Burnout bei Müttern – ein Tabuthema?


Das Thema „Burnout“ erscheint mir manchmal ein wenig wie eine Modeerscheinung – früher gab es so etwas nicht bzw. war einfach noch kaum erforscht. Manchmal etwas spaßhaft verwendet ist das Burnout-Syndrom aber leider für immer mehr Menschen harte Realität. Nicht nur für Top-Manager, sondern oft auch für Eltern. Allerdings wird über einen Burnout bei Müttern erst in jüngster Zeit überhaupt berichtet – und in meinem Umfeld noch sehr wenig gesprochen.

Burnout oder einfach nur müde?

Vorletzte Woche war bei mir der Tiefpunkt erreicht. Am Samstag Abend konnte ich nicht mehr. Tränenüberströmt kam ich aus dem Schlafzimmer, nachdem der Rubbelbatz eingeschlafen war. Was war los? Das kann ich selbst nicht so genau sagen. Ich fühlte mich einfach müde, ausgebrannt und überfordert von allem.

Jeden Tag funktioniere ich, kümmere mich um Kind und Haushalt, sorge dafür, dass Essen auf dem Tisch steht, dass genug frische Wäsche und Windeln da sind, dass der kleine Mensch rechtzeitig ins Bett kommt. Nachts werde ich mehrere Male aus dem Tiefschlaf gerissen, weil er Hunger hat oder alleine nicht wieder einschlafen kann.

Zum Glück habe ich den tollsten Mann der Welt, der mich immer auffängt und unterstützt. Er hat mich nicht nur an dem Abend getröstet, sondern von da an noch mehr entlastet. Als Burnout würde ich meinen Zustand deshalb nicht beschreiben. Denn auch, wenn es Tiefpunkte gibt, ist die meiste Zeit dann im Großen und Ganzen doch alles in Ordnung. Und unser Familienleben hat ja auch viele Höhepunkte zu bieten.

Allerdings kann ich sehr gut verstehen, wie man als Mutter in diesen Zustand absoluter Ausgebranntheit hineinrutschen kann – vor allem, wenn man alleinerziehend ist oder der Partner aus irgendeinem Grund wenig unterstützen kann. Ich jedenfalls wüsste nicht, wie ich ohne meinen Mann alles schaffen sollte. Wir haben keine Familie in der Nähe, die zwischendurch unterstützt und die wenigsten unserer Freunde haben so viel Freizeit, mal auf den Kleinen aufzupassen.

Was ist ein Burnout?

Aber was ist nun eigentlich dieser „Burnout“, über den ich hier die ganze Zeit spreche?

 

Ein Burnout-Syndrom ist ein Zustand starker emotionaler Erschöpfung mit reduzierter Leistungsfähigkeit, das als Endzustand einer Entwicklungslinie bezeichnet werden kann, die mit idealistischer Begeisterung beginnt und über frustrierende Erlebnisse zu Desillusionierung und Apathie, psychosomatischen Erkrankungen und Depression oder Aggressivität und einer erhöhten Suchtgefährdung führt. Besonders gefährdet sind Menschen mit ausgeprägtem Perfektionismus, Helfersyndrom und krankhaftem Ehrgeiz. Ausgebrannt sein können nicht nur Manager oder Menschen in sozialen Berufen sondern auch Schüler, Studenten, Hausfrauen, Mütter, Arbeitslose oder Rentner. therapie.de

Ein Burnout ist also sozusagen der „Point of no return“. Nichts geht mehr und irgendwie ist es einem dann auch egal. Keine schöne Vorstellung. Gängige Symptome sind Schlafstörungen, Angstzustände, Esstörungen, ein schwaches Immunsystem und Rücken- bzw. Kopfschmerzen. Man ist körperlich und geistig so erschöpft, dass man sich aus eigener Kraft nicht mehr regenerieren kann.

Burnout bei Müttern – was hilft?

Urlaub für Mütter?

Bei meiner Recherche zum Thema habe ich folgende Faustregel gefunden: Wenn auch nach einem 3-wöchigen Urlaub der Zustand anhält, ist es Burnout. Ein dreiwöchiger (?!?) Urlaub. Das erklärt wohl, warum der Burnout bei Müttern so lange nicht im Fokus war: diese Faustregel kann man bei uns nicht anwenden. Wir haben keinen Urlaub! Wir können uns nicht mal krank melden. Mutter bleibt Mutter und das Kind interessiert es nicht, ob wir Urlaub oder Wochenende oder Schlafenszeit haben.

