Überlebenstipps für Mütter mit sehr aktiven Kindern


Im Internet muss man ja immer aufpassen, was man wie über sein Kind sagt. Denn irgendwann kann er lesen. Und dann soll er nicht über sich selbst denken, irgendetwas wäre nicht in Ordnung gewesen mit ihm. Als Baby. Als Kleinkind. Trotzdem bekomme ich immer wieder Nachrichten von Müttern, die ähnlich aktive Kinder haben wie ich. Denen es hilft, zu wissen, dass ihr Kind nicht das einzige seiner Art ist. Dass mit ihren Gefühlen als Mama alles in Ordnung ist. Und zu hören, mit welchen Tricks andere Mütter die erste Zeit mit Baby und aktivem Kleinkind überlebt haben.

Hilfe, mein Kind ist aktiver als andere

High Need Kind?

Aber was ist damit eigentlich gemeint, mit einem sehr aktiven oder sehr anstrengenden Kind? Wie merke ich den Unterschied zu anderen? Mit dem Begriff „High Need Baby“ gibt es mittlerweile eine Skala für anstrengend. High Need ist der Versuch, etwas sehr subjektives irgendwie messbar zu machen. Grundsätzlich hilft das aber nicht direkt im Alltag mit dem Kind, sondern nur dabei, Außenstehenden verständlich zu machen, dass nicht für jedes Kind dieselben Maßstäbe gelten. Dass es Kinder gibt, die fordernder sind als andere.

Hochaktives Kind!

Aber als High Need Kind würde ich meinen Sohn nicht bezeichnen. Denn es geht gar nicht so sehr um das fordern von Aufmerksamkeit oder körperlicher Nähe per se. Auch das hat mein Baby phasenweise getan, natürlich, wie jedes Baby. So sind Babys eben, manche mehr als andere. Wofür es aber keinen semi-wissenschaftlichen Begriff gibt, ist das Aktivitätslevel der Kleinsten. Wer selbst so einen außergewöhnlich aktiven Wirbelwind hat, wird wissen, was ich meine. Für alle anderen ist es vielleicht schwer zu verstehen und ich möchte mal versuchen, es in Worte zu fassen.

Mein Kind, darauf wurden wir erst heute wieder angesprochen, hat viel Energie. Wahnsinnig viel Energie und Lebensfreude. Neugier. Und kaum Furcht oder Berührungsangst. Er möchte alles auf dieser Welt erkunden und erfahren und das in einer Geschwindigkeit, der sich schwer Schritt halten lässt. Als einzelnes Paar oder gar alleine als Mutter. Als kleines Baby war er fast immer unzufrieden, wenn sich nichts bewegt hat. Er wollte sehen, erfahren, begreifen. Stilliegen und an die Decke starren war eher nicht so sein Ding. Sobald wie irgendwie möglich, er war keine sechs Monate alt, krabbelte er los. Vier Monate später lief er. Noch bevor er die körperlichen Fähigkeiten dafür wirklich beherrschte. Hauptsache los. Hauptsache kein Stillstand. Niemals Stillstand.

Und ab da gab es kein Halten mehr. Denn Verständnis für das Sicherheitsbedürfnis seiner Eltern oder die sozialen Konventionen unserer Gesellschaft hatte er in diesem Alter keines. Er kannte nur eins: Den Entdeckungstrieb. Den Bewegungsdrang. Er wollte laufen, klettern, toben, spielen, hauen, werfen und kaputt machen. In diesem Aktiv-Modus nimmt er die Menschen in seiner Umwelt oft gar nicht wahr. Hört unser Rufen nicht, beachtet vorübergehende Menschen nicht. Sieht das Auto auf der Straße nicht oder die Kante des Tisches, auf die er zuläuft.

Wir haben unser Kind nicht unter Kontrolle!

