Warum wir unser Kind im Netz zeigen


Immer wieder lese ich Aufrufe, dass wir unsere Kinder im Internet nicht zeigen sollen. Wegen ihrer Persönlichkeitsrechte, weil sie später mit den Bildern gehänselt werden könnte, weil es Straftäter anziehen könnte. Ich habe zu diesem Thema eine ganz andere Meinung. Für mich gibt es gute Gründe, warum wir unser Kind im Internet zeigen und ich über unser Familienleben schreibe.

Zeig Dein Kind nicht im Internet – Warum eigentlich nicht?

Es gibt viele Artikel, Aufrufe und Posts in den Social Media Kanälen, die uns dazu auffordern, unsere Kinder nicht im Netz zu zeigen. Sogar ein Aufruf der Polizei ist dabei. Doch warum eigentlich nicht? Das sind die Begründungen:

„Kinder werden später mit den Aufnahmen gehänselt oder gar gemobbt“

Ja, Kinder und Jugendliche können grausam sein. Daran erinnere ich mich selbst noch zu gut. Aber mal ganz ehrlich, brauchen sie dazu ein Kinderfoto aus dem Netz? Wenn mein Sohn eines Tages sagt, er möchte, dass alles, was ihn betrifft, offline genommen wird, dann sind die Bilder theoretisch immer noch zu finden. Mit speziellen Suchmaschinen könnte ein Super-Nerd aus seiner Klasse ein Foto finden. Und ihn damit aufziehen, dass er mal ein Baby war, das so dalag. Oder ein Kleinkind, das so vor sich hin malte. Damit, dass er irgendwann gelernt hat, zu essen oder Fahrrad zu fahren.

Die Vorstellung, dass mein Kind in der Schule gemobbt wird, ist schrecklich, ja unerträglich. Die Vorstellung, dass es meine Schuld wäre, erst recht. Aber jetzt mal Butter bei die Fische: Wenn mein Sohn eines Tages im Schulalter so wichtig ist, dass Technik-Freaks stunden- oder tagelang im Internet nach Kinderfotos suchen, herzlichen Glückwunsch! Und wenn mein Sohn sich von Kinderfotos fertig machen lässt, dann ist das Online Stellen von Fotos vermutlich nicht mein einziger Fehler als Elternteil. Wenn mir als Kind jemand ein Foto von mir gezeigt hätte und sich lustig gemacht, hätte ich das Selbstbewusstsein besessen und zumindest nach außen hin cool getan.

„Pädophile könnten das Bild benutzen“

Wenn wir am Strand sind, ist mein Kind oben ohne. Wenn ich ein Foto mache, dann ist er also halb nackt. Das Argument, dass ein Pädophiler dieses Bild benutzen könnte, halte ich für abwegig. Solche Menschen haben sicherlich Zugriff auf weitaus bessere Bilder.

„Mein Kind hat nicht zugestimmt, seine Persönlichkeitsrechte werden missachtet“

Mein Kind ist minderjährig und bevor es nicht 14 Jahre alt ist, wird ihm rechtlich keine Entscheidungsfreiheit zugesprochen. Diese müssen wir Eltern als Erziehungsberechtigte übernehmen. Damit entscheide ich über viele Dinge, nicht nur darüber, ob Kinderfotos im Netz erscheinen. Ich bestimme darüber, wo wir wohnen, mit wem er spielt, wann wir auf die Straße gehen und was er dabei trägt.


Dabei gibt es Entscheidungen, die sind gut und andere, die sind weniger gut. Das ist so bei Eltern. Und das ist so bei Kinderfotos im Internet. Wenn wir fähig sind, unser Kind großzuziehen, sind wir nicht vielleicht auch fähig, zu entscheiden, welche Bilder gut und dezent genug sind, um hochgeladen zu werden? Und welche vielleicht ultra peinlich und verletzend für die Persönlichkeitsrechte?

