Wenn windelfrei nicht mehr klappt


Windelfrei funktioniert nicht mehr

Die häufigste Reaktion zum Thema „Windelfrei“ ist wohl folgende:

Ja, davon hab ich schonmal gehört – das ist in der Theorie wirklich toll, aber funktioniert das denn?Die Anderen

Nach 6 Monaten Selbstversuch kann ich darauf folgende Antwort geben: Nein, windelfrei funktioniert nicht. Bei uns geht nicht jede Körperausscheidung schön ins Töpfchen und von Windeln sind wir auch nicht weg.

Aber: Das ist gar nicht schlimm, weil meiner Meinung nach auch gar nicht der Sinn von windelfrei. Ziel ist keine frühe Sauberkeitserziehung oder ein großer Lerneffekt, sondern die Kommunikation mit dem Kind und das Wahrnehmen all seiner Bedürfnisse. Ich denke, dass manche Babys das stärker annehmen als andere und es auch nicht in jedem Alter gleich gut funktioniert.

So hatten wir z.B. Phasen, in denen wir zuhause oder nachts wirklich ohne Windel waren. Das war wirklich super schön, weil wir das Gefühl hatten, so richtig im Einklang mit dem Kleinen zu sein. Wir wussten, wann er Hunger hat, wann er schlafen will und eben auch, wann er mal muss. Er hat super mitgemacht und hatte sichtlich Spaß dabei. Nachts hat er das Töpfchen sogar manchmal durch Weinen eingefordert und danach ruhiger als jemals sonst und ohne Stillen weitergeschlafen.

Und dann kam die Mobilität

Angefangen hat es dann damit, dass er sich auf den Bauch drehen konnte und das auch immerzu wollte. D.h. er ist einige Wochen nur auf dem Bauch und damit auf der Blase gelegen. Während er vorher teilweise schon wirklich lange durchgehalten hatte, ohne zu pinkeln – teilweise länger als ich – und es unbewusst durch steigende Unruhe und Nörgeln signalisiert hat, gab er jetzt plötzlich alle 20-30 Minuten Urin in kleinen Mengen ab. Ich glaube, das lag daran, weil er einfach zu viel Druck auf der Blase hatte und es ist gar nicht bewusst passiert. Einfach rausgedrückt sozusagen. Es hat nicht lange gedauert, bis wir resigniert und ihm wieder Stoffwindeln gegeben haben. In der Hoffnung, dass er sich ja irgendwann aufrichtet und es dann wieder funktioniert.

Irgendwann hat er dann auch angefangen zu krabbeln und der unkontrollierte Zustand hatte ein Ende. Aber leider war entgegen unserer Hoffnung danach nicht alles wie vorher. Denn jetzt funktionierte der Rhythmus zwar wieder, allerdings war der kleine Krabbler so begeistert von seinen Fähigkeiten, dass er sich so gut wie nie die Zeit genommen hat, sich Abhalten zu lassen. Vom Aus- und Anziehen ganz zu schweigen. Jeder Versuch endete in empörtem Gebrüll und Winden nach einem Ausweg. Er wollte weiter krabbeln, sich hochziehen, erkunden. Auch Windeln wechseln war gefühlt ein Ding der Unmöglichkeit.

Ein paar Wochen haben wir ihm außer Haus sogar wieder Wegwerfwindeln angezogen, damit ein Windelwechsel in anderen Örtlichkeiten nicht entweder zu Schweißausbrüchen aus Peinlichkeit oder lebensgefährlichen Stunts auf Wickeltischen führen würde. Natürlich ist das Wickeln mit Stoffwindeln auch nur halb so schön, wenn darin auch mal mehr als ein bisschen Pipi landet.

Und wie funktioniert windelfrei heute?