Darum ist angeblich auch jede 5. Mutter in Deutschland kurbedürftig. Eine Mutter-Kind-Kur, wenn richtig durchgeführt, kann nämlich tatsächlich ein guter Ausweg aus dieser Mütter-Falle sein. Für eine Mutter-Kind-Kur braucht man lediglich ein entsprechendes Schreiben vom Arzt, dann kann man sie bei der Krankenkasse beantragen. Leider tun das die wenigsten.

Hilfe zulassen

Je früher man sich als Betroffene Hilfe holt, desto besser. Doch um Hilfe zuzulassen, muss man sich erst einmal eingestehen, dass man Hilfe nötig hat. Das möchten viele nicht. Denn dann bricht das Kartenhaus der perfekten Hausfrau und Mutter zusammen. Vielen ist es vielleicht auch einfach unangenehm. Denn psychische Probleme haben doch immer nur die anderen. Ist doch peinlich, so eine Schwäche zuzugeben. Oder nicht?

Ich gebe zu, dass ich mich an diesem Punkt auch an der eigenen Nase packen muss. Mir fällt es auch wahnsinnig schwer, einfach mal alle Viere grade sein zu lassen. Wenn ich mal krank bin und mich nicht um alles gleichzeitig kümmern kann, habe ich gleich ein schlechtes Gewissen. So gerne möchte ich meinem Anspruch der multitaskenden Mutter, die neben Kind und Haushalt auch noch eine liebevolle Beziehung auf die Reihe bringt und in der Selbständigkeit was auf die Beine stellt. Sich selbst einzugestehen, dass man diesem eigenen Anspruch nicht gerecht werden kann, ist sehr unangenehm.

Andererseits scheut sich doch auch niemand, zuzugeben, dass er sich das Bein gebrochen hat. Oder dass er unter Migräne leidet. Warum sind psychische Erkrankungen immer noch häufig Tabuthema?

Wollt ihr eure Geschichte erzählen?

Gerne würde ich gerne in den nächsten Wochen betroffene Mütter zu Wort kommen lassen. Um zu zeigen: das kann jedem passieren. Jeder Elternteil, der seine Kinder selbst groß zieht, kennt dieses Gefühl, dass einem alles über den Kopf wächst. Dass man den eigenen, perfektionistischen Ansprüchen nicht gerecht werden kann. Dass man eben nicht alles auf einmal perfekt ausfüllen kann: Frau, Mutter, Partnerin, Freundin, Berufstätige.

Wenn ihr also eine Geschichte zu erzählen habt zum Thema Burnout – meldet euch. Macht anderen Müttern Mut, sich Hilfe zu holen. Bisher haben bereits diese beiden Mütter über ihren Weg gesprochen:

  1. Susanne Ertle, die ein Buch zum Thema veröffentlicht hat.
  2. Die Bloggerin „Schnuppismama“, der eine Mutter-Kind-Kur sehr geholfen hat. 



Alle Kommentare (12)

    Schön, dass du das (Tabu?)Thema ansprichst. Ich selbst hatte vor über einen Jahr einen Nervenzusammenbruch (https://manatiswelt.blogspot.de/2015/11/nervenzusammenbruch.html) aufgrund der dauernden Überbelastung und den zu hohen Ansprüchen an mich selbst. Mir einzugestehen, dass ich Hilfe brauche -gerade bei meinen perfektionistischen Charkterzügen- war für mich mit das Schlimmste, aber auch ein wichtiger Schritt. Ich befinde mich seit bald einem Jahr in Psychotherapie und fand es anfangs auch sehr seltsam und befremdlich -gerade vor mir selbst- „zuzugeben“, dass ich das brauche. Letztendlich hat mir das aber sehr geholfen, einerseits auch mit den schwierigen Phasen zurechtzukommen und andererseits an meinem Ehrgeiz und Perfektionimus zu arbeiten.
    Es gibt immer noch Tage, wo mir alles zu viel ist, wo ich heule oder wo ich einfach nur noch raus aus der Situatiuon mag. Aber ich denke, so etwas kennt jede Mutter und dann ist es wichtig, rechtzeitig die „Reißleine“ zu ziehen und etwas Abstand zu gewinnen oder Hilfe und Entlastung anzunehmen, bevor es irgendwann komplett ausufert. Und ich finde hier auch Offenheit sehr wichtig, ein ehrlicher Austausch hilft defintiv mehr, als der ganze Konkurrenzkampf um den Titel der „besten“ Mami!
    LG, Manati

    Liebe Manati,

    vielen Dank für deine Offenheit. Gerade Mütter mit ausgeprägtem Perfektionismus scheinen ja anfällig für Burnout, Depression, oder wie bei dir, einen Nervenzusammenbruch zu sein.