Ich glaube, für Außenstehende macht es manchmal den Anschein, dass wir unser Kind „nicht im Griff haben“. Das trifft sicherlich den Nagel auf den Kopf. Der zweite mögliche Schluss für Außenstehende ist wahrscheinlich, dass wir vielleicht einfach zu faul seien, ihn richtig zu erziehen oder aufzupassen. Das ist ein Trugschluss. Denn wir haben weiß Gott so einiges versucht. Immer mal wieder, in verschiedenen Altersstufen. Aber bei so einer Geschwindigkeit mit erzieherischen Maßnahmen zu begleiten würde einer Kindesmisshandlung gleichkommen. Alles, was wir je an strengen, bestrafenden oder reglementierenden Maßnahmen ergriffen haben, ist entweder einfach an ihm abgeprallt (weil er es nicht hörte oder verstand) oder führte zu enormem Dauerstress für alle Beteiligten – ohne dass sich etwas geändert hätte.

Unser Kind ist, wie er ist. Er lässt sich nicht mit Druck zurechtbiegen. Seine Energie und Lebensfreude lassen sich nicht unterdrücken.

Unser Kind ist gut, wie er ist!

Doch je älter er wird, desto mehr versteht er. Und desto mehr passt er sich an. Freiwillig. Weil ich ihn darum bitte oder weil wir es ihm vorleben. Je weiter er sich kognitiv entwickelt, desto besser kann er diesen wahnsinnigen Drang nach Bewegung, Entdeckung, Erleben, uns zuliebe kontrollieren. Sich dem anpassen, was Außenstehende von ihm erwarten. Denn das will er eigentlich. Richtig sein. Sich gut benehmen.

Das ganze Leben ist eine einzige, wunderbare Entdeckungsreise für dieses Kind.

Im Juli wird mein Sohn drei Jahre alt. Das Leben mit ihm ist sicherlich immer noch anstrengender als mit anderen Dreijährigen. Weil er wenig schläft und oft überdreht ist.

Aber ich als seine Mama weiß, dass wir ihn niemals anders haben möchten!

Denn mit all dieser Energie kommt auch all diese Lebensfreude, mit der er uns jeden Tag von früh bis spät unterhält. Wenn ich mal ein paar Stunden ohne mein Kind bin, vermisse ich sein Lachen, sein Herumrennen, seine Fragen und seine Kuscheleinheiten. Alles an ihm. Naja, vielleicht alles außer das Aufstehen um 5.00 Uhr.

All seine Eigenheiten, die hohe Aktivität eingeschlossen, ist das, was ihn ausmacht. Und ich sehe jeden Tag, wie er sich Mühe gibt, damit umgehen zu lernen. Wie er jeden Tag ein Stückchen größer wird und das Zusammenleben mit ihm ein wenig ruhiger.

Du hast auch so ein Kind?

Und mir hilft es auch, dass mir immer wieder Mütter schreiben, denen es ähnlich geht. Die verstehen, dass manche Kleinkinder einfach so sind. Und dass es okay ist.

Du hast auch so einen kleinen Wirbelwind? Und manchmal – vielleicht auch ein wenig öfter – reicht Deine Geduld einfach nicht? Deine Energie, um Schritt zu halten? Manchmal nervt Dich Dein Kind einfach und Du fragst Dich, warum es nicht so ruhig sitzen und sich benehmen kann, wie die Kinder Deiner Freunde? Bist Du manchmal neidisch, ohne es zu wollen? Wütend? Frustriert?

Dann lass Dir von mir sagen: Das ist völlig normal!

Jedem würde es so gehen in Deiner Situation! Was Du jeden Tag leistest ist verdammt anstrengend, auch wenn es bei anderen Müttern ganz einfach zu sein scheint. Abgesehen davon, dass deren Leben wahrscheinlich auch anstrengend ist, haben sie nicht Dein Kind. Jedes Kind ist anders und alle Eltern stehen vor bestimmten Herausforderungen. Das Kind der Nachbarn, das vielleicht so einfach wirkt, ist vielleicht total ängstlich und die Eltern machen sich darüber viele Sorgen. Oder es hat einen Wutanfall nach dem nächsten. Wer kann das von außen schon beurteilen. Dein Kind ist eben sehr aktiv. Dafür kann Dein Kind nichts, Du aber auch nicht. Daran wirst Du auch nichts ändern und je mehr Druck Du erzeugst, desto mehr Gegendruck wird kommen. Desto schwieriger wird die Situation für euch alle.

