Vegane Weihnachten: Feiertage ohne tierische Produkte


Seit mehr als zwei Jahren esse ich nun kein Fleisch mehr. Lange hat es nicht gedauert, bis der Gedanke, ein anderes Lebewesen zu essen, sich irgendwie völlig abstrus angefühlt hat. Mittlerweile bin ich mir auch sicher, dass viele der Zivilisationskrankheiten in der westlichen Welt von zu viel tierischen Produkten, also auch Milchprodukten, verursacht werden. Allerdings gestaltet sich für mich der Weg zum veganen Leben schwierig – auch, wenn ich immer mal wieder ein Versuch starte oder zumindest ein paar Schritte gehen möchte.

Vegane Weihnachten

Gerade Weihnachten ist in diesem Zusammenhang ein paradoxes Spektakel. In einer Zeit der Ruhe, Besinnlichkeit und Nächstenliebe essen wir so viel tierische Produkte wie sonst wahrscheinlich nie. Damit meine ich nicht nur den Festtagsbraten, sondern auch den Käse auf dem Frühstückstisch und die Butter in den Plätzchen. Die menschliche Nächstenliebe hört beim Tier wohl auf.

Deshalb wollte ich genau da mal wieder anfangen. Mit der Nächstenliebe gegenüber dem Tier. An Weihnachten. Mit meinen kleinen Schritten.

Vegane Plätzchen

 Unsere Plätzchen waren in der Vorweihnachtszeit 2020 frei von Milchprodukten und nach Möglichkeit auch frei von Ei.

  • statt Butter verwenden wir Kokosöl oder vegane Butter (aus dem Bioladen)
  • statt Milch verwenden wir Hafermilch, Erbsenmilch, oder Sojamilch
  • wenn es ein Rezept mit Eiern sein musste, gibt es zahlreiche Ei-Ersatzprodukte, z.B. Leinsamen, Chiasamen, Apfelmus oder Aquafaba (die Abtropfflüssigkeit aus Kichererbsen, damit kann man sogar Eischnee machen!)

Weil die Geschmacksträger wie Nüsse, Fett oder Zucker trotzdem erhalten bleiben, sind vegane Plätzchen ebenso lecker wie nicht-vegane. Man muss manchmal nur ein klein wenig nachdenken und organsieren – oder einfach ein entsprechendes Rezept googlen.

Veganer Heilig Abend

An Heilig Abend gibt es bei uns traditionell etwas, was schnell geht. Früher war das häufig Kartoffelsalat und Würstchen. Dank veganer Ersatzprodukte ginge das auch ohne tierische Produkte. Aber vegane Würstchen sind eher nicht so unser Ding. Außerdem haben wir uns seit unserem Weihnachtsfest in Thailand 2018 eine ganz andere Tradition für Heiligabend überlegt: Bei uns gibt es Nudeln mit verschiedenen selbstgemachten Pestosorten. Pasta (außer solche mit Ei) ist zum Glück ohnehin vegan. Und die Pestosorten sind es auch – wenn ich sie so mache. Die sind auch ohne Käse einfach unglaublich lecker – mein Papa war damals in Thailand so begeistert, dass er sagte, er möchte das jetzt jedes Weihnachtsfest machen. (In Südostasien sind Milchprodukte sehr selten, darum waren sie umständehalber vegan.) Das praktische an Pesto ist, dass ich es in Ruhe am Vortag oder im Laufe des Tages zubereiten kann. An Heilig Abend brauchten wir dann nur noch die Nudeln kochen.

Veganes Festtagsmenü

Weil auch der Rest meiner Familie veganen Gerichten durchaus etwas abgewinnen kann und die Restaurants ohnehin geschlossen waren (Corona-Lockdown lässt grüßen), wollte ich dieses Jahr zusätzlich ein veganes Feiertagsmenü versuchen. Das geht natürlich auch zu jedem anderen Anlass – oder einfach mal an einem Sonntag.

So sah unser veganes Weihnachtsmenü 2020 aus:

Vorspeise: Suppe

Eine vegane Suppe zu machen ist das einfachste der Welt – man lässt einfach eventuelle Milchprodukt-Beilagen wie Sahne oder Frischkäse weg. Gerade, wenn man ein ganzes Menü isst, reicht vielleicht eine einfache Gemüsesuppe mit wenig Einlagen.

Hauptgang: Nussbraten mit Beilagen

Damit es möglichst nach Festtagsmenü aussieht, sollte es etwas Deftiges sein. Ich habe mir überlegt, diesen Nussbraten zu versuchen.