    Ich wünsche dir, dass es weiterhin bergauf geht,

    liebe Grüße,
    Hanna

    Hi! Ich hatte zwar kein Burnout, bin aber kurz nach Kleinchens Geburt in eine Wochenbettdepression abgestürzt. Ich finde es so wichtig, offen damit umzugehen und erzähle gern meine Geschichte!
    LG, Kle

    Hallo, meine zweites Kind war ein Baby, welches immer bei mir sein wollte, bei niemandem Anderen. Dazu trank sie nur im Liegen bei Ruhe, sie nahm schlecht zu und wuchs auch langsam. Dazu war mein Sohn 2,5 von ähnlichem Temperament wie Euer Rubbelbatz- ständig in Bewegung und voller Neugier auf die Welt. Er ging sehr ungern zur Tagesmutter. Nur zu beiden Omas ging er gerne. Allerdings sind diese 200 km weit weg. Mein Mann täglich 12 Stunden außer Haus. Schlimmer als die körperliche Belastung, meine Tochter immer an mir zu haben waren mein schlechtes Gewissen meinem Sohn gegenüber und die Sorgen, warum meine Tochter so schlecht gedeiht… Also bin ich mit beiden Kids in den Zoo, auf Spielplätze und zu Freunden gegangen, damit mein Sohn nicht versauert. Das ging nur mit Organisation des Stillrhytmusses und wirklich guten Freundinnen, die neben ihren Kindern auch meinen Sohn im Auge hatten, während ich stillte. Als meine Tochter 8 Monate war überredete mich eine Freundin 1 mal die Woche abends einen Sportkurs mit Ihr zu machen. Mein Mann brachte beide Kinder alleine zu Bett. Meine Tochter weinte die ersten beiden Male erbärmlich und ewig, doch dann konnte sie auch der Papa beruhigen. Von da an konnte sie sogar bei Besuchen mal meine Mutti mittags hinlegen (ich hatte eine Chance auf Arbeit, wollte sie nicht verpassen, hab’s aber nicht geschafft). Die Eingewöhnung mit 14 Monaten ging dann erstaunlich gut. Ich blieb noch 3 Monate länger zu Hause und fing an mich langsam zu regenerieren. Dann begann ich wieder zu arbeiten. Da kam es wieder alles zusammen, Stress, Kinder krank und ich total danieder mit einer Virusgrippe. Meine Mum einen schweren Herzinfarkt, mein Sohn hatte daraufhin totale Angst vor dem Tod (meine Mum hat knapp überlebt) Von da an haben mir alle gut zugeredet es doch mal mit einer Mutter- Kind- Kur zu probieren. Wir waren diesen Sommer gleich im Anschluss an unseren Sommerurlaub. Es war nicht zu weit Weg von zu Hause, so dass mein Mann uns jedes WE besuchte. Die Kinder gingen am Tag gerne in die liebevolle Betreeung und ich konnte mich täglich 6 Stunden auf mich konzentrieren. Sport machen, Gespräche mit professionellen Menschen führen. Es war toll. Den Rest des Tages spielte ich mit den Kids, für gesundes leckeres Essen und alles drum herum war ja gesorgt! Am WE genossen wir pure Familienzeit! Wir kamen nach den 3 Wochen alle erholt und gestärkt wieder. Es hält bis heute an. Aber ich denke für uns war es vor allem so toll, weil sich meine Kids auch in der Betreuung so wohl gefühlt haben, so dass ich ohne schlechtes Gewissen die Zeit für mich nutzen konnte. Und es wurde dort auch ganz toll auf die Kinder eingegangen. Sogar mit dem Essen, ich bekam sogar abends Nutella, damit die Beiden zunahmen… Auch die Gespräche mit der Ernährungsberatung waren toll, so habe ich auch endlich begonnen mir weniger Sorgen um meine zarten Kinder zu machen! Also gut ausgewählt (ich habe mich ausführlich vom Roten Kreuz beraten lassen) kann so eine Kur wirklich ein Gewinn sein !

