sehen, wenn man sie füttert.

Bei einem langen Ausflug in die freie Natur oder bei der Gartenarbeit kann ein Kleinkind viele Erfahrungen mit Tieren machen, wenn auch nicht die klassischen Haustiere. Am Wegrand gibt es Schnecken, Käfer und Ameisen, in der Erde Regenwürmer und Tausendfüssler. Auch Schmetterlinge sind manchmal zahmer, als man denkt und Bienen und Hummeln kann man gut beim Honig-Sammeln beobachten.

Wir haben als Kinder regelmäßig Frochlaich, aus dem Teich gefischt und bei uns zu Hause schlüpfen lassen. Dann konnten wir täglich beobachten, wie die Kaulquappen wachsen, langsam Beinchen bekommen und zum kleinen Frosch werden. Die Frösche haben wir dann wieder ausgesetzt.

Werbung/Anzeige




Werbung/Anzeige



Sag uns, was Du dazu denkst

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.