Durchfall aus der Hölle – Wie der Mann wieder von den Toten erwachte


Reisedurchfall – kein schönes Thema, aber für die meisten, die in asiatische Länder reisen, ein sehr aktuelles. So auch bei uns, obwohl wir es lieber vermieden hätten. Wir waren keine Woche hier, da erwischte es mich zum ersten Mal, kurze Zeit später auch meinen Mann. Und den umso schlimmer. Wie er seine Magen-Darm-Symptome ohne echte Medikamente wie Antibiotika in den Griff bekam und was wir wohl in Zukunft lieber in unserer Reiseapotheke haben werden, verrate ich euch hier.

Woher kommt Reisedurchfall?

Durchfall im Urlaub kann entweder durch mangelnde Lebensmittelhygiene, also durch eine bakterielle Infektion des Magen-Darm-Traktes, entstehen, oder durch eine Lebensmittelvergiftung. In beiden Fällen sorgt der Körper durch starken Durchfall dafür, dass die unerwünschten Gifte oder Bakterien möglichst schnell wieder ausgeschieden werden.

Für uns als Betroffene hat das leider noch weitere unangenehme Begleiterscheinungen und kann in schlimmen Fällen sogar gefährlich werden. Unter anderem fühlten wir uns in den ersten Tagen der Durchfallerkrankung wahnsinnig schlapp und müde, hatten teilweise Bauchschmerzen.

Ich kannte das schon von meiner Indien-Reise. Damals hatte beinahe jeder der Mitreisenden (und das war ein ganzer Bus voll) einmal einen mehr oder weniger schlimmen Durchfall gehabt, der nach wenigen Stunden oder Tagen aber wieder verschwunden war. Und genauso war es bei mir auch diesmal. Ich ruhte mich zwei Tage aus und die Sache war überstanden.

So, dachten wir, würde es auch bei meinem Mann werden. Leider Fehlanzeige. Nach etwa zwei Tagen fühlte er sich etwas besser und wir wagten sogar einen Ausflug an den etwa 30 Minuten Fahrzeit entfernten Balangan Beach (einer der schönsten Strände Balis). Er aß wieder ganz normal, scharf und fettreich. Leider war das wohl zu früh gewesen und der Nachmittag am Strand rächte sich schon am gleichen Abend und darauffolgendem Tag mit einer viel schlimmeren Version seiner Erkrankung.

Was normalerweise immer gegen Durchfall hilft

Ich machte mir ehrlich gesagt schon große Sorgen, denn jetzt verließ er das Bett kaum noch. Nur, um unzählige Male zur Toilette zu gehen. (Es waren wirklich bis zu 30 Toilettengänge am Tag und allein 6-7 davon mitten in der Nacht, weshalb er und auch ich durch meinen leichten Schlaf, nicht durchschlafen konnten.)

Wegen der möglichen Langzeitwirkungen von Antibiotika wollte er vorerst nicht zum Arzt. Denn das ist alles, was die Ärzte hier tun: Antibiotika geben. Natürlich lasen wir im Internet von Salmonellen und Amöben-Infektionen und dass ein Durchfall nicht länger als drei Tage dauern dürfe. Doch manche Quellen sagten auch, dass so ein Durchfall auch mal schnell  bis zu 14 Tage anhalten kann.

Wären wir nur zwei oder drei Wochen auf einer Urlaubsreise hier, hätten wir sicherlich zu Antibiotika gegriffen. So aber beschloss er, das selbst auszukurieren. Oder es zumindest zu versuchen.

Folgende Punkte haben wir also in den nächsten Tagen streng beachtet und umgesetzt:

  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2 Liter vormittags und nochmal 2 Liter über den restlichen Tag)
  • isotonische Getränke und Kokoswasser
  • Bananen für die Kalium-Zufuhr
  • probiotische Lebensmittel wie Joghurt oder Yakult
  • keine scharfen Speisen
  • keine fettreichen Speisen
  • kein Alkohol oder Kaffee
  • möglichst viel Bettruhe und kein Stress

Was wir ab jetzt immer in der Reiseapotheke haben

Viele Urlaubschecklisten für die Reiseapotheke wie diese hier listen lediglich den Wortlauf „Mittel gegen Durchfall“ auf, ohne dabei genauer zu nennen, welche Mittel denn nun eigentlich hilfreich sind. Außerdem kommt noch hinzu, dass zum Teil ein paar Mittel meiner Meinung nach nur bedingt bei starkem Durchfall in Asien zu empfehlen sind. Wir zum Beispiel hatten in unserer Reiseapotheke genau zwei Optionen: Kohletabletten und Elektrolytenpulver.