In den letzten Wochen ist es ein bisschen einfacher geworden und er lässt sich zumindest manchmal wickeln. Trotz der Schwierigkeiten haben wir nicht aufgehört, ihn in die Abhalteposition zu bringen, wenn die Situation richtig erscheint und ihm so die Möglichkeit zu geben, nicht in die Windel zu machen. Wenn er sich allerdings zu viel windet und vor allem seinen Unmut durch starkes Meckern oder Weinen äußert, bekommt er eben eine Windel und wir lassen ihn in Ruhe weiterspielen. Hin und wieder klappt es so dann doch wieder ganz gut und ich hoffe, dass wir uns langsam wieder annähern. Aber ich muss ganz ehrlich sagen, die letzten Wochen und Monate sind eine echte Geduldsprobe für unsere Windelfrei-Überzeugung.

Ich habe außerdem angefangen, statt des Eimers oder des Windelfrei-Töpfchens das „richtige“ Töpfchen zu benutzen, auf dem er auch sitzen kann. Dabei sitze ich wie gewohnt hinter ihm und stütze seinen Oberkörper, aber er kann selbstbestimmt aufstehen, wenn es ihm zu bunt wird. Meine Hoffnung ist, dass er sich so an das Töpfchen gewöhnt und es eines Tages selbstbestimmt benutzen kann.

Stillhalten beim kleinen & großen Geschäft

Zum einen ist er natürlich insgesamt ein klein wenig ruhiger geworden und kommt mit den vielfältigen neuen Möglichkeiten, die ihm seine Mobilität bietet, besser klar. Auch beim Spielen hält er jetzt immer öfter still und konzentriert sich längere Zeit auf denselben Gegenstand. Stillhalten ist also nicht mehr die absolute Höchststrafe. Außerdem hilft es, ihm etwas in die Hand zu geben, womit er sich beschäftigen kann, oder ihm Grimassen und lustige Töne als Zwischenbeschäftigung anzubieten.

Es hängt außerdem auch und vor allem von seiner Laune ab, ob er abgehalten werden möchte. Wenn er müde ist, wird schon gebrüllt, wenn er merkt, was passiert und ich kann ihn eigentlich sofort wieder anziehen. Abhalten mit Hunger ist auch unmöglich. Lieber erst in Ruhe trinken und dann das Geschäft machen – natürlich mit dem Risiko, dass dazwischen was in die Hose geht. Aber meistens hält er das ganz gut aus. Zudem fördert das Saugen ja auch die Verdauungstätigkeit und so kommt nach dem Stillen oft ein großes Geschäft, das vorher noch nicht gekommen wäre.

Ich bin gespannt, ob sich diese Phase auch wieder legt und wir irgendwann wieder „richtig“ mit windelfrei weiter machen können, oder ob wir jetzt wirklich warten müssen, bis er alt genug ist.



Alle Kommentare (7)

    Hallo Th.,

    danke für deine Anteilnahme und dein Verständnis für die missliche Lage des Rubbelbatz.
    Tatsächlich tut er uns auch furchtbar leid und wie du lesen konntest, versuchen wir unser Bestes um die Situation für ihn zu verbessern. Als windelfrei-Kind muss es für ihn ja wirklich besonders schlimm sein, die eigenen Ausscheidungen an den kleinen Popo geklatscht zu bekommen.
    Wenn du Tipps hast, wie es wieder funktioniert, immer her damit. Wie schafft du es denn, dass dein(e) Kind(er) nicht in den eigenen Exkrementen liegen?

    Viele Grüße,
    Hanna

    Es gibt von Storchenwiege Trainerhöschen aus reiner Wolle, die mit einer auswechselbaren Einlage aus dicker Baumwolle versehen werden, diese werden einfach, wie kurze Höschen angezogen. Es steht zwar, dass sie Gr. 86/92 haben, aber meiner Tochter haben Sie schon in Gr. 74 gepasst. Hat prima funktioniert bei uns, weil sie im Stehen angezogen werden. Meine Tochter möchte Windeln auch nie, zu Hause habe ich sie einfach ohne gelassen und wenn es daneben ging, wars halt so, ich hatte viele Sachen ?, unterwegs waren die Höschen gut. Ich hätte sogar 2 mit 3 Einlagen noch abzugeben…sie war übrigens von selber mit 1 Jahr und 10 Monaten sauber! Windeln haben bei ihr sogar zu Verstopfung geführt, die Krippe hat nämlich immer Windeln drum gemacht und dann war sie ganz verwirrt, wohin mit ihrer Kacka… Aber Krippe war ja auch an sich ne große Umstellung, da kam der ganze Rhythmus durcheinander, so für 2 Monate. Dann hätte sie sich umgestellt, dass sie eben am Nachmittag zu Hause macht. Und ich habe alle Windeln mitgenommen aus der Krippe und die Wechselsachen aufgefüllt!