„Die Bilder könnten zweckentfremdet werden“

Ja, sowas passiert. Nicht alle Seitenbetreiber beachten die geltenden Bestimmungen bezüglich Bildrechten. Vielleicht wird das Foto meines Kindes schon irgendwo auf einer Webseite genutzt. So what? Wenn ich mich daran störe, kann ich dagegen vorgehen, denn ich habe die Bildrechte. Wenn ich mich nicht daran störe…genau, dann stört es mich nicht.

„Du lockst möglicherweise Straftäter an“

Ja, da hab ich nichts entgegenzusetzen, das könnte theoretisch sicherlich passieren. Wer sein Leben im Internet präsentiert, der macht sich angreifbar für alle Arten von Fanatismus – sowohl bezüglich meines Kindes, als auch gegenüber uns. Es gibt große Blogger, die Probleme mit Stalkern hatten. Dazu trägt sicherlich bei, dass man sich einem Blogger, der Bilder von sich zeigt, irgendwie verbundener fühlt, als einem, der anonym ist. Genauso ist es auch mit den Kindern. Wenn ich immer wieder zeige, wie hübsch mein Kind ist, könnte das Pädophile oder Kindesentführer anlocken. Durch das Impressum erführe solch ein Mensch dann unsere Adresse und könnte uns auflauern. Könnte. Ich kenne keinen Fall, in dem so etwas passiert ist, aber irgendwann ist ja immer das erste Mal. #

Dadurch haben wir uns aktuell ganz gut geschützt, weil die Adresse im Impressum lediglich unsere Meldeadresse in Deutschland ist. Unseren genauen Aufenthaltsort in Indonesien kennt niemand.

Und: Ein Kind zu haben und zu leben, bedeutet immer ein gewisses Risiko. Ich kann nicht alle vermeiden, auch nicht, wenn ich meine Kinder aus dem Netz raushalte.

Warum ich mein Kind im Netz zeige oder was passieren würde, wenn es niemand mehr tut

Gerade Kinder kommen in Deutschland in der Öffentlichkeit quasi nicht vor. Deutschland ist kein kinderfreundliches Land und immer mehr Eltern bekommen den Eindruck, dass Kinder – vor allem dann, wenn sie sich auch verhalten wie Kinder und laut, störrisch und wild sind – einfach nicht erwünscht sind. Wer in unserer Kultur mit einem Kleinkind in der Trotzphase das Haus verlässt, fühlt sich schnell wie in einem Minenfeld aus Verhaltensregeln, die alle darauf abzielen, dass das Kind möglichst leise und unsichtbar ist.

Nun verlagert sich seit Erfindung des Internets ein Teil der Öffentlichkeit mehr und mehr in die Online-Welt. Eltern holen sich hier Rat, folgen Blogs und Social Media Kanälen, holen sich hier ihren Eindruck, was „normal“ und richtig ist. Was ist die Message, wenn wir selbst dort unsere Kinder verstecken? Richtig: Kinder gehören nicht in unsere Öffentlichkeit, solange Kinder klein sind, sollte man sie möglichst still, unsichtbar und ruhig halten. Nicht zeigen. Nicht in der offline und nicht in der online-Öffentlichkeit.

Mein Kind gehört in die Öffentlichkeit!

Deshalb zeige ich mein Kind. Auf Bildern und in Texten. Ich zeige, wie wir ihn mitnehmen ins Restaurant, zum Einkaufen, in unser neues Leben im Ausland. Er gehört zu uns und genauso, wie wir ihn auf der Straße nicht verschleiern für den Fall, dass ein Krimineller ihn sieht oder sich jemand an seinem Anblick stört, wollen wir ihn auch in der Online-Öffentlichkeit nicht verstecken.