    Hallo. Ich bin alleinerziehend, von Anfang an. Leider nicht freiwillig. Mein Ex-Mann hat sich ziemlich schäbig während der Schwangerschaft und auch nach der Geburt mir gegenüber verhalten. Das ist eine andere, sehr heftige Story und es ist absolut unglaublich, dass sich jemand so verhält. Ich war dann auch knapp ein Jahr in psychologischer Betreuung, dann bin ich umgezogen und wohne jetzt ganz in der Nähe von meinen Eltern, die sich gerne und viel um meine Tochter mit kümmern, sodass ich abends mal zum Sport kann oder ausgehen (sehr selten) oder auch nach einer schlechten Nacht einfach nur mal zwei Stunden schlafen.
    Leider ist eine Mutter-Kind-Kur für mich nicht so einfach zu bekommen, da ich als Lehrerin arbeite und dadurch privat versichert mit Beihilfe bin. Die Privaten haben solche Kuren in der Regel nicht im Vertrag drin, sodass ich eine solche Kur unter Umständen zur Hälfte selbst zahlen müsste, wenn die das nicht aus Kulanz übernehmen. Daher stimmt die Aussage, dass Kuren leicht zu bekommen seien, nur für gesetzlich versicherte.
    LG Sophia mit Herz-Herbstmädchen

    Liebe Sophia,

    vielen Dank für das Teilen Deiner Geschichte. Ich wusste nicht, dass privat Versicherten das Leben so schwer gemacht wird.

    Und Hut ab, dass Du Dir Hilfe geholt hast und dein Leben wieder selbst in die Hand genommen hast.

    Liebe Grüße,
    Hanna

    Als ich erfuhr das ich schwanger bin war ich 19 Jahre alt und steckte in den letzten Prüfungen für mein Abitur. Alle in meine Familie waren entsetzt von der Nachricht. Ich blieb zwei Jahre zu Hause mit Kind. Mein Kind war ein Schrei-Baby und was die ersten Monate sehr schwer machte. Ich schottete mich ab, verlor den Kontakt zu meinen Freunden, welche alle zum Studieren weg zogen. Nach einem Jahr trennte ich mich vom Kindsvater da dieser eine Drogen und Alkoholsucht entwickelt hatte (aufgrund des Todes seines Vaters). Ich würde im Laufe der Zeit immer aggressiver und dünnhäutiger und weinte viel, weil ich mich als extrem schlechte Mutter fühlte. Ich flehte meine Mutter oft an vorbei zu kommen und uns zu besuchen aber sie fand die Zeit dafür nicht. Als mein Kind 2 Jahre alt war begann ich eine schulische Vollzeitausbildung. Da ich sorge hatte als Alleinerziehende später keinen Job zu bekommen lernte ich viel und schrieb viele Einsen. Aber nach einem Jahr Ausbildung bekam ich vor jeder Klausur, wenn ich lernen wollte Heulkrämpfe und Essatacken. Ich ging zum Arzt und würde mit Psychopharmaka ruhig gestellt. Durch diese Medikamente fühlte ich nicht mehr und war auch Kognitiv verlangsamt. Darunter litten nun meine Noten. Ich setzte die Medikamente nach drei Monaten ab und begann viel Sport zu machen… das half! Ich joggte ein Jahr und zu Beginn des dritten Ausbildungsjahres machte ich endlich eine Kur! Hier lernte ich Achtsamkeit und auf mich stolz sein zu können. Mir wurde gesagt, dass ich eine tolle Mutter bin und alles mit meinem Kind gut ist. Seit dem habe ich gelernt mich selbst zu lieben und dadürch ist meine Agression verschwunden. Ich habe meine Ausbiödung mit einem Schnitt von 1,9 abgeschlossen und nun einen tollen Job in Teilzeit, von dem ich sogar leben kann. Der Weg hat 5 Kahre gedauert. Aber endlich kann ich sagen es geht uns gut. Die Kur letztes Kahr war mein Schlüssel dazu.

