Zeckenbiss beim Baby: Rotes, geschwollenes Ohrläppchen kann Borreliose bedeuten

rotes-ohr-bei-baby-nach-zecke

Das Thema verfolgt mich seit meiner frühen Kindheit: Borreliose durch Zeckenbiss bei Babys und Kleinkindern. Damals war es mein kleiner Bruder, gerade einmal 3 Jahre alt. Hinter dem Ohr hatten meine Eltern eine Zecke übersehen. Es bildete sich eine klassische Wanderröte und sie gingen zum Arzt. Leider reagierte dieser zu spät und mein Bruder musste ins Krankenhaus. Bakterielle Gehirnhautentzündung. Wir alle sind froh, dass er das unbeschadet überstanden hat. In diesem Frühjahr und Sommer gab es bei uns auf dem Land außergewöhnlich viele Zecken und mein Kleiner (1 Jahr) hat sich ebenfalls mit Borreliose infiziert. Allerdings hatte er statt der klassischen Wanderröte ein wochenlang gerötetes, geschwollenes Ohrläppchen, von dem sich eine ganz schwache, untypische Rötung ausbreitete, die zeitweise auch wieder verschwand. Weil ich das Thema so wichtig finde, will ich heute etwas mehr darüber erzählen, wie die Infektion ablief, welche Symptome er hatte und was Du sonst noch grob über Borrelien und Zecken wissen solltest (medizinische Artikel findest Du woanders). In der Hoffnung, dass zumindest möglichst vielen das Schicksal meines kleinen Bruders erspart bleibt.

baby-mit-rotem-ohrlaeppchen

Bei Zeckenbiss richtig reagieren

Zunächst einmal die allerwichtigsten Vorgehensweisen für den Alltag im Überblick:

  • Nach dem Aufenthalt im Freien – bei uns also täglich mehrmals – solltest Du Dein Kind gründlich nach Zecken absuchen und ggf. die Kleidung wechseln.
  • Es gibt auch Zeckenlarven und Nymphen. Diese sind mitunter winzig und sind nur bei genauem Hinsehen erkennbar. Sie sind durchsichtig.
  • Eine Zecke umgehend entfernen, am besten mit einer Zeckenpinzette oder, wenn sie schon größer ist, mit einer Zeckenkarte. Dabei die Zecke so wenig wie möglich quetschen.
  • Je früher Du eine Zecke entfernst, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass Krankheiten übertragen wurden, sagt Expertin Prof. Dr. Dorothée Nashan, Direktorin der Hautklinik im Klinikum Dortmund.
  • Die Einstichstelle in den nächsten Wochen regelmäßig überprüfen.
  • Bildet sich eine Rötung, die größer wird, musst Du sofort zum Arzt. Das ist wahrscheinlich eine sogenannte Wanderröte, die bei einer Borreliose-Infektion auftritt.
  • Borreliose lässt sich im frühen Stadium durch 10-tägige Antibiotikagabe vollständig bekämpfen.
  • Zecken können auch FSME (Hirnhautsentzündung) übertragen. Dagegen gibt es eine Impfung, die allerdings nur eingeschränkt, also nicht vor allen auftretenden Stämmen, schützt.

Geschwollenes, rotes Ohrläppchen als Symptom für Borreliose

Bis vor kurzem dachte ich, eine Borreliose-Infektion durch Zeckenbiss würde sich recht typisch durch eine Wanderröte äußern und wäre von Ärzten klar erkennbar. Doch leider ist das nicht so einfach. Unser Sohn hatte über mehrere Wochen immer wieder Zecken, die wir aber jedes Mal entfernten, wenn sie noch ganz frisch waren. Laut Experten muss eine Zecke mindestens 12 Stunden am Körper sein, bevor sich die Krankheitserreger in ihrem Darm lösen und auf den Menschen übergehen können. Die Zecken ließen sich leicht entfernen, was ebenfalls darauf hindeutet, dass sie nicht lange festgebissen waren. Mit ihren Scherenwerkzeugen am Kopf müssen die kleinen Biester ja erst einmal durch die Hautschichten kommen, bis sie das Blut erreichen. Das dauert schon einige Stunden. Wenn man sie vorher erwischt, kann nichts übertagen werden. Die Wahrscheinlichkeit für die Übertragung von Krankheiten hätte also sehr gering sein sollen. Wir suchten also täglich 1-2 Mal unsere Kinder nach Zecken ab und entfernten alle – und hofften das beste. Vermeiden lassen sich die Zeckenbisse hier leider nicht, dazu müssten wir unseren Kindern verbieten, nach draußen in den Garten zu gehen.

