Charite Virchow Berlin: Eine Nacht und nie wieder

Nacht in der Klinik

 – oder vom Schwangeren-unfreundlichesten Ort der Welt

Die letzten Tage…

…war ich mit Ausnahme einer zweitätigen Verschnaufpause, die mein Körper mir gegönnt hat, erkältet. Hauptsymptom: starke Gliederschmerzen. Folge: Ganz viel Jammern und wenig Schlaf. Mit Schmerzen war ich nämlich noch nie so gut.

Liegt wahrscheinlich daran, dass ich sehr selten richtige Schmerzen hatte in meinem Leben. Eigentlich war ich vor der Schwangerschaft so gut wie nie erkältet und wirklich krank sowieso erst einmal in meinem Leben: als ich zu Besuch bei einer Freundin in Schottland war, habe ich eine Mandelentzündung bekommen. Wahrscheinlich haben Menschen schon viel schlimmere Mandelentzündungen erduldet, aber ich war mir sicher, das war’s. Ich sterbe hier in Schottland. Auf einer Insel weit weg von meiner Familie und meine arme Freundin muss sich dann um alles weitere kümmern.

Dank Penicillin bin ich nicht gestorben und konnte so in den letzten Tagen neue Schmerzen erdulden. Zugegeben, an die Nahtoderfahrung der Mandelentzündung reichen sie nicht ran, aber schlimm war es trotzdem. Es hat wirklich jeder Teil meines Körpers geschmerzt, vor allem mein meistens harter und kugelrunder Babybauch und am allermeisten die rechte Rippe. Ich konnte nicht richtig liegen oder sitzen und stehen war nach 5-10 Minuten zu anstrengend.

Hin und wieder kamen dann noch Kontraktionen im Unterbauch dazu. Dachte ich zumindest, dass es hin und wieder war. Tatsächlich sind mir wohl einige weniger starke Wehen durchgegangen als Gliederschmerzen – was sich aber erst gestern Nacht herausstellte.

 

Als erstes in die Notfallaufnahme der Charité Virchow

Als nämlich nach 3 Stunden Mehr-Oder-Weniger-Schlaf um 12 Uhr starke Unterleibsschmerzen einsetzten und 2 Stunden (!) nicht nachließen, wurde mir die Sache zu bunt. Ich hatte Angst, dass da was nicht stimmt. Ich meine, Wehen sollen doch zwischendurch wieder nachlassen bzw. aufhören und nicht einfach durchgehend stundenlang wehtun, um sich dann zu einem Höllen-Krampf zu steigern, oder?

Also musste mein Mann sich (und mich) anziehen, ins Auto packen und in die nächste Klinik fahren. Leider war fühlte es sich zu ernst an und der Weg in unsere Wunschklinik war zu weit und zu gefährlich in diesem Moment. Zum Glück liegt das Charité Virchow ja gleich um die Ecke und hat eine Notfallaufnahme, als auch eine Geburtshilfe. Zum Glück. Dachten wir!

Denn wenn man glaubt, dass an einem Ort wie einer Entbindungsstation eine noch größere Freundlichkeit gegenüber Schwangeren herrscht, als im normalen Leben, dann hat man sich gründlich getäuscht. Zumindest im Falle der Charité Virchow Berlin. Die Schmerzen hatten bis zu dem nächtlichen Marsch (eine Anfahrt direkt zum Kreißsaal ist wohl nur für Krankentransporte möglich, oder wir waren zu blöd) zum Glück nachgelassen, sonst hätte ich die Strecke wohl bis heute nicht geschafft. Das komplette Gebäude war menschenleer (ich wundere mich, dass dort keine Obdachlosen übernachten, auch angesichts des Pfand-Paradieses, das dort herrscht) und selbst wenn uns mal jemand fast über den Weg gelaufen wäre, hat der sich schnell aus dem Staub gemacht. Hilfe also Fehlanzeige!

Schließlich standen wir vor der Gynäkologie (Kreißsaal im ersten Stock) und haben einen Arzt gefragt, der gerade in den Aufzug huschen wollte, wo wir uns melden sollen: „Ihr müsst den gesamten Weg zurück, dann draußen noch ein Stück und in die Innere Notaufnahme.“ Alles klar, weiter geht die Reise. Dort angekommen und dieselbe Frage gestellt: „Ihr müsst euch im Kreißsaal melden!“ Spinnt ihr, von da wurden wir grade hierher geschickt! Ich war wirklich dem Zusammenbruch nahe. Soviel war ich die gesamte letzte Woche nicht auf den Beinen gewesen. Aber hilft ja nichts, wir wollen wissen, dass es unserem Baby gut geht. Und immerhin hat der Mann in der Notaufnahme gelächelt und mit uns gesprochen.

 

Endlich im Kreißsaal

Im Kreißsaal angekommen wurden wir recht unfreundlich und mit einem Was-wollt-ihr-denn-jetzt-auch-noch-hier-Blick empfangen und in eine Warteecke verwiesen. Keine Nachfrage, wie stark die Schmerzen sind oder ob ich liegen müsse. Generell hat man jedem Mitarbeiter in der Charité Virchow angemerkt, dass er extrem angenervt, unfreundlich oder gestresst war. Sich in guten Händen fühlen, war jedenfalls nicht gegeben. Sauerei eigentlich, wenn man bedenkt, wo man ist!