Setz die liebevolle Brille auf

Anstatt Dein Kind verbiegen zu wollen, sieh genau hin. Nicht auf andere Kinder, nicht auf die Erwartungen Deiner Umgebung. Sieh Dir nur Dein Kind an. Gibt es nicht so viele Situationen, Tag für Tag, in denen es sich große Mühe gibt? Regeln, die es gelernt hat zu befolgen? Vergiss nicht, dass er / sie noch so klein ist! Kinder in diesem Alter haben nicht dieselbe Impulskontrolle wie ein Erwachsener. Vor allem, wenn sie müde sind, fällt es immer schwerer, diesen Drang nach Bewegung zu kontrollieren.

Für Kleinkinder ist es oft noch sehr schwierig, ihren Bewegungsdrang zu steuern.

Vielleicht hast Du etwas schon gefühlte 1000 Mal gesagt, aber beim Anblick eines Vogels, den es zu jagen gilt, werden diese Worte einfach überlagert von dem starken Wunsch, dem Impuls, das zu tun. Das ist keine Absicht. So sind Kinder. Nur Deines hat ein Vielfaches an Impulsen im Gegensatz zu dem eines weniger aktiven Kindes. Je größer er / sie wird, desto besser wird die Impulskontrolle klappen. Begleite Dein Kind in diesem Lernprozess, statt es unter Druck zu setzen und ihm das Gefühl zu geben, dass es eh alles falsch macht.

Deine Wut ist okay

Und versteh mich nicht falsch, obwohl ich mir darin große Mühe gebe, bin auch ich so oft mit den Nerven am Ende. Bin unfair, bedürfnisunorientiert und aggressiv. Wütend. Dann brauche ich Hilfe. Denn das gilt für alle Babys und Kinder: Es braucht sprichwörtlich ein ganzes Dorf, um sie zu erziehen, nicht eine einzelne Frau! Für eine Mutter ist das einfach zu viel. Mit einem solchen Wirbelwind erst Recht.

Wie sollst Du denn ruhig und pädagogisch korrekt bleiben, wenn Du keinen Moment hast, um zu verschnaufen? Zumal Du in einer Gesellschaft lebst, in der schon von kleinen Kindern ganz Unleistbares erwartet wird: Dass sie sich an die Welt der Erwachsenen anpassen. Dass sie hören, wenn Du etwas sagst, ich würde es fast „gehorchen“ nennen. Dass sie nicht herumlaufen, nicht laut sind, niemals weinen und gute Tischmanieren haben. Uns fällt schon gar nicht mehr auf, wie paradox es eigentlich ist, dass ein 50-jähriger nicht die Bedürfnisse eines 2-jährigen verstehen kann, der 2-jährige aber auf den 50-jährigen Rücksicht nehmen soll. Und auch das sollst Du als Mutter alles auffangen? Vielleicht sollst Du nebenbei auch noch arbeiten gehen oder ein komplettes Haus staubfrei halten? Ja? Warum kümmerst Du Dich nicht gleich in Deiner Freizeit noch um den Weltfrieden?

Wut ist ein Gefühl, das aufkommt, wenn man sich ungerecht behandelt und überfordert fühlt. Es ist ein Alarmsignal an uns selbst und andere. Dass wir uns wehren müssen, dass wir uns selbst schützen müssen. Leider bekommt die Wut dann häufig das Kind ab. Dabei ist es nicht unser Kind, das für die überzogenen Erwartungen an uns als Mütter oder Väter verantwortlich ist. Es ist unsere Gesellschaft. Oder wir selbst.

Es wird besser – und bis dahin zählt nur das Überleben

Dass Dir als Mutter nicht immer die Sonne aus dem Hintern scheint, ist also völlig verständlich. Wenn Dir das nicht hilft, dann vielleicht das gute alte „Es wird besser!“. Denn ja, es wird wirklich besser. Bei uns wurde es schlagartig besser mit etwa 14 Monaten und dann noch einmal mit zwei Jahren. Und bis dahin heißt es einfach überleben. Uns ist das gelungen mit verschiedenen Tricks und Kniffen. Ab einem gewissen Müdigkeits- und Anspannungsgrad heiligt für mich der Zweck nämlich sehr wohl die Mittel. Dann pfeiffe ich auf sämtliche Erziehungs- und Ernährungsweisheiten und ob aus meinem Kind später ein erfolgreicher Akademiker wird.