Und genauso, wie wir ihn auf der Straße nicht nackt oder dreckverschmiert rumlaufen lassen, so stellen wir auch nach Möglichkeit keine bloßstellenden Fotos online. Wir zeigen selten sein Gesicht, aber hin und wieder tun wir es. Er ist kein unsichtbares Wesen, das wir anonym halten müssen, oder gar verbergen, dass es ihn überhaupt gibt.

Kinder sind Teil unserer Lebenswelt und sollten darum auch Teil unserer Online-Welt sein. Aber eben so, dass nicht irgendwann die super peinlichen Bilder zu finden sind.



Alle Kommentare (8)

    Wunderbar! Endlich mal ein anderer Blick und eine andere Stimme zum Thema.
    Wir leben nicht mehr in Deutschland, aber ich bewege mich in der deutschsprachigen Blogger und Social Media Welt.
    Dort irritiert mich die „Geheimniskrämerei“ oft mehr, als dass sie Sinn macht. Es liegt schon in der Mentalität, dieses grosse Bedürfnis nach Absicherung und Schutz.
    Hier mal eine andere Stimme zu hören im Netzt, wo man sonst meinen könnte alle sind sich einig, tut sehr gut!
    Ich selber bin noch nicht durch und klar mit dem Thema. Zeige ich nun meine Tochter auch in Fotos oder nur in den Storys wie bisher…
    Ich versuche mich hier aber besonders darauf einzufühlen, wie es ihr damit später mal gehen könnte. Was sie wohl davon halten würde, ….
    Von „äusseren Faktoren“ möchte ich es nicht ausmachen.
    Danke für diesen Beitrag!

    Hallo,

    danke für diese Sichtweise, mit der ich nicht einverstanden bin, denn das sind ja die spannendsten.
    Du hast mehrere Punkte besprochen, die dagegen sprechen könnten dein Kind im Netz zu zeigen, jedoch sind das fast alles Punkte, die von außen kommen, also von Unbeteiligten, die sich Gedanken machen, warum man keine Kinderfotos ins Netz stellen sollte. Die Antwort auf die Frage nach den Persönlichkeitsrechten fand ich sehr unzureichend. Zumal ihr hier nicht nur Bilder veröffentlicht, sondern auch euer Leben beschreibt.
    Angenommen es wäre erlaubt:
    Würdest du Informationen und Bilder über eine erwachsene Person veröffentlichen, bevor dir diese Person ein Okay gegeben hätte? Wenn nicht, warum hat dein Sohn nicht das Recht, dass du sein Okay abwartest?
    Allgemein bekommt man auf deinem Blog den Eindruck, dass du dich weigerst, deinen Sohn als Person mit weniger Rechten, als sie ein Erwachsener besitzt, zu betrachten. Du möchtest seine Bedürfnisse und persönlichen Grenzen wie nur möglich schützen, wenn es um eure Erziehung und den Umgang mit ihm geht. Hier, bei diesem Thema, machst du meiner Meinung nach einen weiten Bogen darum. Denn hier geht es eigentlich gar nicht um Fragen und Meinungen, die andere zum Thema Kinder im Netz beitragen. Es geht um Fragen, die dein Sohn stellen dürfte, die er aber gar nicht fragen kann, weil er zu jung ist.

    Warum dürfen alle Menschen, die Zugang zum Internet haben sehen, wer ich bin? Warum dürfen sie erfahren, wie ich heiße? Wie ich lebe? Wo ich lebe? Welche Hautprobleme ich habe? Welche Probleme es in der Erziehung manchmal gibt? Welchen Charakter ich habe? Wer meine Eltern sind? Warum dürfen sie wissen, wie ich aussehe?

    Ich finde, du müsstest solche Fragen beantworten, wenn du entscheidest, was du über deinen Sohn schreiben möchtest und wie. Was sind die Antworten darauf?

    Weil ich das Recht dazu habe, denn ich bin deine Mutter? Weil wir damit ortsunabhängig Geld verdienen können, denn Familienthemen sind beliebt? Weil die Welt sich verändert und du damit ganz anders umgehen wirst, und ich darf entscheiden, wie du jetzt damit umgehst?

