Das verrückte Thema Kinderwunsch


Ich weiß noch genau, wie es mir und meinem Mann nach der ersten Geburt ging. Im Familienzimmer angekommen sagte er zu mir, wortwörtlich: „Das nächste Kind adoptieren wir. Das mach ich nicht noch einmal.“ Dann schliefen wir endlich. Aber genau so fühlten wir uns lange Zeit: Nicht. Noch Einmal. Ich hatte mir immer mindestens zwei Kinder gewünscht und vorgestellt, dass sie etwa zwei Jahre Abstand haben würden. Nun sind es vier Jahre geworden, denn bis vor einem Jahr war von Kinderwunsch nichts zu spüren. Lange Zeit beneidete ich Freundinnen mit zwei Kindern.

Ganz anders heute. 9 Wochen nach der Geburt meines zweiten Kindes.

Vom verrückten Wunsch nach einem Mädchen

Auch diesmal war die Geburt heftig und nichts, was ich mir sofort wieder wünsche. Trotzdem war diesmal alles anders. Besser. Und schon wenige Tage nach meiner Hausgeburt war für mich klar: Ich will noch ein drittes Kind.

Ein Mädchen diesmal.

Ja, ich weiß, das kann man sich nicht aussuchen und ja, natürlich besteht zu 50% die Wahrscheinlichkeit, dass es wieder ein Junge wird. Trotzdem ist da irgendwo in mir das ganz starke Gefühl, dass noch ein Mädchen in unsere Familie gehört. Zu mir. Ich bin, denke ich, generell eher eine Jungsmama. Aber ich wünsche mir auch all die Erfahrungen, die dazu gehören, Mama einer Tochter zu sein.

Auch sind die ersten Tage und Wochen mit meinem Baby diesmal viel zu schnell vergangen. Obwohl ich diesmal nicht wie paralysiert war, schienen die Tage trotzdem an mir vorbei zu ziehen. Diesmal im positiven Sinne. Aber trotzdem zu schnell.

Da gehören immer zwei dazu…

Schnell musste ich allerdings feststellen, dass sich bei meinem Mann ein ganz anderes Gefühl breit gemacht hatte nach der Geburt unseres zweiten Sohnes: Für ihn ist die Familienplanung damit abgeschlossen. Er fühlt sich mit mir und den zwei Jungs nun komplett.

Und wenn es diesmal nicht die Geburt ist, die er nie wieder erleben will, so hat ihm stattdessen die Schwangerschaft die Laune verdorben. Die Übelkeit, die Blutungen, 8 Monate lasteten die ganze Verantwortung und die alltäglichen Aufgaben zum großen Teil auf ihm. Verständlich, dass er darauf keine Lust mehr hat.

Und trotzdem…

Auch, wenn ich das rational betrachtet verstehen kann, so ist mein Wunsch nach einem dritten Kind  doch da. Sehr stark sogar. Der Gedanke, dass in meinem Bauch nie wieder ein Baby wohnen würde, macht mich furchtbar traurig. Dass nie wieder eins meiner Kinder diese unheimlich süßen, kleinen Kleidungsstücke tragen könnte. Dass ich nie wieder den Duft meines neugeborenen Babys einatmen dürfte. Nicht die Glücksgefühle der ersten Stunden und Tage erleben.

Zum ersten Mal in meinem Leben kann ich mir wirklich vorstellen, wie Frauen mit unerfülltem Kinderwunsch leiden. Wie sich der Gedanke anfühlen muss, ein Kind zu wollen und keines haben zu dürfen.