Deshalb probier einfach aus, was funktioniert, und nutze es, solange bis es nicht mehr funktioniert. Das Kind ist ruhig, wenn es im Kinderwagen oder in der Trage ein Quetschie in die Hand gedrückt bekommt? Wunderbar? Du kannst Deinem Baby nur die Nägel schneiden, wenn es auf dem Tablet ein Video schaut? Na, hauptsache es fließt kein Blut! Bei uns gab es alles, von Ablenkung über Bestechung mit Essen war alles dabei. Erziehungsratgeber würden sicherlich die Augen rollen aber hey, wir haben überlebt!

Perfekt zum Laufen und Toben: Strand mit wenig Menschen.

Meine 10 Tipps zum Überleben mit aktivem Kind

#1 Akzeptiere Dein Kind, wie es ist. Bewegung, Aktivität und Neugier sind etwas Wundervolles. In wenigen Jahren wirst Du Dir genau das händeringend wünschen, wenn Dein Kind sich vor allem für Fernseher, Playstation und das Smartphone interessiert. Bewegung an der frischen Luft ist gesund, auch für Dich. Deinem Kind das Gefühl zu geben, dass es falsch ist, wie es ist, wird niemandem weiterhelfen. Alleine diese Akzeptanz wird euch im Alltag weiterhelfen.

#2 Schaffe sichere Bewegungsmöglichkeiten. Es gibt sie überall, die Orte, an denen wilde Kinder wild sein dürfen. Im Krabbelalter kann das eine weitläufige Wiese im Park sein oder ein kindersicheres Spielcafe. Oder einfach das zu Hause, das Du zu einer geeigneten Umgebung umgestaltet hast. Gib Deinem Kind Zeit, sich auszuleben. Zu erkunden.

# 3 Pfeiffe auf Erwartungen. Mach Dich frei von dem, was Deine Uroma sagen würde oder was die Nachbarn denken. Umgib Dich mit Menschen, die Verständnis für Dich und Dein Kind haben.

# 4 Finger weg von Zucker. Zucker ist reine, schnell verfügbare Energie. Viele Kinder macht Zucker deshalb sehr aktiv. Unseren zum Beispiel. Vermeide deshalb zuckerhaltige Lebensmittel, auch zu viel Obst oder anderen natürlichen Zucker vor Zeiträumen, in denen Dein Kind sich still halten soll.

# 5 Nutze eine Babytrage. Auch im Kleinkindalter wird unser Sohn noch täglich in einer unserer Babytragen und Tragehilfen getragen. Das hilft ihm, herunterzukommen und uns hilft es, ein paar ruhige Minuten ohne Kind an der Hand zu haben.

# 6 Gib Deinem Kind etwas zu essen. Wenn mein Sohn stillsitzen muss, egal ob im Zug oder im Restaurant, hilft Essen immer weiter. Und ja, theoretisch könnte Dein Kind hier irgendwie komisch geprägt werden. Wird es durch alle Alternativen aber vielleicht auch.

# 7 Nimm Beschäftigungsmöglichkeiten mit. Sobald Dein Kind sich für Spielzeug interessiert, kannst Du immer einen kleinen Beutel mit kleinen Spielsachen dabei haben. Idealerweise etwas, was er / sie zu Hause nicht hat.

# 8 Finde Orte mit Spielmöglichkeiten. Wenn Du Dich mit Freunden triffst, tu dies an Orten, die für Dich passen. Kindercafés, Spielplätze, bei jemandem zu Hause. Achte darauf, dass es eine Möglichkeit gibt, den Ort einzugrenzen. Eine Mauer oder einen Zaun zum Beispiel.

# 9 SOS-Tipp Medien. Wenn nichts mehr hilft, dann hilft das Smartphone. Bei uns gab es die ersten 3 Jahre nicht viel Medien für unser Kind. In Situationen, in denen es nicht anders ging, durfte er aber auch die Sendung mit der Maus schauen. Das wirkt bei unserem Kind wie ein Aus-Knopf.

# 10 Sorge für ausreichend Schlaf. Sowohl bei Deinem Kind, als auch bei Dir. Kinder können sich im müden Zustand noch schlechter regulieren und ihren Bewegungsdrang kontrollieren. Und Erwachsene werden in der Regel schneller gestresst und wütend, wenn sie müde sind.