    LG

    Hallo Jella,

    vielen Dank für diesen konstruktiven und durchdachten Kommentar. Ja, ich weiß, dass ich damit nicht die Meinung der meisten Deutschen treffe.

    Ich stell mal ein paar Gegenfragen: Warum dürfen Eltern entscheiden, wann und in welcher Stadt sich das Kind auf der Straße zeigt? Würdest Du einen Erwachsenen zwingen, sich gegen Tetanus impfen zu lassen, weil Du es für besser hältst? Wartest Du bei Deinem Kind, bis es sich selbst dazu entscheidet? Ist Dein Kind getauft? Isst es Fleisch? Hast Du schon einmal mit einem Fremden über den Windelinhalt Deines Kindes gesprochen? Hast Du Dein Kind schon einmal nackt fotografiert? Entscheidest Du, wann Deine Kinder ins Bett gehen? Wohin ihr in Urlaub fahrt? Ob ihr in Urlaub fahrt?

    Du verstehst, worauf ich hinaus will? Wir treffen als Eltern jeden Moment zahlreiche Entscheidungen, weil unsere Kinder nun mal genau das sind: Kinder.

    Und zum Bloggen über mein Kind: Mein Leben ist untrennbar mit seinem verbunden. Wenn Du Kinder hast, weißt Du, wie wenig anderes man als Eltern teilweise macht. Wenn er eines Tages möchte, dass ich die Inhalte lösche, dann ist das sein Recht. Dann ist das der Moment, an dem es ihn überhaupt kümmert, denn bisher beeinflusst ihn das wohl nicht in seinem Wohlbefinden. Hast Du den Gedanken schon einmal umgedreht? Ich hab mal von einer Bekannten eine interessante Reaktion auf mein Blog bekommen, die ihn nicht lesen konnte, weil sie so ein schlechtes Gewissen bekommen hat dabei. Dass sie sich nicht so viel Zeit nimmt, die Entwicklung ihres Sohnes zu dokumentieren. Bilder zu machen und Erinnerungen online festzuhalten, sodass er sie eines Tages lesen könnte. Warum gehen alle Menschen immer davon aus, dass unsere Kinder etwas dagegen hätten? Nie vom Gegenteil, dass er es eines Tages cool findet, das alles lesen zu können. Ich erinnere mich an wenig Dinge aus meiner Kindheit. Vielleicht fände ich es schön, nachlesen zu können? Vielleicht hätte ich meine Eltern auch gebeten, es offline zu nehmen, aber trotzdem behalten?

    Liebe Grüße,
    Hanna

    Hallo Hanna,

    mich irritiert dieser Hinweis auf „die meisten Deutschen“. Woher kommt dein Wissen über die Meinung der meisten Deutschen? Ich denke, dass meine Ansichten wenig mit meiner Nationalität zu tun haben?

    Ich kann der Logik deiner Gegenfragen teilweise nicht folgen. Wir diskutieren ja nicht, DASS du entscheiden darfst, ob du Kinderbilder und/oder Informationen veröffentlichen möchtest, sondern WIE du dich entschieden hast. Dass du darüber entscheiden darfst ist völlig klar. Genauso wie du über den Wohnort und die Taufe und vieles andere bestimmen darfst. Aber würdest du jetzt sagen, Eltern, die entscheiden mit ihrem Kind in ein völlig verseuchtes, verstrahltes Gebiet zu ziehen können das machen, weil sie eben auch entscheiden, ob ihr Kind mittwochs oder donnerstags baden gehen soll? Das wirkt doch nicht als angemessene Antwort auf die Frage: Sollte man mit Kindern in ein verstrahltes Gebiet ziehen? Verstehe mich nicht falsch, das ist nur ein Beispiel. Ich möchte Kinderbilder veröffentlichen und in verstrahlte Gebiete ziehen nicht gleich setzen.

