Baby mit 10 Monate: Update am Muttertag


Heute ist mein erster Muttertag, an dem ich auch tatsächlich eine bin. Mehr als 10 Monate ist er nun her, der Morgen als ich meinen Mann weckte mit dem Satz: „Schatz, ich hoffe, du hast gut geschlafen, denn wir bekommen heute ein Baby.“ Seitdem hat sich eigentlich nicht so viel geändert. Nur ungefähr alles.

So waren  die ersten Monate als Mama

Mein „altes“ Leben

Nach meinem Studium wollte ich arbeiten und zwar richtig. Statt ins Referendariat zu gehen und das zweite Staatsexamen in meinem Lehramtsstudium anzugehen, arbeitete ich lieber als Personaldisponentin. Ein Job, der einem wirklich viel abverlangt – aber auch viel Spaß macht und schnelle Erfolge bringt.

Ich war sprichwörtlich ein Workaholic.

Dann war ich schwanger.

Und wurde ruhig.

Ruhte mich viel aus, ließ mich verwöhnen, bereitete mich und unsere Wohnung auf die neue Familiensituation vor.

Doch wie diese Situation sein würde, das konnte ich mir so gar nicht vorstellen. Und ganz ehrlich: das kann man auch nicht und man kann es auch nicht beschreiben, wie es ist.

Überfordert mit Mama-Rolle

Ich möchte es trotzdem mal versuchen: In den ersten Tagen und Wochen war ich vor allem eins: überfordert und kaputt. Die Geburt hatte mich körperlich mehr als gewöhnlich beansprucht und die ersten Wochen verbrachte ich total fertig im Bett. Der Mann hatte ja Elternzeit, zum Glück, und kümmerte sich um das meiste. Ich lag im Bett und stillte und versuchte, den kleinen Knirps zu beruhigen, so gut ich konnte. Für mich war die Situation sehr schwierig – so sehr von anderen abhängig zu sein. Das war ich nicht gewohnt, früher konnte ich das meiste irgendwie selbständig hinkriegen. Jetzt fühlte sich alles fremdbestimmt an. Ich musste funktionieren und zwar dann, wenn es nötig war. Ein Neugeborenes, das Hunger hat oder müde ist, kann nicht warten. Und ich wollte ihn auch nie warten lassen. Ihm sollte es gut gehen, er sollte nicht merken, wie fertig ich war und wie ich innerlich mit mir rang, eine Bindung zu ihm aufzubauen.

Alles wird besser…

Nach einigen Wochen ging es etwas besser und als ich nach 2 Monaten tagsüber mit ihm alleine war, fühlte ich mich schon richtig wohl mit ihm. Die Überforderung und das Gefühl der Fremdbestimmtheit blieben allerdings noch lange. Ich konnte nichts planen, zeitlich keine sicheren Angaben machen. Denn man wusste nie, wann er aus heiterem Himmel wieder an die Brust wollte, um danach gleich ein Geschäft zu machen oder einzuschlafen. Meistens schien ihm das genau dann einzufallen, wenn wir eigentlich los mussten und dann war ich schnell mal 40 Minuten zu spät oder musste ganz absagen.

Das führte dazu, dass wir meist schon ca. 1 Stunde vor Terminen losmachten. Ein Termin pro Tag reichte, um alles nach diesem einen Zeitpunkt auszurichten. Er ließ sich nie ablegen und ich hatte keine Minute für mich alleine. Doch auch in diese Situation wächst man ganz gut hinein. Bald war ich an dem Punkt, an dem ich ihn gar nicht mehr ablegen wollte – wie sollte ich denn dann beruhigt sein, dass bei ihm alles in Ordnung ist? Für mich war es einfacher und schöner, ihn im Tuch ständig bei mir zu tragen. Ich lernte, dass ich auch mit Baby meinen Tag meistern kann.