Blaukraut

Im Winter lagern meine Eltern immer Weißkraut und Blaukraut ein, daraus lässt sich ganz einfach ein – ohnehin veganes – Blaukraut kochen.

Vegane Serviettenknödel

Knödel sind ja meist mit Ei, aber sowohl Kartoffel-, als auch Semmelknödel lassen sich problemlos auch vegan zubereiten. Die Serviettenknödel aus dem Rezept haben mir besser geschmeckt als herkömmliche Semmelknödel, denn ich mag verarbeitetes Ei nicht besonders gerne. Und dank der Zubereitungsweise läuft man auch ohne das Bindemittel Ei nie Gefahr, dass sie zerkochen.

Beilagenssalat

Weil wir alle große Fans von Salat sind, gibt es den bei uns jeden Abend. Nach wie vor aus dem eigenen Garten meiner Mama.

Nachtisch: Eis

Auch veganer Nachtisch ist kein Problem, von Chia-Pudding bis veganer Torte ist alles möglich. Ich persönlich habe mich da aber an den Vorlieben der Beteiligten orientiert und auf veganes Eis gesetzt. Das gibt es nämlich mittlerweile schon in fast allen Supermärkten. Sogar bei Lebensmitteldiscountern wie Aldi Süd ist die Auswahl so groß, dass ich mich gar nicht entscheiden konnte.

Und natürlich musste das Eis vorab schon das eine oder andere Mal getestet werden. Mein Fazit: Vor allem bei sonst stark milchbasierten Eissorten wie Vanille schmeckt man den Unterschied schon sehr. Sobald viel Schokolade oder Fruchtanteil dabei ist, kann veganes Eis aber durchaus mit Milchspeiseeis mithalten. Beschwert hat sich jedenfalls niemand.

Mein kleiner Bruder war da erfindungsreicher und hat sich zusätzlich um eine vegane Nachspeise für das Weihnachtsmenü gekümmert: Eine Himbeercreme. Die wird eigentlich mir rohem Eischnee zubereitet. In der veganen Version haben wir das mit dem Abtropfwasser der Kichererbsen versucht. Wir waren wirklich skeptisch – und vom Ergebnis ehrlich überrascht. Sobald ein bisschen Zucker drin ist und der Geschmack der lecker Himbeeren war von Kichererbsen nicht das geringste zu schmecken.

Retten Veganer die Welt?

Wenn Du diesen Beitrag bis hierher gelesen hast, gehörst Du vielleicht nicht zu den Menschen, die sich durch veganes Essen oder Menschen, die über vegane Lebensweise sprechen, angegriffen fühlen. Das passiert nämlich verhältnismäßig häufig. Psychologisch nennt man das das “Meat Paradox”. Wenn Du Dich auch dabei ertappst, mit Argumenten wie “zu extrem ist nie gut” oder “es ist doch meine Sache, was ich esse” zu rechtfertigen, dass auch bei euch viel zu viel tierische Produkte auf den Teller kommen, solltest Du einen Schritt zurücktreten und mal in Dich gehen.

Denn tatsächlich gibt es keinen Grund, auf diese Menschen wütend zu sein. Vor allem, wenn Du Kinder hast, solltest Du Dich vielleicht mal umfassend informieren über die Auswirkung von tierischen Produkten auf

  • die Umwelt und unsere Ressourcen
  • unsere Gesundheit
  • die Entstehung neuer Krankheiten (hallo, Corona, hallo multiresistente Keime)
  • das Leid unzähliger unschuldiger Lebewesen

Sogar die Stiftung Kindergesundheit empfiehlt mittlerweile eine vegetarische Ernährung für Kinder, wusstest Du das?

Heute beginnt ein neuer Monat, ein neues Jahr. Immer mehr Menschen machen aus dem Monat Januar den Veganuary und ernähren sich den ganzen Monat rein pflanzlich. Ich bin motiviert, dieses Jahr mit dabei zu sein! Beim Thema Milch im Kaffee habe ich dieses Jahr endlich den Absprung geschafft – ich hatte keine Ahnung, wie lecker Barista Hafermilch ist! Ich kenne Sojamilch oder Hafermilch im Kaffee und mag beides nicht – aber die Mischung ist der Hammer! Damit ist Käse jetzt mein letztes Laster. Das wird mir wirklich schwer fallen.

Jetzt würde mich interessieren, wie Du persönlich dazu stehst? Wie viel Fleisch, Eier und Milchprodukte kommen auf den Teller, ganz ehrlich? Würde für euch ein veganes Weihnachten in Frage kommen? Oder hin und wieder ein veganer Sonntagsschmaus?

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