    Ich denke auch die anderen Entscheidungen, die wir für unsere Kinder treffen dürfen diskutiert werden.

    Die Dokumentation des Lebens deines Sohnes hat meiner Meinung nach ebenfalls nichts mit dieser grundsätzlichen Frage zu tun. Deine Bekannte hätte vermutlich auch ein schlechtes Gewissen bekommen, wenn du sie mit privat zusammengestellten Erinnerungen konfrontiert hättest. Es geht mir nicht darum, die Dokumentation in Frage zu stellen, sondern das Teilen mit einer unglaublich unübersichtlichen Zahl von Menschen.
    Ich gehe allerdings sogar davon aus, dass er es eines Tages cool finden wird, denn ich denke, dass er sich mit euch und eurem Leben identifizieren wird. Aber auch das ist für mich einfach kein gültiges Argument für die Richtigkeit des Teilens von Bildern im Netz. So funktioniert das Entscheiden zwischen Richtig und Falsch meiner Ansicht nach nicht.

    Ich muss ehrlich zugeben, dass ich keine eindeutige Antwort auf die Frage finde, wie wir mit Informationen bzgl. der Kinder umgehen sollen. Aber, du merkst es, ich bleibe defensiv.

    Liebe Grüße,
    Jella

    Hallo Jella,

    nach Deinem ersten Kommentar hatte ich wohl fälschlicherweise den Eindruck, wir diskutieren hier auch darüber, ob ich es entscheiden darf. Bzw. warum ich es entscheiden darf, bevor unser Sohn für sich selbst entscheiden kann.

    Da hast Du mich aber bei einer Pauschalisierung ertappt 😉 Ich konnte in meinem kurzen Leben einige andere Kulturen kennenlernen und habe Freunde und Bekannte überall auf der Welt. Das sehr skeptische Verhalten gegenüber Kinderbildern im Netz kenne ich nur aus dem deutschsprachigen Raum. Alle anderen scheinen das Internet als neue Art der Öffentlichkeit, in der sie ihre Kinder auch zeigen, mit weniger Problemdenken zu akzeptieren. Ich sage nicht, dass das der Königsweg ist, aber so sind meine, sehr pauschalen Beobachtungen. Und wenn Du mal ganz ehrlich und unvoreingenommen hinterfragst, ob Deine Ansichten mit Deiner Nationalität zu tun haben, wirst Du vielleicht überrascht sein.

    Wenn Du auf der Suche nach eindeutigen Antworten bist, die wirst Du auf meinem Blog nicht finden und auch sonst nicht. Die Frage, auf die alles heruntergebrochen werden kann, ist doch die: Hat mein Kind ernstzunehmende Nachteile jetzt oder in der Zukunft, weil es Bilder von ihm als Kind im Netz gibt? Ich verstehe viele der Ängste, jedoch fehlt mir hier einfach die Plausibilität. Ja, es gibt denkbare Szenarien, in denen mein Kind Schaden davon nimmt. Allerdings gibt es sehr viel mehr und wahrscheinlichere Szenarien, die nicht unbedingt mit harmlosen Bildern zu tun haben, die vielleicht nicht einmal mit dem Internet zu tun haben.

    Was Du auf meinem persönlichen Blog findest, ist also die persönliche Meinung einer Mutter, möglichst nachvollziehbar dargelegt. Ohne Anspruch auf Allgemeingültigkeit für alle Menschen. Denn so funktioniert das Entscheiden zwischen Richtig und Falsch leider tatsächlich in Fällen, in denen es kein eindeutiges Richtig oder Falsch gibt: Indivdiuell. Für jede Lebenssituation. Bei allen Eltern in der Hoffnung, dass die Entscheidung richtig ist.