    Hallo Kathrin,

    erstmal Hut ab vor deinem Einsatz! Schön zu lesen, dass er von Erfolg gekrönt war 🙂
    Das Problem bei uns ist wirklich, dass er niemals still halten möchte. Trainings Höschen sind da auf jeden Fall schon mal besser als Windeln, danke für den Tipp. Aber auch Hosen anziehen ist eine Prozedur momentan, deshalb sind wir sehr froh, wenn es endlich wärmer wird und er unten ohne sein kann!

    Liebe Grüße,
    Hanna

    Ja, das kann auch helfen. Mein Sohn war mit seinen Windeln deutlich versöhnter und wir haben den Sommer genutzt ihn viel frei unten herum laufen zu lassen, dass hat ihm dann soviel Spaß gemacht, dass er nach dem Sommer trocken war, allerdings war er da 2,5 Jahre alt. Nur das große Geschäft hatte er schon ab etwas über einem Jahr ins Töpfchen gemacht. Er hat sich dafür immer zurück gezogen und deutlich gedrückt, so dass ich ihn ab ca. 10 Monaten in solchen Momenten immer aufs Töpchen gesetzt habe, manchmal hat geklappt! Dann wollte er von selber dafür keine Windel mehr, aber auch nicht auf dem Topf sitzen, sondern rum laufen, da mußte man echt immer im letzten Moment das Töpfchen unter den Po schieben und immer höllisch aufpassen, wohin er rennt. Ihn habe ich übrigens immer im Stehen gewickelt, er hat sich am Badewannenrand festgehalten und ich ihn fix gewickelt…. Vielleicht hilft Euch das. Es gibt auch so Kinderwaschbecken, die man am Wannenrand befestigen kann, da kann er derweil planschen. Meine Freundin hat ihre Tochter immer im Fensterbrett stehend gewickelt, da hat sie derweil die Straße beobachtet und die Windel war fix um….

    Liebe Johanna,

    hatte dir heute schon unter deinem ersten Beitrag zum Thema Windelfrei kommentiert und bin nun auf diesen und weitere deine Berichte gestoßen. Vielen Dank, jetzt hab ich alle gespannt gelesen und meine Infos 🙂
    Wenn du ein heutiges Fazit ziehen könntest, welches wäre das?
    LG Miriam

    Liebe Miriam,

    vielleicht sollte ich Mal wieder ein Update schreiben. Unser Sohn ist jetzt 21 Monate alt. Er ist nicht trocken, aber relativ sauber. Er sagt das große Geschäft so gut wie immer an, oft auch bei Erziehern oder meiner Familie. Wenn er bei mir ist, ging schon Recht lange nichts mehr in die Hose. Trotzdem trägt er Windeln, denn das Pipi kann er noch nicht ansagen.

    Das geht phasenweise immer Mal wieder so gut, seit wir damit angefangen haben. Nur in Schubzeiten wird es manchmal wieder schlechter.

    Ein Fazit: ich würde es immer so machen. Für mich und meinen Mann gehört das ganz selbstverständlich mit dazu, genauso wie Essen oder Schlafen. Ein spezielles Sauberkeitstraining werden wir denke ich nie brauchen, das wird sich einfach entwickeln, wie auch der Rest unseres Sohnes.

    Ich erlebe oft, wie erstaunt oder fast neidisch andere Mütter sind, dass er das so früh schon kann und auch macht. Dabei denke ich, das könnte jedes Kind. Viele wären in seinem Alter wohl schon weg von den Windeln…

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