Bei uns, hoffe ich, ist da das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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Alle Kommentare (6)

    Hallo ihr Lieben. Ja wie das Leben so spielt. Wir waren auch froh über unser 1. Kind,unser absolutes Wunschkind nach über 4 Jahren versuchen und Kiwu Behandlung. Das Glück war so gigantisch und kaum zu begreifen. Doch auch da schwingt bei mir mit, dass 9 kleine Zellkügelchen sich in mir befunden haben,aber nicht bei mir bleiben wollten vorher. Auch bei unserem Traumwunschkind waren es 2, die eigentlich eingesetzt wurden. Ist für mich gedanklich schwerer als für meinen Partner. Der bekommt solche Gedanken nicht einmal. Da bin ich ja fast neidisch. Also Kind Nr 1 war da und wir glücklich. Ich.habe mir in der 1. Schwangerschaft schon gewünscht dass unser Kind kein Einzelkind bleiben sollte. Aber das war auch nur so ein Gedanke, der aber zunahm je älter unser Kind wurde. Da ea vorher nicht leicht war schwanger zu werden haben wir uns nach der ersten Schwangerschaft keine großen Gedanken um Verhütung gemacht. Ich habe bis zum 18 Monant gestillt und nichts war passiert. Da wir noch 3 befrichtete Eizellen eingefroren hatten wollten wir es damit dann für ein weiteres Kind versuchen. Im telefonischen Gespräch mit der Klinik sagte man mir dass es hormontechnisch besser wäre wenn ich abgestillt hätte und min. 3 Monate dannach man sich Gedanken machen könne sie sich einsetzten zu lassen. Dazu kam es dann aber gar nicht mehr. Ich wurde so schwanger. Unerwartet und direkt nach dem Abstillen. Leider entdete sie in der 11 Woche in einem Abgang. Ohne Krankenhaus. Da ich mittlerweile von rumgedoktor an mir wirklich genug hatte und meine Ärztin und meine Hebamme mir dazu auch geraten hatten unter stetiger Blutkontrolle (HCG Wert musste kontinuierlich sinken). Also war es schon wieder vorbei bevor wir eigentlich begriffen hatten schwanger zu sein. Mental ging es meinem Mann bei der Fehlgeburt schlechter als mir. Ich muss sagen dass die 9 Krümelchen vorher die in mir waren und alle einfach so weggegangen sind ohne dass ich mir einen Grund herleiten konnte für mich viel viel schlimmer waren. Bei der Fehlgeburt war klar dass die Blase eher zusammengefallen war als sich zeitgerecht weiterzuentwickeln. Auch einen Herzschlag habe ich nie auf einem Ultraschall gesehen. Körperlich ging es mir nach der Fehlgeburt überraschend gut und ich hatte schon ein gesundes Kleinkind und unseren Alltag. Das hat mir wirklich geholfen und ich bin nie in ein Loch gefallen. Und wir hatten immer noch unsere 3 Eisbärchen für die wir vorher so gekämpft hatten und die noch eingefroren darauf gewartet haben. Aber es sollte wieder anders kommen. Nur einen Zyklus nach meiner Fehlgeburt war ichbwieder schwanger. Wieder ganz natürlich.Und alles ging gut und wir bekamen unser 2 Wunder. Ich bin so gerne Mutter und Liebe meine beiden so sehr. Jetzt zurück zu deinem eigentlichen Thema… Ich habe einen so intensiven und starken Wunsch meinen Eisbärchen, für die wir vorher mental so gekämpft und ich Hormonspritzen und EntnahmeOps über mich ergehen lassen habe, eine Chance zugeben. Mir bricht es das Herz zu wissen das sie irgendwo da sind ganz allein und chancenlos eingelagert wären bis irgendwann die gesetz. Richtlinien sagen ich wäre zu alt zum Einsetzten usw. Ich.bringe es einfach nichts übers Herz sie zu verwerfen. Das würde heißen dass sie einfach so im Labor entsorgt werden würden. Nachdem wir songekämpft haben. Meine Gedanken schwieren. Ich stelle mir die Frage was wenn eine dieser Zellen vielleicht ekngesetzt worden wäre und mein jetziges 1. Kind noch ein Eisbärchen wäre usw. Absolutes Gedankenchaos für mich. Meinem Mann geht es nicht so. Er hätte wohl keine so großen Probleme damit sie irgendwann zu verwerfen wie och. Auch das trifft mich im Grunde meines Herzens. Das er dazu bereit wäre. Ich könnte besser damit leben wenn och vorher wüsste dass sie nach dem Auftauen von sich verkümmern und nicht eingesetzt werden könnten oder sie eingesetzt werden würden sich aber nicht einnisten. Selbst ein Abort wäre für mich eher auszuhalten als sie in meinen Augen ohne Chance zurückzulassen. Rational ist das keineswegs das weiß ich auch und dennoch kann ich absolut nichts dagegen machen. Spenden würden wir unsere befruchteten Eizellen nicht. Dabei sind wir uns einig. Ich wäre dabei nie rechtlich die Mutter. Zwar biologisch,aber Mutter ist in Deutschland diejenige, die das Kind per Geburt zur Welt bringt.Der Wunsch ist da für ein weiteres Kind. Und er ist stark und er wird immer stärker. Manchmal ist es Thema und dann rückt es durch unseren Alltag und die Zeit mit unseren beiden Kindern in den Hintergrund. Bis irgendwann die Gedanken und Gefühle wieder da sind. Manchmal zweifle ich ja schon an mir,wie ich alle Logik und rationales Denken für Chaos in meinem Kopf und vorallem in meinem Herzen über Bord werfen kann, aber ich kann es nicht ändern. Ich kann und will ea auch gar nicht. Ich wünsche mir ein weiteres Kind. Ich wünsche es mir aus ganzem Herzen. Nochmal all die Zauber. Die Bewegungen im Bauch. Die Spannung.und Vorfreude. Das Kennenlernen. Alles ist immer wieder neu.und einzigartig. Und das ist es was ich mir wünsche und es schmerzt, dass es meinem Mann nicht zu 100% auch so geht. Er merkt allersings wie sehr es mich.doxh beschäftigt und wenn ich frage ob ich dies oder das.an Babysachen weggeben soll sagt er oft “ nein lass mal behalten und erstmal einlagern. Weggeben geht immer noch, man weiß ja nie“. Dabei durschaue ich ihn allerdings nicht, ob er sich mit dem Gedanken an ein weiteres Kind in seinem Tempo anfreunden kann oder so eine unvermeidbare Entscheidung herauszögert (egal wie sie ausgehen mag) nur um sich jetzt nicht damit ausseinander setzen zu müssen. Im Moment drehe ich mich im Kreis. Aber es heißt ja auch wünschen und nicht abhandeln. Wünschen macht das Herz und es lässt sich bei mir durch nichts beeinflussen. Der Wunsch ist da, egal von welcher Seite ich es betrachte. Das ist wohl auch der einzige rationale Gesichtspunkt, den ich so ohne weiteres begreife. Muss es rational sein? Nein, das sind Gefühle nie. Und nur ich muss mit meinen leben. Ein Leben lang. Aber sie sind da daran ist nicht zu rütteln.