Alle Kommentare (8)

    Hallo, mein überaus aktives Kleinkind ist mit der Weile ein sehr aktives Schulkind mit 7 Jahren geworden. Wir haben seine Aktivität schon früh genutzt ihm ganz viele Bewegungsarten bei zu bringen. Mit 3 konnte er er Fahrrad fahren, da sofort auch gleich mal 4-5 km am Stück. Mit 4 kam eine riesige Ballbegeisterzmg dazu, die bis heute anhält, Fußball, Basketball trippeln, prellen, das liebt er. Da er auch schon immer unerschrocken war, haben wir mit 4 begonnen ihm Schwimmen zu lernen, mit 5 hat er dann einfach mal das Seepferdchen gemacht, letzend mal nebenbei das Jugendschwimmabzeichen in Bronze, ich habe ihm noch Köpfer vom Startblock gelernt und nun trainiert er im Schwimmverein für die weiteren Schwimmabzeichen. Mit 5 hatten wir ihn auch beim Ringen angemeldet, damit er zur Rauflust noch Faurniss lernt. Er hat eine unglaubliche Körperbeherrschung mitgenommen, Vorwärtsrolle, Rckwärtsrolle, Rad, Habdstand in die Ringerbrücke springen, das findet er toll. Jetzt mit 7 mag er nicht mehr Ringen, er mag nicht mehr raufen… dafür spielt er mit allem, was er findet in jeder freien Minute Fußball. Ski fahren hat er auch mit 3 gelernt. Inline Skater fährt er auch. Dazu arbeitet sein Geist unermüdlich, er gab sich schon immer erst zufrieden, wenn er eine Sache wirklich verstanden hat, sonst fragt er unaufhörlich weiter. Mit 5 hat er sich rechnen beigebracht, weil er sehen wollte, ob er und seine kleine Schwester Geschenke im gleichen Wert bekommt. Während er als Kleinkind von vielen als sehr anstrengend wahr genommen wurde bekommt er heute ganz viele Komplimente, was er alles kann. In der Schule wird seine Neugier und Beharrlichkeit gelobt! Das ist doch der schönste Lohn, dass wir ihn immer ernst genommen haben, wir ihm alles zeigen und jede Frage beantworten! Seine vierjährige Schwester eifert ihm total nach, auch wenn sie vom Temperament viel ängstlicher und zurückhaltender ist. Er genießt es und hat Ihr z. B. das Radfahren beigebracht indem er unermüdlich neben ihr her rannte um Ihr Sicherheit zu geben. Auch erklärt er Ihr ganz viel! Daher meine feste Überzeugung, Kinder darf man in ihrer Neugier und ihrem Entdeckungsgeist nie bremsen, es ist so toll, wie sie sich die Welt erschließen, was alles in ihnen steckt!!!

    Liebe Kathrin,
    ich danke Dir für diesen ausführlichen und so positiven Kommentar – und gratuliere Dir zu Deinem wunderbaren Sohn. Und Du hast so Recht, man darf die Kinder einfach nicht verbiegen oder ihnen den Bewegungs- und Entdeckerdrang zu nehmen. Das beste daraus machen und darauf vertrauen, dass alles richtig ist und gut wird.
    Danke,
    Hanna