    Danke für den Artikel. Ich werde noch heute eine Mutter – Kind – Kur beantragen. Mein Mann hat mich im August verlassen. Aber gefühlt war ich bereits vorher alleinerziehende Mutter dreier Kinder. Ich mache seit Jahre Haushalt und Kindererziehung alleine und Frage mich immer wie andere mit Beruf das schaffen. Bei Freunden, Nachbarn und Bekannten sieht das Haus immer wie geleckt aus alle haben sich lieb und sind perfekt gestyled. Bei uns herrscht irgendwie immer Chaos, die Kinder streiten sich oft lautstark und ich merke, dass ich zu mir gar nicht erst komme. Seit Jahren kein Urlaub, soziale Kontakte irgendwie auch nur über die Kinder und eigentlich nur Bekanntschaften. Freunde haben sich nach und nach verabschiedet, weil ich abends nicht mehr weg kann und auch teilweise sehr depressiv war. Ich war in psychologischer Behandlung und habe einen Mädelstreff, der mir sehr gut tut der sich aber leider nur alle 1- 2 Monate einmal mit Kindern trifft.
    Ich stehe früh im 5 auf um den Haushalt zu svhaffen vevor die Kinder um 13:00 Uhr aus der Schule kommen, mit 2jährigem Kleinkind im Schlepptau, welches immer nur mit muss und für dass man wenig Zeit hat, welches einfach nebenher existieren muss. Wieder ein Punkt der Schuldgefühle hinterlässt. Sobald die Kinder da sind muss das Mittagessen auf dem Tisch stehen. Dann folgen Hausaufgaben, Musikinstrumente diverse Sportvereine und Betreuung eingeladener Freunde. Abends nochmal alles an seinen Platz räumen, Abendessen, Küchenchaos beseitigen. Ich bin froh wenn alle Kinder im Bett sind. Danach sollte man meinen: jetzt hat sie Zeit für sich!
    Aber danach bin ich so müde, dass ich zu nichts mehr zu gebrauchen bin.
    Meistens falle ich ne Stunde später ins Bett.

    Liebe Joyce,

    ich kann beim Lesen des Kommentars regelrecht deine Müdigkeit und Frustration spüren. Egal, wie andere Familien auf dich wirken mögen: Es geht sehr vielen Müttern so, da kannst Du Dir sicher sein! Ich empfinde es als Mutter von einem mit Unterstützung durch den Mann schon als sehr viel – ich mag mir gar nicht vorstellen, wie es für alleinerziehende Mütter sein mag.

    Ich wünsche Dir sehr, dass der Antrag schnell bewilligt wird und Du dort etwas zur Ruhe kommst!

    Alles Liebe für Dich,
    Hanna

    Ich war auch lange in einem solchen Burnout Zustand. Sensibles Kind, Attatchment Parenting in einem Umfeld von Eltern, Großeltern und Freunden, das hauptsächlich mit Schuldgefühlen und liebloser Strenge erziehen, natürlich viele Auseinandersetzungen mit der Familie, dazu ein Mann, der sich nicht anders zu helfen wusste, als mit Aggression auf Konflikte und meine Verzweiflung zu reagieren. Alles denkbar schlecht, wenn man eh schon am Leistungslimit ist. Ich wünschte mir auch oft, einfach mal Abstand zu bekommen. Mutter-Kind-Kur stand ganz oben auf meiner Wunschliste.

    Aber nix mit Kur….