Nur 30 Minuten später wurde ich an ein CTG angeschlossen (die Bänder wurden tatsächlich mit energischem Druck um meinen Bauch gebunden, sodass man auch bei Verlassen des Krankenhauses stunden später noch den Abdruck der Messgeräte sehen konnte), Blutdruck gemessen und Fieber. Die Hebamme – nicht gerade in Höchstform oder vielleicht ist sie immer so schroff – warf einen Blick auf das CTG und verkündete unbeeindruckt:

„Da haben Sie ja schon recht regelmäßige Kontraktionen. Könnte sein, dass es gleich losgeht. Sind Sie bei uns schon angemeldet? Hatten Sie vor, hier zu entbinden?“

„Nein, eigentlich wollten wir in ein anderes Krankenhaus.“

„Na, wenn es jetzt nicht gleich losgeht, können Sie da ja noch hinfahren.“

Beim doch recht schmerzhaften Abtasten meines Muttermundes (muss es wirklich sein, dass die versucht, in unmittelbarer Gegenwart meines Mannes, den Finger durch den Muttermund zu stecken?!?) hat sich dann herausgestellt, dass es eben noch nicht so weit ist. Er ist verkürzt, aber noch nicht offen. Ein Zentimeter fehlt wohl noch.

Trotzdem hat der Moment, in dem sie meinte, es könne gleich losgehen, überraschenderweise in mir keine Panik ausgelöst, sondern pure Freude. Würden wir unseren Kleinen doch schon so früh bei uns haben? Kein Warten mehr? Die Vorstellung war wirklich schön! Sogar angesichts der Schmerzen, die ich in dieser Nacht schon gehabt hatte.

Dann zurück in die Warteecke, auf die Ärztin und einen Ultraschall warten. Ab da hat auch niemand mehr mit uns gesprochen; geschweige denn ein Lächeln für uns übrig gehabt. Für die nächsten drei (!) Stunden. Als die Ärztin endlich kam, war es dann schon fast 7 Uhr morgens und wir schon sehr kurz davor, wieder nach Hause zu gehen bzw. ich, weinend zusammenzubrechen. Ich war so müde!

Immerhin hat sie dann einen ausführlichen Ultraschall gemacht, mir versprochen auf meine Fragen gleich eine Antwort zu geben und ist dann auf nimmer wiedersehen rausgerannt (Notfall). Vorher hat sie aber zumindest noch verlauten lassen, dass es unserem Baby bestens geht und wir uns keine Sorgen machen müssen. Der Kleine liegt mit seinem Knie auf meiner rechten Rippe, deshalb tut das so höllisch weh und ich hab einen Harnstau rechts. Das sei aber nicht schlimm und man müsse nichts tun.

Wir also den heiligen Mutterpass, Chipkarte und das CTG von ihrem Schreibtisch zusammengesammelt und haben so schnell wie möglich die Biege gemacht. Was wir aus der Nacht in der Klinik gelernt haben? Nicht mehr in das Krankenhaus um die Ecke fahren, lieber in das Krankenhaus unseres Vertrauens. Habe ich schon erwähnt, dass ich Krankenhäuser nicht mag?

 

Und was war jetzt?

Ja, das haben wir uns auch mehr oder weniger selbst zusammenreimen dürfen. Das CTG zeigt sehr regelmäßige Wehentätigkeit, weshalb die Hebamme, bevor sie meinen Muttermund ertastet hat, der Meinung war, es geht jetzt los mit der Geburt (mein Mann war kurz vorm Herzinfarkt).

Ein positives Resultat hatte die ganze Tortur der letzten Tage außerdem: Mein Bauch hat sich (endlich!!!) gesenkt, wodurch die Schmerzen in der rechten Rippenseite zwar nicht komplett verschwunden sind, aber doch erträglicher. Manchmal kann ich sogar auf der rechten Seite liegen – was bei 95% des Tages auf der Couch oder im Bett ein echter Segen für die linke Körperhälfte ist! Auch kann ich wieder ein wenig besser schlafen.

Allerdings ist der Muttermund erst teilweise geöffnet und braucht wohl noch ein paar Kontraktionen, bevor er so weit ist. Auch der kleine Mann will nicht so richtig mit seinem Köpfchen ins Becken, wobei es da auch verschiedene Äußerungen von Hebamme und Ärztin gibt. Also wer weiß, wie weit sein Kopf wirklich unten ist. Da die Kontraktionen bis jetzt immer mal wieder kommen, könnte es wohl gut sein, dass es tatsächlich die nächsten Tage losgeht. Aber wer weiß das schon (die Ärztin vielleicht, aber die war ja weg)… Wir werden jedenflass alles dafür tun, dass wir unser Kind bitte nicht in der Charite Virchow zur Welt bringen müssen.

 

3 Kommentare zu „Charite Virchow Berlin: Eine Nacht und nie wieder“

  1. Ach du Schreck Hanna, das hört sich ja übel an. Hoffentlich geht es euch im nächsten Kh besser. Ich habe heute morgen schon richtig mit gehibbelt 😉

  2. Waaaa, du arme. ich hatte 3 tage vor der geburt durchgehend wehen die immer schlimmer wurden. An schlafen war nicht zu denken, habe fleißig veratmet. Ich dachte immer wehen hat man wenn die geburt los geht (ein paar stunden vorher) aber dass sich sowas mehrere tage hinziehen kann, war mir nicht bewusst. Also kann gut sein, dass dein sohnemann schon bald da ist. 😉

    1. Hallo Rebecca – kommt mir bekannt vor, wobei die Wehen wieder weniger geworden sind. Länger als 1-2 Std. Schlaf am Stück sind nicht mehr drin. Unter anderem deshalb würde ich mir wünschen, dass er sich bald auf den Weg macht!

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