    Hallo,

    an deinem Artikel merke ich wieder einmal, das alles eine Frage der Perspektive ist. Ich habe nämlich eine ganz andere Sichtweise auf so aktive, unerschrockene Kleinkinder und im ersten Moment wundere ich mich, wenn jemand Eltern solcher Kinder Überlebenstipps gibt. Für mich sieht es nämlich nach Urlaub aus, wenn Eltern mit ihren Kindern durch die Gegend ziehen, die sich mühelos ihre Umgebung aneignen, alles ausprobieren, was es auszuprobieren gibt und sich vor scheinbar gar nichts ängstigen.
    Mein Kind ist ganz anders. Immer ängstlich, immer vorsichtig, immer lieber für sich allein. Auf einen Spielplatz gehen und zusehen, wie mein Kind ausgelassen tobt? Das gibt es bei uns nicht. Wir haben vielleicht weniger Stress mit Gefahrensituationen oder gereizten Blicken, aber ich kann versichern, dass es kein Spaziergang ist, wenn du mal eben mit deinem Kind unter Leute gehen möchtest und dann nur damit beschäftigt bist, es in seiner Angst vor allem und jedem zu begleiten.
    Andere Kinder drängeln sich neugierig um einen Eimer mit Seifenblasenflüssigkeit und tauchen begeistert ihre Stäbe in die Seife, rempeln sich dabei ein bisschen an? Mein Kind weint, es ist ihm jemand zu nahe gekommen.
    Genießt doch den Mut und die Initiative, die eure Kinder zeigen. Es tut weh, wenn du genau weißt, wie sehr dein Kind sich sehnt, solche Seifenblasen zu machen, aber es einfach einen dunklen Schatten Angst im Schlepptau hat.
    Blöde Kommentare gibt es übrigens immer, auch bei uns. „Was ist denn mit der los?“ „Na, warum hast du solche Angst?“ „Stell dich doch nicht so an.“ So was bekommen ängstliche Kinder zu hören.
    Ich glaube euch, dass es einfach anstrengend sein kann, ein aktives Kleinkind rund um die Uhr zu beaufsichtigen. Man findet vermutlich immer das schwieriger, was man selbst machen muss.
    Eins noch: Lebensfreude, Energie und die Menge der Impulse, die ein Kind hat, hängen nicht damit zusammen, wie motorisch aktiv es ist 😉

    Liebe Helen,

    ach Gott, das sollte überhaupt nicht so rüberkommen, als wäre das die einzige Schwierigkeit, die Eltern auf dieser Erde zu meistern haben 😉 Ich habe selbst eine Freundin mit einem sehr ängstlichen Kind und stimme absolut mit Dir überein – das kann ebenso anstrengend sein und man macht sich wahrscheinlich mindestens so viele Gedanken. Und auch das erntet von unserer „Gesellschaft“ nicht immer Wohlwollen. Ich kann mir vorstellen, dass Du ebenso unterschwellige Unterstellungen bekommst, dass Du irgendwas falsch machen würdest. Dabei ist es bei Deinem Kind genau wie beim meinem: Es ist, wie es ist und alles, was uns bleibt, ist damit zu leben. Oder manchmal einfach pur zu „über“leben, wenn es uns zu viel wird. Neben den „Überlebenstipps“ wollte ich mit meinem Artikel anderen Eltern vor allem sagen: Ihr seid nicht allein und sucht die Schuld nicht bei euch. Kinder sind manchmal einfach so, das ist Charaktersache und wird irgendwann weniger anstrengend. Ich finde, genauso wie Du Dein Kind begleitest und akzeptierst, wie es ist, sollten das auch Eltern mit sehr aktiven Kindern. Nicht versuchen, das Kind zu verbiegen oder ihm das Gefühl geben, falsch zu sein, sondern auf einem Weg zu begleiten, der irgendwann dazu führt, dass sich ein selbstbewusstes Kind sicher in den Regeln unserer Gesellschaft bewegt.
    Ich wünsche Dir mit Deinem Kind alles Gute,
    vielen Dank für den Kommentar,
    Hanna

    Ja, mit begleiten und versuchen zu verstehen habe ich bisher die besten Erfolge. Ich denke auch, dass keiner sich für das verantwortlich fühlen sollte, was das Kleinkind für einen Charakter mitbringt.
    Man steht auch als Familie oft so isoliert da. Dadurch kommen, denke ich, auch diese Unterschiede in der Perspektive zustande. Du erwähnst es ja auch in deinem Artikel. Man rennt seinem Kind gefühlt den ganzen Tag hinterher, verhindert das Schlimmste und fühlt sich total abgehetzt? Klar, die Mutter mit dem Kleinkind im EInkaufswagen, das verträumt ein Bilderbuch studiert sieht beneidenswert aus. Das könnte z.B. ich sein. Aber wehe der Wagen kommt einem unheimlich wirkenden Regal zu nahe. Oder wehe der Nachbar kommt um die Ecke, wenn die Einkäufe ausgepackt werden (kann schnell zu apokalyptischen Angstvorstellungen führen). Wenn man in größerer Gesellschaft mehrere Kinder versorgen würde, dann könnte man auch die Facetten der scheinbar einfacheren Kinder kennenlernen.