    Die Ärzte reagierten entweder mit vollkommen idiotischen Erziehungstipps a la „ man muss nur konsequent durchgreifen“, ich wurde von zwei Ärzten fast beschimpft, dass ich länger als „medizinisch notwendig“ aka 6 Monate stillte, weil das natüüüürlich zu meinem Zustand und Mangelerkrankungen führen würde und die Männer ausschließen würde(!) (komischerweise war in keinem Blutbild ein Mangel festzustellen) oder die Ärzte reagierten einfach mit „ja, ist halt so mit Kindern, stellen Sie sich nicht so an“.
    Auch bei einer psychischen Erkrankung vor über 20 Jahren (nach dem Tod meines Vaters im Teenageralter) habe ich eine Menge schlechter Erfahrungen gemacht. Da ich stark abnahm, wollte man mir plötzlich Bullemie andichten. Mein Hausarzt schrieb einfach ohne mein Wissen „Verdacht auf Essverhaltensstörung“ nach einem 3minütigen Gespräch in meine Akte / Arztbriefe und schon nahm das Desaster seinen Anfang. Ich wurde für echte körperliche Erkrankungen als „Psycho“ gehandhabt. Ich war total verwundert, warum mich plötzlich andere Ärzte nach dem Gebrauch von Abführmitteln oder Schlankheitspillen fragten statt Fragen zu Symptomen zu stellen. (Ich war der typische „Strich in der Landschaft“ der alles essen konnte – bis 30 😉 – und musste mir über sowas wie Diäten nie Gedanken machen.) Als es ans Licht kam, weil mir langsam jegliche normale Behandlung verweigert wurde und man mich in eine Klinik einweisen wollte, wo kein Kontakt zur Außenwelt möglich ist (Bullemie ist eine Suchterkrankung und wird so behandelt….) bekam ich sogar von einem Arzt gesagt „naja, Suchtkranke lügen ja und Sie sind ja allein schon suchtkrank, weil sie rauchen“. (Sprich Raucher = notorische Lügner ). Ich war damal total am Ende, war total überfordert mit diesem „schlechten Film“, der mir wirklich Angst machte (ja, Ärzte dürfen dir grundlegende Menschenrechte absprechen…) hatte keine Hilfe von Familie (die würden einem Arzt eher glauben als mir, selbst wenn er behauptet, die Erde wäre eine Scheibe) oder Freunden, die sich längst zurückgezogen hatten. Allein mein damaliger Freund nahm mich ernst und unterstützte mich dabei, nicht aufzugeben, bis sich alles aufgeklärt hatte und ich wieder gesund war durch anständige medizinische Behandlung.

    Meine Mutter hat die Machenschaften des Systems bei psychischen Erkrankungen auch bitter kennengelernt als sie nach einer Scheidung im Burnout war und fast Zwangs-Berentet wurde von einem „psychologischen Berater“, obwohl sie nichts lieber wollte, als nach dem Burnout wieder zu arbeiten und auf eigenen Beinen ohne Mann stehen zu können. Es ging denn Herrschaften aber nicht schnell genug einen Job zu finden (mit über 50) und deswegen wäre sie fast in eine Rente unter Hartz4 geschickt worden, wobei ich als einziges Kind dann hätte Unterhalt aufbringen müssen sie. Obwohl sie das gar nicht wollte.

    So kann es also auch laufen, wenn man Hilfe sucht.
    Ich möchte niemanden abschrecken, sich Hilfe zu suchen.

    Ich möchte nur mal sagen, das „hey, es ist total pisi-einfach Hilfe und bewilligte Kuren zu bekommen“ mal ganz hart an der Realität vorbei sein kann.

    Und durch den Ärztemangel auf dem Land, ist man auch gezwungen zu Arzt xy zu gehen. Ärzte 5km entfernt weisen einen ab. Sie sind nicht verpflichtet Patienten aufzunehmen, die nicht in ihrem Einzugsbereich wohnen. Sind also alle Ärzte im Einzugsbereich der Meinung, dass Mütter sich nicht so anstellen sollen, hat man einfach mal Pech gehabt in unserem Gesundheitssystem.
    So sieht’s aus.

    Hallo Mira,

    oh Mann, das ist echte Sch…, was Dir im Leben schon passiert ist! Danke für’s Teilen dieser Geschichte. Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was ich dazu sagen soll. Außer vielleicht, dass ich verstehe, wie es sich anfühlt, zu „Experten“ zu gehen und mit irgendwas abgetan zu werden, ohne dass sich jemand so richtig interessiert. Ich hatte am Ende das Glück, echte Hilfe zu bekommen. Trotzdem setze ich mich im Zweifel lieber lange vor Dr. Google und experimentiere selbst, bevor ich nochmal ein Wartezimmer betrete und hoffe, dass auf „Mir geht es nicht gut“ eine vernünftige Reaktion und Untersuchung folgt.

    Und ja, du sprichst auf jeden Fall einen wichtigen Punkt an bezüglich Burnout und Hilfe holen. Denn psychische Erkrankungen sind leider immer noch ein Stigma in unserer Gesellschaft. So, als wäre das keine „richtige“ Krankheit, sondern eine persönliche Schwäche oder ein Risiko. In manchen Berufen oder ich glaube sogar, bei der Verbeamtung kann genau dieses Stigma problematisch werden, wenn es irgendwo offiziell vermerkt ist.

    Ich wünsche Dir alles Gute und dass Du trotzdem Deinen Weg gehst.

    Liebe Grüße,
    Hanna

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