Warum Baby-Led-Weaning bei uns nicht funktioniert


Vor einiger Zeit hatte ich darüber berichtet, wie wir unsere Beikost-Einführung gestalten wollen: statt Brei durfte der Rubbelbatz, seit er 6 Monate alt ist, Fingerfood ausprobieren. Allerdings haben wir in den letzten Wochen immer öfter Brei gekauft und schließlich auch gekocht.

Anfangs lief unser BLW-Experiment echt gut: der Kleine saß zunächst auf meinem Schoss, dann in seinem Hochstuhl von Hauck bei uns am Tisch und hatte sichtlich Freude am Essen. Zugegeben, große Mengen hat er nicht verschlungen, aber das ist ja auch nicht Sinn der Sache. Satt geworden ist er nach wie vor von Muttermilch – und so soll es im ersten Lebensjahr eines Babys auch sein, dass er hauptsächlich von Milch lebt und Essen nur langsam kennenlernt.

Allerdings kam dann irgendwann der Punkt, an dem er tagsüber wieder immer öfter an die Brust wollte, teils alle 30 Minuten. Nach ein paar Minuten hat er aufgehört zu trinken und weitergespielt. Auch im Hochstuhl hat er angefangen, sich zu winden und wollte nach wenigen Minuten nicht mehr essen, sondern wieder runter oder auf meinem Schoss rumturnen.

Es hat einige Tage bis Wochen gedauert, bis ich dahinter gekommen bin, wo das Problem liegt: Er hat einfach einen so großen Bewegungsdrang, dass er sich nicht die Zeit nimmt, um zu Essen. Vor allem an der Brust muss er sich relativ still halten und kann wenig sehen. Sobald er also genug Milch hat, um nicht mehr richtig heißhungrig zu sein, will er weiter spielen, krabbeln, üben. Aus demselben Grund kann er auch nicht mehr lange im Hochstuhl sitzen: ist ihm zu langweilig, er will weiter. Leider kommt aber vor allem in den ersten Minuten an der Brust nicht wirklich langfristig sättigende Milch, sondern eher zuckerhaltige, dünnflüssige. Dadurch bekommt er nach kürzester Zeit wieder Hunger und wird nörgelig. Und dass man mit Dauerhunger nicht so gut drauf ist, ist für mich absolut nachvollziehbar.

Was also tun? Mir war klar, in den Jungen muss Nahrung rein – und zwar mit möglichst wenig Zeitaufwand. Also habe ich doch getan, was ich eigentlich nicht wollte: ich habe Brei ausprobiert. Das allerdings nicht schön gesittet im Hochstuhl, sondern auf dem Boden, sodass er sich weiter bewegen kann. Zuhause mit dem Löffel, unterwegs aus diesen Fruchtmus-Tütchen zum raussaugen. Und siehe da: die schlechte Laune war wie weggeblasen. Der Junge hatte wirklich einfach nur Hunger! Zunächst haben wir für diesen Zweck einfach mal ab und an Brei gekauft, natürlich Bio und am besten in Demeter-Qualität. Gestern habe ich mir dann zum ersten Mal die Mühe gemacht, selbst Brei aus Pastinake zu kochen – schmeckt wirklich lecker – und in Gläsern einzuwecken.

 

 



Alle Kommentare (8)

    Hallo 🙂 ich habe einen 4jährigen Sohn und weiß genau was du meinst. Einige Kinder sind viel aktiver als andere so wie unsere beiden ;-). Meiner hatte in dem Alter auch keine Zeit zum Essen. Wir haben die Mahlzeit ebenfalls auf dem Fußboden zu uns genommen, damit er währenddessen weiter auf Entdeckungstour gehen konnte. Es liegt wohl daran, dass sie in diesem Alter ihre dreidimensionale Welt kennenlernen. Oben drauf klettern, irgendwo durchkriechen, rechts vorbei, links vorbei usw. Und dann noch die Tatsache, dass sie diese Welt auf eigene Faust entdecken können, macht es noch spannender :-). Sobald er so alt ist, dass er das gekochte Essen ganz normal mitessen kann wird er sich an die gemeinsamen Mahlzeiten am Tisch gewöhnen. LG