    Wie recht du hast. Von außen sieht man immer nur ein kleines Stück der Realität. Allerdings denke ich schon, dass es Mütter gibt, die weniger Probleme dieser Art (ich sage nicht keine Probleme) haben, die in der Öffentlichkeit weniger anecken oder schwitzen.
    Und ja, die Gemeinschaft, das berühmte Dorf, fehlt an so vielen Ecken und Enden, das erlebe ich immer wieder. Bei uns und auch bei anderen.

    Liebe Hanna,
    vielen Dank für den informativen Artikel. Unser Sohn (15 Monate) ist auch einer von der Sorte 😉 Er ist wirklich süß und macht Spaß, ist aber auch ultraanstrengend. In der Kita wird er der der Entdecker genannt und zuhause wird absolut jeder Gegenstand seinem auf Herz und Nieren geprüft. Treffen mit anderen Eltern sieht oft so aus, das die anderen Kinder sich in der Nähe ihrer Eltern mit etwas (oder untereinander) beschäftigen und ich mit meinem Kind den ganzen Spielplatz oder Park in großer Geschwindigkeit (mehrfach) ab laufe. Natürlich wird nur an den größten Gefahrenstellen haltgemacht und ein Wutausbruch droht, wenn ich ihn z.B. nicht in den Fluss zu den Gänsen laufen lasse 😉 Was uns aber wirklich fordert, ist die Schlaferei. Wegen seiner hohen Aktivität hat er ein hohes Schlafbedürfnis, ist dazu aber selten zu bewegen. Seit Monaten wacht er um 5 Uhr auf und will sofort ins Wohzimmer zum Ball. Durchgeschlafen hat er noch nie und wir müssen wirklich aufpassen, dass wir alle unseren Schlaf bekommen. Was mir fehlt ist der Austausch mit Eltern mit ähnlichen Kindern. In meinem Freundeskreis sind eher die ausgeglichenen Charaktere vertreten, da fühlt man sich tatsächlich häufig nicht (richtig) verstanden. Da mein Freund und ich wieder arbeiten (in Teilzeit), gestaltet sich die Suche nach neuen Kontakten auch etwas schwer. Man hat halt nur begrenzt Zeit. Hast du da vielleicht einen Tipp?
    @Helen: Ich denke ich kann gut nachfühlen, dass für den umgedrehten Fall ebenfalls nicht leicht ist. Wünsche dir auch alles Gute!

    Hallo liebe Lorelayh,

    danke für den ausführlichen Kommentar. Ich weiß so gut, was Du meinst mit auf dem Spielplatz auf und abrennen. Und dann sind da die Freundinnen, mit denen man auch so gerne eine Runde quatschen würde, und die sich scheinbar prächtig unterhalten und entspannen, weil ihre Kinder immer in ihrer Nähe bleiben.
    Mein bester Tipp ist wahrscheinlich: Durchhalten. Es wird wirklich besser. Bei uns so mit 2,5 Jahren. Jetzt mit 3 kann man, tagesabhängig, schon echt gut Dinge unternehmen, ohne schweißgebadet nach Hause zu kommen.
    Wenn Du auf der Suche nach gleichgesinnten Eltern bist aber im Alltag wenig Zeit freimachen kannst, würde ich Dir immer facebook empfehlen. Wenn Du siehst, dass jemand ähnliche Probleme hat und z.B. unter meinem Beitrag kommentiert hat, schreib sie / ihn einfach an. Manchmal entstehen daraus wertvolle virtuelle Freundschaften. Oder nur ein kurzer gegenseitiger Austausch. Das schlimmst, was Dir passieren kann, ist, dass keine Reaktion kommt. Dann ist auch nichts verloren. Mein Beitrag wurde auch auf der Facebook-Seite von Eltern.de geteilt, da sind viiiiiiele Kommentare von Eltern mit ähnlich aktiven Kindern.
    Ich wünsche Dir und Deiner kleinen Familie alles Gute,
    Hanna

Sag uns, was Du dazu denkst

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.