    Hallo Sabrina,
    vielen Dank für diesen ausführlichen Kommentar. Ein irre Geschichte, wie sich die körperlichen Gegebenheiten plötzlich so wandeln können, dass eine natürliche Schwangerschaft doch möglich ist.
    Wie du schon sagst, sind Wünsche nicht rational. Man kann sie durch Überlegungen und Diskussionen nicht abstellen. Mit Entscheidungen ist es anders, die muss man natürlich auch rational treffen können. Wunsch hin oder her. So ist es mir auch erst einmal nicht so wichtig, dass mein Mann meinen Wunsch nicht teilt. Denn aktuell muss ich keine Entscheidung treffen und der Wunsch darf einfach da sein.
    Mit deinen Eisbärchen, vielleicht hilft dir der Gedanke weiter: Hast du dir schon einmal überlegt, ab wann du eigentlich Leben als solches betrachtest oder wo Leben herkommt? Ich stelle mir das so vor, dass jedes Kind eine Seele hat. Die ist aber erst einmal unabhängig vom Körper und möchte zu euch als Eltern. Vielleicht wartet irgendwo noch so eine Seele, um zu euch zu können. Ihr wird es egal sein, ob der Körper, den sie bekommt, von den eingefrorenen Eizellen oder einer natürlich befruchteten stammt. Sie will zu euch.
    Ich wünsche dir und deiner Familie alles Liebe,
    viele Grüße,
    Hanna