    Ich hoffe, das macht es etwas verständlicher für Dich,
    viele liebe Grüße,
    Hanna

    Hallo Hanna,

    nach deiner letzten Antwort habe ich mal ein bisschen gesucht. Und ich denke, die Skepsis gegenüber Kinderbildern im Internet ist nicht deutsch. Ich habe das Thema kurz auf anderen Sprachen gegoogelt und es machen sich offenbar in vielen Teilen der Welt Menschen Gedanken über die Risiken. Auch findet man die Information, dass in Deutschland rund 70% der Eltern schon Bilder ihrer Kinder im Netz geteilt haben. Deutschland liegt hier wohl gemeinsam mit Frankreich eher hinter anderen Ländern, aber die deutliche Mehrheit der Eltern teilt immerhin Bilder ihrer Kinder.
    Ich glaube, der Eindruck, dass die Skepsis aus Deutschland kommt, kann für Deutsche entstehen, weil ja die Mehrheit der Menschen gerne Bilder teilt und man nur dadurch, dass man lange in einem Land lebt und dort in seiner Muttersprache kommuniziert, auch die anderen Stimmen wahrnimmt.

    Ich finde auf deinem Blog deine persönliche Meinung, ja. Aber dieser Blog hat eine Kommentarfunktion, in der ja auch andere Meinungen stehen dürfen. Du bist eine Mutter, die sich eine Plattform geschaffen hat, durch die ihre Meinung eine sehr viel höhere Reichweite hat, als die der durchschnittlichen Mutter.
    Eine allgemeingültige Antwort zu geben ist also nicht mein Ziel. Meine Motivation besteht darin, dass unter einem Artikel, der sehr viele Menschen erreicht, auch andere Meinungen stehen. Ich habe eine andere Meinung. Daher mein Kommentar.

    Ob ich auf der Suche nach allgemeingültigen Antworten auf diese Frage bin? Das weiß ich nicht. Sollte es Gesetze geben, die das Persönlichkeitsrecht oder Bildrecht von Kindern im Internet regeln, die vielleicht die Entscheidungshoheit der Eltern ersetzen? Ich fühle mich nicht wohl, beim Gedanken daran. Jeder sollte selbst entscheiden, finde ich. Aber ich finde, diese Entscheidung kann man dann diskutieren, auch wenn sie auf persönlichen Blogs stehen.

    Liebe Grüße,

    Jella

    Liebe Jella,

    vielen Dank für diese Recherche. Sehr erhellend. Dann ist mein Eindruck womöglich ein reines Ergebnis meiner Filterblase? Immerhin tendiert man ja dazu, sich vor allem mit Menschen mit ähnlicher Ansicht zu umgeben, vielleicht gilt das im Ausland umso mehr?

    Jedenfalls danke ich Dir für Deine Kommentare und die Mühe, die Du Dir damit gemacht hast. Denn natürlich darfst Du hier Kommentare hinterlassen und andere Ansichten darstellen. Ich bin sogar sehr froh darüber, weil es auch mich immer wieder zum Nachdenken anregt. Ja, auch dazu ist ein Blog da, denn sonst könnte ich meinen Senf auch in meinem Tagebuch verewigen 😉 Und solange Menschen ihre Meinung so wunderbar und respektvoll ausdrücken können, wie Du – jederzeit!!!

    Ich denke auch nicht, dass Gesetze hier nötig sind, zumindest nicht in der Ausprägung, in der momentan Bilder geteilt werden. Dann müsste es auch Gesetze geben, ob ein Paar überhaupt Kinder haben darf, bzw. fähig ist, diese zu erziehen (bevor sie schwanger werden, nicht erst, wenn dem Kind Schaden zugefügt wird). Solange man allgemein Menschen vertraut, ein Kind großzuziehen, wird man ihnen auch vertrauen müssen, mit Kinderbildern im Netz richtig umzugehen. Oder zumindest richtig genug, dass das Kind keinen Schaden nimmt.

    Liebe Grüße,
    Hanna

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