Und dann lernte unser Baby mit 5 Monaten endlich, sich fortzubewegen. Die Zeitabstände, in denen er mal selbständig auf dem Teppich rumliegen konnte, steigerten sich immer mehr. Die Trinkabstände wurden größer und seine Schläfchen berechenbarer. Es wurde immer schöner und entspannter, Mama zu sein. Wir konnten in Eltern-Kind-Cafés, zu Freunden oder in die Krabbelgruppe gehen und er war zufrieden, auch ohne mich.

Und heute?

Jetzt ist er 10 Monate alt. Und in den letzten Tagen ist mir aufgefallen: es macht mit jedem Tag mehr Spaß, seine Mama zu sein. Nicht, dass es nicht auch vorher schön war. Aber dieser permanente innerliche Stress ist weggefallen. Ich weiß jetzt, dass er nicht mehr ständig an die Brust will, nicht aus heiterem Himmel anfängt zu brüllen und zu unberechenbaren Zeiten eine völlig unberechenbar lange Zeit schläft. Ich weiß, dass er mittlerweile auch noch ein Weilchen durchhalten kann, wenn er schon ein wenig müde ist oder Hunger hat.

Unser Baby ist jetzt 10 Monate alt

Und vor allem kann ich sehen, wie viel Spaß er an jedem einzelnen Tag hat. Mittlerweile kann er bewusst Dinge tun und sich darüber freuen. Und er freut sich, indem er uns anstrahlt und auf eine Reaktion wartet. Mit einem Tuch spielt er selbständig verstecken, wenn er will, dass ich etwas mache, hält er mir z.B. die Mütze hin und ich soll sie aufsetzen. Er trinkt alleine Tee oder Wasser aus seiner Flasche, versucht sich, den Löffel in den Mund zu schieben, nachdem er im Essen war. Er versteht, wo Dinge „hingehören“: wenn er einem Baby die Mütze vom Kopf gezogen hat, versucht er sie selbst, wieder aufzusetzen (klappt natürlich gar nicht); wenn er einen Bauklotz vom Turm genommen hat, versucht er ihn wieder draufzulegen (und wirft dabei den ganzen Turm um). Er beobachtet auch ganz genau, was wir mit Gegenständen machen und versucht das nachzuahmen. Seine nicht vorhandenen Haare beispielsweise kämmt er jetzt selbst.

Baby 10 Monate Holzspielzeug
Bei Spielzeugen wie diesen versteht er mittlerweile, wo die Teile hingehören – auch wenn er sie nicht zurückstecken kann. Das Boot ist übrigens von Glückskäfer, das Steckspiel selbst gemacht von meinem Onkel.

Entwicklungssprünge beim 10 Monate alten Baby

Seit einigen Tagen ist schönes Wetter und draußen sein ist für uns alle das Größte. Gestern hat er zum ersten mal mit nackten Füßchen im warmen Sand gespielt und war einfach rundum zufrieden. Er hat die Angewohnheit, einen Boden erstmal mit dem Mund „auszutesten“. D.h. er legt sich, egal ob auf der Straße, im Sand, Rindenmulch oder im Haus, erst einmal flach auf den Boden und nimmt einen Haps. Ich denke, das ist normal und wir lassen ihn – macht wahrscheinlich auch wenig Sinn, ihn davon abzuhalten, wenn er etwas will, dann macht er das früher oder später auch. Ansonsten hat die Orale Phase schon ein wenig nachgelassen und er untersucht jetzt auch viele Dinge auch mit den Augen und Händen. Er liebt Schaukeln (in der Babyschaukel oder Korbschaukel) und Wippen. An der Wippe hält er sich komplett selbständig fest und kann einfach nicht genug kriegen. Wenn wir aufhören, strampelt er wild mit den Beinchen und möchte, dass es weiter geht. Dann quietscht er vergnügt und laut und freut sich des Lebens. Auch Stehkarussel gefahren ist er schon ohne loslassen. Am besten überall drauf, durch und mittenrein.