    Liebe Hanna,

    mir geht es ganz ähnlich wie dir. Aber kann es sein, dass unser Gefühl infolge der hormonellen Umstellung durch Geburt und Stillzeit entstanden ist? Bei meinem Sohn war es damals auch so. Kaum war er ein paar Monate alt, habe ich neidisch auf jede Schwangere geschaut, wollte sofort wieder. Ganz schlimm war es um seinen ersten Geburtstag herum, nur die Vernunft hat mich davon abgehalten, sofort schwanger zu werden. Aber: Der starke Wunsch wurde nach und nach weniger stark. Als er zwei war, war ich sehr froh, dass noch kein Geschwisterchen da war und plante eine Abstand von mindestens drei Jahren. Es wurden dann dreieinhalb, nun haben wir noch ein Mädchen, ein halbes Jahr ist sie jetzt alt. Und obwohl ich nie mehr als zwei Kinder wollte, kann ich mir momentan überhaupt nicht vorstellen, nie wieder schwanger zu sein! Nie wieder eine Geburt? Nie wieder Babyduft? Mein Mann will ganz sicher kein drittes Kind. Also gebe ich meinen Zweien vorerst einfach all meine Liebe und beobachte mal, ob der Wunsch so dringend bleibt oder sich eventuell nach anderthalb/zwei Jahren wieder legt.

    Hallo liebe Elli,

    das kann natürlich gut sein. Habe ich mich auch schon gefragt. Allerdings hatte ich das beim ersten Kind überhaupt nicht. Damals haben wir gesagt, wenn wir überhaupt je noch mal ein Baby wollen, dann adoptieren wir eins 😉

    Ich wünsche euch alles Gute, egal ob zu viert oder zu fünft – ich denke irgendwann weiß man einfach, ob man komplett ist oder nicht.

    Liebe Grüße,
    Hanna

    Hallo Hannah, ein schöner Artikel, den ich gut nachvollziehen kann. Ich fühle mich auch hin- & hergerissen, wenn ich an ein zweites Kind denke. Hugo ist jetzt 1 1/2 Jahre; eine sehr schöne, spannende Zeit, aber auch sehr intensiv. Ich frage mich oft, wie andere den Familienalltag mit 2 & mehr Kindern meistern & habe größte Bewunderung dafür. Auch begleiten mich oft Ängste, ob alles so gut verlaufen würde, wie bei Hugo. Andererseits können meine Frau & ich mir sehr gut vorstellen, ein Geschwisterchen für Hugo zu bekommen. Wir sind beide mit Geschwistern groß geworden.
    LG, Richard & Hugo vom https://www.vatersohn.blog/

    Hallo lieber Richard,

    ich verstehe das gut. Aus bisher 3 Monaten Erfahrung kann ich sagen: Ich weiß auch nicht, wie andere den Familienalltag mit zwei Kindern meistern. Ich schaffe vieles gefühlt nur, weil ich so viel Unterstützung von meinem Mann (Home Office) und meinen Eltern im Haus gegenüber habe. Aber: tatsächlich ist unser zweites Baby viel weniger anstrengend als das erste. Es stimmt schon, was die Leute sagen: Phasenweise „läuft er einfach mit“, d.h. er ist da, aber man nimmt ihn gar nicht richtig wahr, weil er schläft / einfach nur so da liegt / in der Trage sitzt.

    Ich würde es einfach auf mich zukommen lassen. Ich hatte lange Zeit gar kein Bedürfnis nach einem neuen Baby und plötzlich, eines Tages, war der Wunsch da. Erst ganz leise, dann schnell immer lauter und deutlicher. Ich würde mir auch wegen dem Altersabstand keine Gedanken machen. Hat alles Vor- und Nachteile. Nur irgendwie sind die 2 Jahre bei uns gesellschaftlich so drin. Tatsächlich habe ich schon viele wissenschaftliche Ergebnisse gelesen, die sagen, dass ein größerer Altersabstand gut ist, z.B. für die psychische Gesundheit der Eltern, weniger Streit usw.

    Ich wünsche euch alles Gute,
    liebe Grüße,
    Hanna

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