Kohletabletten

Kohletabletten halte ich hauptsächlich dann für sinnvoll, wenn man für einige Stunden keinen Durchfall haben kann, weil man z.B. eine längere Bus- oder Autofahrt vor sich hat. Ansonsten ist Aktiv-Kohle meiner Meinung nach kein Medikament, sondern unterbindet lediglich den flüssigen Stuhl. Das birgt auch die Gefahr, dass Giftstoffe oder Bakterien länger im Darm bleiben und die Krankheit verschlimmern. Durchfall ist in den meisten Fällen eine sinnvolle Reinigungsfunktion des Körpers.

Elektrolyte

Eine Elektrolytenlösung dagegen ist enorm wichtig, denn der Körper verliert durch den Durchfall viele Salze. Alternativ kann man die Elektrolyten durch Kochsalz und Bananen (Natrium und Kalium) wieder zuführen.

Außerdem gibt es noch weitere Mittel, die Entgiftung zu unterstützen, zum Beispiel durch die Hefe-Präparate Perentol (forte) oder Procur. Während man die bei uns ganz einfach in der Apotheke kaufen kann, konnten wir sie hier in der Umgebung nicht auftreiben. Wer in asiatische Länder reist, sollte sie darum sicherheitshalber in die Reiseapotheke aufnehmen.

Wie mein Mann ohne Medikamente den Durchfall auf Bali besiegt hat

Nachdem mein Mann zu schnell wieder zu Alkohol und fetthaltiges Essen gegriffen hatte, befolgte er nun all die weiter oben genannten Tipps. Natürlich hatten wir etwas Bedenken, da seine Symptome wirklich heftig waren (Stuhl wahnsinnig flüssig und stellenweise blutig) und jeder andere schon längst zum Arzt gegangen wäre, was auch sinnvoll und ratsam ist!

Er aber sagte, sein Körper würde das auch so schaffen und ich vertraute ihm. Und versuchte, ihm möglichst viel Ruhe zu verschaffen, indem ich mich größtenteils um unser Kind kümmerte, die Einkäufe erledigte, mit dem Kleinen nachmittags zum Strand bin und abends das Einschlafen übernahm.

Mein Mann füllte seine Elektrolytenhaushalt vor allem mit dem Getränk Pocari Sweat (ein indonesisches Iso-Getränk) und Kokosnusswasser auf. Außerdem griff er noch 3-4x am Tag zu Yakult , weil es hier in Indonesien sehr billig ist. Essen wollte er nicht viel und war mit Bananen sehr zufrieden, weil diese ja viel Kalium liefern.

Und nach insgesamt etwa einer Woche wurde es tatsächlich in kleinen Schritten immer besser. Er war wieder einigermaßen ansprechbar, hielt sich mehr und mehr außerhalb des Bettes auf und am 7. Tag fuhren wir sogar auf seinen Wunsch hin, Freunde in Sanur (etwa 40 Minuten Autofahrt) besuchen.

Innerhalb weiterer zwei Tage schien er wieder fast der Alte zu sein. Natürlich braucht der Körper noch eine Weile, um sich vollständig zu regenerieren, denn Durchfallerkrankungen zähren sehr, aber das Gröbste scheint nun überstanden.

Ich bin froh, dass er nicht auf Antibiotika zurückgegriffen hat, denn die hätten womöglich seine Darmflora noch mehr geschädigt und anfälliger für neue Infektionen gemacht.

Warum es so schwer ist, ein gesundes Immunsystem aufzubauen

Unser Sohn ist bisher von Krankheiten hier komplett verschont geblieben, obwohl er sich nicht gerade hygienisch verhält. Vielleicht hat das auch damit zu tun, dass er zu Hause eine wahnsinnige Vielfalt an Bakterien und Mikroben aufgenommen hat. Denn seit er krabbeln kann, legt er sich an neuen Orten fast immer auf den Boden und leckt daran. Egal, ob der Fliesenboden im Einkaufszentrum oder die Kieselsteine in einem Innenhof – seine Zunge war bestimmt schon dran.

Das ist zugegeben manchmal wirklich schwer zu ertragen, aber ihn nie auf den Boden zu lassen war auch keine Option. Auch waren wir nie so die akribischen Hände-Wascher und ich hatte nie ein Desinfektionstuch in der Handtasche. Nicht einmal jetzt. Toi Toi Toi!

Ich denke, dass es gesünder ist, das Immunsystem mit verschiedensten Keimen zu beschäftigen und Infektionen, auch in fremden Ländern, auf diese Weise vorzubeugen. Auch der Neurodermitis und Allergieneigung unseres Sohnes zuliebe. Von der positiven Wirkung von Keimen auf die Darmflora mal ganz zu schweigen.



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