    Hallo Conny,

    das ist gut zu hören, dass es anderen auch so geht – und dass es sich vor allem wieder legt. Wenn man so wenig „Erziehungsmaßnahmen“ anwendet wie wir, fragt man sich doch manchmal, ob man ihm nicht sowas wie „Essen am Tisch“ beibringen müsste…

    Liebe Grüße und alles Gute für deinen Wildfang,

    Hanna

    Guten Morgen 🙂
    Babyled weaning heißt grob übersetzt eigentlich erstmal nichts weiter als: die vom Baby geführte Entwöhnung (von Brust oder Flasche). Der Name an sich bezieht sich nicht ausschließlich auf Fingerfood. Das Baby kann sich auch in seinem Tempo so von der Brust lösen wie es das möchte, wenn es Brei bekommt. Was also euer Still-/Abstilltempo angeht, hat das erstmal nix damit zu tun ob es funktioniert oder nicht, es kann auch mit Brei funktionieren! 🙂 Wir machen BLW hier komplett breifrei, aber das ist ja nun mal wirklich jedem selbst überlassen und eine Regel gibt es dafür nicht. Ich kann mir auch vorstellen, dass er vllt frustriert ist, dass die motorischen Fähigkeiten noch nicht ausreichen, um signifikante und vor allem sättigende Mengen selbstständig zu essen. Das wird mit zunehmendem Alter natürlich besser, weshalb ich, jetzt als Stillberaterin gesprochen, immer wieder Fingerfood anbieten würde. Es gibt einfach unzählige Vorteile, die du ja kennst, die würde ich mir nicht nehmen lassen. Er ist jetzt gute 9 Monate oder? In dem Alter kommt es relativ häufig zu „Stillkrisen“ oder einer „9-Monats-Krise“. Genau aus den Gründen, die du aufzählst: beim Stillen muss das Kind still halten, nimmt aber an motorischen Fähigkeiten und damit immer auch an Reizaufnahmen zu. Welt entdecken steht für Babies in dem Alter nun mal vor Nahrungsaufnahme. Ich bin ja kein großer Freund von Erziehung, wie du vllt weißt, aber ich finde es durchaus vertretbar, für das Stillen gewisse Gepflogenheiten einzuführen. Deine Brust, deine Regeln. Wenn dich die kurzen Trink-Sessions zum Beispiel stören, könntest du eine bestimmte Häufigkeit einführen, die er an- undabdocken darf, bevor du einpackst. D-Von darf dreimal. Hat er sich dann nicht entschieden zu trinken, mache ich den BH zu und lasse ihn spielen, dann ist die Brust aber auch weg! Das klappt super. Er trinkt wild und schnell, nicht länger als 4 Minuten, aber da geht schon ne ordentliche Menge rein! Eine weitere Möglichkeit wäre, kurz vorm Essen nochmal zu stillen, dann ist der erste große Hunger weg und das Kind vllt geduldiger. Das sind nur ein paar Ansätze, die ihr mitnehmen und hin und wieder mal ausprobieren könntet, wenn ihr mögt 🙂
    Übrigens: reiner Gemüsebrei hat erstmal weniger Kalorien als Muttermilch. Es ist also nur das Gefühl „was im Magen“ zu haben, dass ihn da geduldiger macht, langfristig satter als von Muttermilch wird er vermutlich nicht sein. Erst wenn Kartoffeln etc. dazu kommen, stellt sich das ein. Aber dennoch, was im Magen zu haben ist natürlich angenehm und man kann auf jeden Fall besser spielen 🙂
    Ansonsten kann ich nur noch abschließend sagen, dass ich der festen Überzeugung bin, dass Babies sich auch mit Brei ganz tüchtig entwickeln können! 🙂
    Alles Liebe und viele Grüße!