Eines Tages bemerkten wir, dass unser 1-jähriger am rechten Ohr eine seltsame Rötung hat. Vor allem das Ohrläppchen und der sogenannte Tragus, das ist die Erhebung vor dem Eingang des äußeren Gehörgangs, waren rot und geschwollen. Natürlich war ich bei einer Rötung sofort alarmiert. Ich wusste ja, dass sich eine Borreliose so äußern kann. Aber eine Schwellung? Wenige Tage später zeigte ich das Ohr einem Kinderarzt, bei dem wir aus einem anderen Grund einen Termin hatten. Er verschrieb uns Globuli und eine Salbe und riet uns, erst einmal abzuwarten. Die Schwellung ging tatsächlich zurück und die Rötung verschwand. Leider kam beides nach wenigen Tagen zurück. Ich zeichnete die Rötung mit einem Kugelschreiber an um zu sehen, ob sie größer wurde. Am nächsten Tag war sie etwas 1 mm gewachsen. Ich suchte unseren Hausarzt auf, weil ich weiß, dass dieser eine Wanderröte normalerweise erkennt, wenn er sie sieht. Auch er war unschlüssig. Er klärte mich auf, dass die sichtbaren Anzeichen einer Borreliose und die typische Wanderröte nicht so typisch sind, wie ich dachte. Es gibt so viele verschiedene Verlaufsformen, Rötungen, Schwellungen, Ringe um die Einstichstelle usw. Es gibt keine Regelmäßigkeiten aus der wir ableiten können, ob mein Sohn sich mit Borreliose infiziert hat, oder ob er nur einen entzündeten Insektenstich hat. Auch er riet uns, nichts zu tun und abzuwarten. Ein Bluttest würde erst 50 Tage nach der Infektion anschlagen.

Die Schwellung blieb, die Rötung im Gesicht war meist gar nicht zu sehen. Nur das Ohrläppchen und der Knorpel waren rot und geschwollen. Wir warteten ab. Doch irgendwann war die Rötung im Gesicht wieder da und war ganz offenbar viel größer geworden. Gleichzeitig war unser Sohn quengelig und fasste sich ans Ohr. Ob das nun vom gleichzeitig wachsenden Zahn kam, kann ich nicht sagen. Im Internet fand ich heraus, dass in etwa 2% der Fälle, vor allem bei kleinen Kindern, eine Borreliose keine Wanderröte, sondern ein rotes, geschwollenes Ohrläppchen verursacht.

Jedenfalls machte ich mich sofort auf zu unserer Kinderärztin, die das Ohr bisher noch nicht gesehen hatte. Auch sie war der Meinung, dass das alles für eine Borreliose sehr untypisch wäre. Sie wusste zwar vom roten Ohrläppchen, aber das wäre viel dunkler, meinte sie. Glücklicherweise war nun aber genug Zeit verstrichen, um im Blut auf Borrelien-Antikörper testen zu können. Mein Bauchgefühl sagte, dass es nötig wäre und so stimmte ich zu, dass meinem Sohn Blut aus dem Kopf entnommen wurde. An Armen und Beinen, das kenne ich schon aus dem Krankenhaus, funktioniert das bei ihm nicht. Die Prozedur war furchtbar aber keine fünf Tage später hatten wir das Ergebnis: Borreliose.

Wir bekamen ein Antibiotikum, das laut meiner Kinderärztin besonders schonend für Kinder sei und sollten dies 10 Tage einnehmen. Der Kleine mochte es zum Glück und nachdem er anfangs ein paar Tage einen nicht juckenden Ausschlag im Gesicht und auf den Händen bekommen hatte, vertrug er es gut. Ich hoffe, dass die Sache damit nun vorbei ist. Die Schwellung und Rötung am Ohr sind zurückgegangen, waren allerdings noch einige Wochen nicht komplett weg.

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.