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Andere und ältere Kinder findet er meistens total klasse und beobachtet sie gerne bzw. versucht, ihnen ins Auge zu pieken. Auch vor Erwachsenen hat er keinerlei Scheu. Vorgestern sah er im Park eine Joggerin, die gerade Pause machte. Als hätte er jemanden erkannt lief er an meiner Hand fröhlich quäkend auf sie zu. Die Frau, in ihren 50ern, freute sich ebenso und ging in die Knie. Zielsicher griff er nach ihrer Trinkflasche und steckte sie in seinen Mund. Die Frau öffnete diese und ließ ihn Wasser trinken. Ich stand daneben und war komplett abgemeldet. Anschließend nahm er ihre Hand und die Beiden marschierten los…

Läuft das Baby etwa schon mit 10 Monaten?

Und ja, er läuft! Zwar noch nicht sicher oder oft alleine, aber an der Hand bzw. am Finger als Sicherheit. (Als mehr bieten wir ihm die auch nicht an. Wenn er das Gleichgewicht verliert und es nicht selbst ausbalancieren kann, halten wir ihn nicht fest, sondern er fällt eben auf die Knie. Ich denke, das ist gesünder für seine Schultergelenke und so lernt er auch schneller.) Das reicht ihm auch. Die 800 Meter zur Eisdiele können da schon mal 45 Minuten dauern, denn alle paar Minuten möchte er vom Arm wieder runter und irgendwas untersuchen oder beobachten.

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Mama sein mit 10 Monate altem Baby

Für mich bedeuten diese Neuerungen vor allem: Entspannung. Endlich ist er zufrieden. Wenn er Spaß hat, springt auch mein Mama-Herz. Ich bin jeden Tag so unglaublich stolz auf ihn und verliebe mich täglich noch mehr in den kleinen Sonnenschein. Es fühlt sich so an, als würden sich jetzt die ersten, anstrengenden Monate voll bezahlt machen. So als würde für den, der diese geduldig durchhält, am Ende des Tunnels dieses unbezahlbare Gefühl warten.


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Alle Kommentare (5)

    Alles Liebe zum Muttertag! Du kannst echt stolz darauf sein, was du in den letzten Monaten alles geleistet hast! Und es ist schön zu lesen, wie viel Spaß ihr zusammen habt 🙂

    Sehr toll geschrieben! Ich kann mich komplett komplett komplett mit allem identifizieren. Was du geschrieben hast. Unser Kleiner ist jetzt 11 Monate alt und es gibt viele Parallelen zwischen den beiden. Hatte oft das Gefühl, dass es nur mir so mit der Überforderung („Mein altes Leben ist für immer vorbei“…) am Anfang ging und manchmal auch ein schlechtes Gewissen, dass ich die von allen so angepriesene „Kuschel- und Kennenlernzeit“ nicht so genießen konnte. Mittlerweile liebe ich jeden Tag mit ihm und würde die anstehenden ersten Wochen genauso wieder mitmachen, weil sich die „Beziehungsarbeit“ ja sowas von gelohnt hat 🙂

    Liebe Meike,

    mir tat es vor einigen Monaten, als ich den ersten Artikel verfasst habe, auch sehr gut zu hören, dass wir damit nicht allein sind. Wahrscheinlich geht es sogar mehr Müttern so, als man denkt, aber es wird wenig kommuniziert. Irgendwie fühlt man sich ja auch, als hätte man selbst irgendwas falsch gemacht.

    Umso schöner finde ich es, jetzt zu sehen, dass die Bindung zwischen mir und meinem Sohn (und genau danach hört sich das ja bei dir auch an) sicher und fest ist. Er ist ein sehr ausgelassenes und mutiges kleines Kerlchen und scheint nie auch nur im geringsten besorgt, dass ich nicht für ihn da sein könnte.

    Liebe Grüße,
    Hanna

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