Unser Kurs zur Geburtsvorbereitung


Was passiert in einem Kurs zur Geburstvorbereitung?

Letztes Wochenende hatten wir einen Paarkurs zur Geburtsvorbereitung im Geburtshaus meiner Hebamme. Ich hatte mir immer vorgestellt, dass man bei einem Geburtsvorbereitungskurs eklige Details über die Geburt erfährt und lernt, zu „hecheln“ oder mit den Wehen zu atmen oder was auch immer. Hauptsächlich trockene Übungen und Fakten eben. Ich muss sagen, ich war wirklich positiv überrascht.

Natürlich haben wir im wortwörtlichen Sinne einer Geburtsvorbereitung ein bisschen mehr über die Geburt an sich erfahren. Allerdings nicht nur über die einzelnen Phasen und den genauen Ablauf wie wir es eigentlich erwartet hätten, sondern darüber, welche Einstellung zum gesamten Vorgang für uns hilfreich ist und wie wir das gemeinsam am besten meistern. Dazu hat unsere Hebamme uns viele Partner- und Massageübungen gezeigt, mit uns darüber gesprochen, welche Reaktionen der Geburtsvorgang bei der Frau auslösen kann und wie die Männer damit umgehen können. Wir wissen jetzt auch, wann wir erst ins Krankenhaus fahren müssen und wann eben nicht.

[attention] [attention_heading]Und hier die für uns aller wichtigste Erkenntnis der Geburtsvorbereitung:[/attention_heading] [attention_message]Solange die Wehen nämlich noch nicht alle 5 Minuten kommen und mindestens eine Minute dauern sowie die Fruchtblase nicht geplatzt ist, gibt es keinen Grund, unser zu Hause und damit unser „sicheres Umfeld“ zu verlassen. Lieber sollten wir versuchen, uns abzulenken, zu essen, zu entspannen oder ein wenig zu schlafen. [/attention_message] [/attention]Macht irgendwie Sinn.

 

Sind wir jetzt vorbereitet auf die Geburt?

Insgesamt hatten wir beide das Gefühl, dass der Geburtsvorbereitungskurs für ihn (und dadurch natürlich indirekt auch für mich) am meisten gebracht hat. Die Frau weiß ja immerhin, was zu tun ist: Schmerzen erdulden und Pressen, wenn es so weit ist. Da ist der Fahrplan relativ klar. Anscheinend, das hat sich auch durch die Äußerung der anderen Väter klar gezeigt, ist das für den Mann nicht so einfach. Den Menschen, den man liebt, unter Schmerzen zu sehen und nicht viel tun zu können, ist wohl eine sehr beängstigende Vorstellung. Zu wissen, wie er durch Massagen und Lockerungsübungen in den Wehenpausen, Getränke holen, Informationen vom Personal einholen, Zusprache und Lob zumindest einen kleinen Beitrag leisten kann, hat zumindest meinen Mann sehr beruhigt.

Mich hat sehr beruhigt, mit einer anderen Einstellung als bisher an die Sache heranzugehen: jede Wehe – und nach jeder Wehe kommt eine noch längere Pause – bringt mein Baby näher zu mir und muss deshalb sein. Alles läuft auf den Punkt hinaus, an dem ich unseren Kleinen Schatz auf dem Bauch liegen habe und mich mit ihm ausruhen darf. Und dann gehört mein Bauch wieder mir!

Spätestens seit unserer Horror-Nacht in der Klinik ist dieses Ereignis auch in realistische, greifbare Nähe gerückt. Und merkwürdigerweise hatte ich in dem Moment, in dem die Klinik-Hebamme verkündet hat, es könne vielleicht jetzt schon los gehen, keinerlei Panik. Durch den Kurs zur Geburtsvorbereit ist sozusagen die Phase der Verdrängung des schrecklichen Ereignisses nahtlos übergegangen in eine Art positive Akzeptanz (meinem Naturell nach würde dazwischen definitiv noch eine Phase des psychischen Zusammenbruchs stehen, die mein Mann dann irgendwie wieder ausbügeln dürfte).

Vielleicht – und das klingt jetzt echt gehässig – hat es mich auch ein wenig gefestigt, dass der Großteil der anderen Frauen (und Männer) noch viel größere Angst und Besorgnis geäußert hat. Eine Teilnehmerin, ihr Termin war genau an diesem Tag erreicht, schläft wohl seit 3 Monaten kaum mehr und wirkte auch sichtlich mies gelaunt – aus Angst vor der Geburt. Ich glaube, sie konnten die Ausführungen meiner Hebamme nicht wirklich beruhigen. Zumindest ist sie nach der Mittagspause am zweiten Tag nicht wieder aufgetaucht.

Ich dachte wirklich, für ein einschneidendes Erlebnis wie dieses und das, was danach folgt, werde ich nie bereit sein. Also nicht so richtig. Nicht mal einen Monat später muss ich diese Meinung revidieren: ich fühle mich tatsächlich bereit und bin dankbar, dass es Paarkurse für die Geburtsvorbereitung gibt! Ob ich das auch noch sage, wenn die Schmerzen richtig schlimm werden, ist wieder ein anderes Kapitel.



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