    Hallo liebe Kathrin,

    vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar und deine Tipps. Noch bin ich geduldig und er bekommt die Brust, wann immer er das möchte. Allerdings tut er mir leid, wenn er danach bzw. nach kürzester Zeit wieder Hunger hat. Die Lösung, die wir jetzt gefunden haben, klappt für uns alle ganz gut im Moment. Trotzdem werden wir, wie du ja auch anregst, gleichzeitig immer Fingerfood anbieten.
    Dass die Muttermilch nahrhafter ist, ist mir wohlbekannt – deshalb wollte ich ihm ja auch alle Zeit der Welt geben, auf feste Nahrung umzusteigen bzw. sie spielerisch kennenzulernen. Nur läuft es eben nicht immer so, wie man denkt. Kartoffeln und andere Kohlehydrate geben wir ihm bereits seit einiger Zeit. Trotzdem fühle ich mich sicherer, wenn er den größeren Teil seiner Nahrung noch über die Muttermilch bekommt.

    Liebe Grüße,
    Hanna

    Ich kann dich so gut verstehen! Lilly ist auch viel zu aktiv, um auch nur 1 Minute Zeit zum Essen zu haben. Wir haben probiert, ihr das Essen auf dem Boden zu geben, sie selber damit mantschen zu lassen etc, und ich habe ihr 3x tgl. die Klamotten gewechselt und den Boden gewischt.
    Allerdings hat es bei uns leider tatsächlich pathologische Züge, sie war ja schon immer eine grottenschlechte Esserin (auch bei „nur“ Milch) und vor wenigen Tagen wurde bei uns eine frühkindliche Essstörung diagnostiziert.
    Trotzdem tut es gut zu hören (lesen), dass auch andere Babys nicht gesittet und in Ruhe am Tisch essen, ohne dass da was krankhaft ist!
    LG

    Liebe Manati,

    das tut mir wirklich leid, zu hören! Ich hoffe, dass sich das bei Lilly wieder legt und bei euch bald mal ein wenig Ruhe einkehrt!!!

    Da wären wir wieder… und jetzt ist Brei doch gut. Ich habe irgendwie das Gefühl, du willst dich grundsätzlich um jeden Preis von den “altmodischen” bzw. allgemein gängigen Erziehungsmassnahmen distanzieren, aus welchen Gründen auch immer. Da es mit BLW nicht geklappt hat, isst dein Kind jetzt auf dem Boden, alles, bloss nicht “konventionell”. Vielleicht versuchst du es doch zur Abwechslung mal “normal”, könnte auch ein bisschen was taugliches dabei sein ?

    Weirthin viel Glück und gutes Gelingen

    Liebe Enny,

    schön, dass Du uns immer noch folgst ?

    Unser Sohn ist mittlerweile 28 Monate alt und isst ganz normal am Tisch. Vielleicht sollte ich darüber mal wieder berichten.

    Und abgesehen davon, dass Brei nicht konventionell ist, wenn man die ganze Geschichte der modernen Menschheit und nicht nur die letzten 40 Jahre betrachtet, haben wir auch das probiert. Quetschies sind ja auch nichts anderes als Obstbrei in teuer und mit viel Müll außenrum. Aber auch da war es dasselbe: Er hat so viel gegessen, wie irgendwie sein musste und wollte dann wieder los — um 30 Minuten später wieder Hunger zu haben. Das Problem war wirklich, dass er einfach keine Ruhe hatte und nicht still sitzen konnte.

    Und natürlich hat auch dein Argument vom Abgrenzen sicherlich seinen wahren Kern. Auf der Suche nach dem richtigen Weg findet man den eben nicht immer beim ersten Versuch…

    Viele Grüße,
    Hanna

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