„Fast Fashion“ – Wie Mode für die Tonne unsere Erde zerstört


Als Teenager bin ich mit meinen Freundinnen gerne shoppen gegangen. Wir haben uns einen Samstag ausgesucht, sind in eine größere Stadt gefahren und haben dort ausschließlich Kleidung eingekauft. Mittlerweile kaufe nur noch gezielt neue Kleidungsstücke, wenn ich wirklich welche brauche. Vermutlich darum ist die Entwicklung der „Fast Fashion“ in den letzten Jahren irgendwie an mir vorbei gegangen. Erst, als ich mich näher mit nachhaltigem Lebensstil beschäftigte und das nachhaltige Bio-Kindermode Label MilliTomm kennen lernte, lernte ich auch, welch erschreckende Entwicklung sich hinter „Fast Fashion“ verbirgt und warum ich davon unbedingt Abstand nehmen möchte.

Was bedeutet „Fast Fashion“?

Der Begriff „Fast Fashion“ bezieht sich auf die Tatsache, dass Mode ein Wegwerfprodukt geworden ist. Das Ziel der Unternehmen ist es, in hoher Frequenz neue Mode zu produzieren und in den Verkauf zu bringen.

Während man früher einen Pullover über viele Jahre tragen konnte, werden die Kleidungsstücke heute schnell und billig produziert, verkauft und „konsumiert“. Früher gab es eine Winter- und eine Sommerkollektion, heute werden im Wochentakt neue Trends präsentiert und in den Kaufhäusern kommt laufend neue Ware an. Viele Billig-Modehäuser haben statt zwei nun zwölf Mode-Zyklen pro Jahr.

Auf diese Weise gibt es für die Konsumenten auch mehr zu kaufen. Der günstige Preis tut sein übriges. Vor allem junge Menschen kaufen viel mehr Kleidung, als sie benötigen. Viele Kleidungsstücke sind Impulskäufe und landen im Kleiderschrank, ohne je getragen zu werden. Angeblich etwa 40% der Mode bleibt ungetragen.

Für die Tonne: Ein viel zu großer Teil der gekauften Kleidung landet ungetragen im Müll.

In Europa werden jedes Jahr 5,8 Millionen Tonnen Kleidung weggeworfen, das meiste davon wird verbrannt oder landet auf dem Müll. Recycelt wird nur wenig.

Was bedeutet Fast Fashion für die Näherinnen?

Im Jahr 2013 stürzte in Bangladesh eine Textilfabrik ein und begrub tausende von Menschen unter sich. Mehr als 1000 starben bei dem Unfall, mehr als doppelt so viele Menschen wurden verletzt. Der Aufschrei in den Medien, ich erinnere mich, war damals groß. Es gab Selbstverpflichtungen der großen Modehäuser, unter menschenwürdigeren Bedingungen produzieren zu lassen. Doch wie das so ist mit Selbstverpflichtungen der Industrie, passiert ist kaum etwas. Am Ende zählt der schnelle Euro doch mehr als das Menschenleben.

Neun von zehn Kleidungsstücken werden in Billiglohnländern, allen voran China und Bangladesh produziert. Vor allem junge Frauen werden dort als Näherinnen beschäftigt. Billiglöhner, die im Schnitt 16 Stunden am Tag arbeiten. Etwa 20 Stunden pro Monat davon als unbezahlte Überstunden. Sie stehen unter großem Druck, selbst die schlecht bezahlte Arbeit zu verlieren, wenn sie Probleme machen. Nicht nur die Gebäude sind oft marode und haben keinen Brandschutz. Arbeiter werden im Verlauf der Produktion mit gefährlichen Chemikalien zum Färben und bearbeiten der Stoffe konfrontiert. Sie atmen schädlichen Staub bei der Veredelung von Kleidungsstücken ein.

Von einem T-shirt, das bei uns für 20€ verkauft wird, erhalten diese Menschen im Schnitt 0,18 Cent.

Natürlich gibt es aber einen guten Grund, warum diese Menschen für so wenig Geld arbeiten. Alternativen sind kaum vorhanden und die Textilindustrie trägt dazu bei, dass sich in diesen Ländern der Lebensstandard langsam hebt.

In Europa gibt es mittlerweile kaum noch Webereien und Schneidereien, den Produzenten bleiben also tatsächlich immer wenig Alternativen.

Was macht Fast Fashion mit unserer Umwelt?

Doch all die Probleme der Fast Fashion Industrie bleiben nicht in den produzierenden Ländern. Sie betreffen auch Dich und mich und vor allem unsere Kinder. Zunächst einmal, weil die Mode, die so produziert wurde, in aller Regel chemische Rückstände aus der Produktion enthält. Diese gehen über die Haut, die Atemwege und durch Annuckeln auf unseren und den Organismus unserer Kinder über. Manche Stoffe können Allergien auslösen, andere sogar die Bildung multiresistenter Keime begünstigen.

Aber selbst, wenn ich meinem Kind nur schadstofffreie Kleidung anziehen würde, würde Fast Fashion mich betreffen. Denn sie zerstört unsere Umwelt und unserer Ressourcen. Meine. Deine. Und die meiner Kinder. Hier nur ein paar Beispiele:

  • Verwendung von Pestiziden beim Anbau von Baumwolle
  • hoher Wasserverbrauch für die Baumwollproduktion
  • Einsatz von schädlichen Chemikalien bei der Produktion
  • toxische Veredelung von Kleidung
  • CO2-Ausstoß durch lange Transportwege
  • Rückstände von Mikrofasern und Mikroplastik in unserem Wasser

Welche Slow Fashion Alternativen gibt es?

Mit dem Begriff „Slow Fashion“ wollen Modemacher, Produzenten und Konsumenten der „Fast Fashion“ etwas entgegen setzen. Es geht um die Verwendung nachhaltig produzierter Fasern sowie einer umweltfreundlichen Produktionskette. Nicht nur Baumwolle, sondern auch alternative Materialien wie Kork, Bambusfasern oder nachhaltige Synthetikfasern werden verwendet. Bei der Wahl der Produktionsstätten wird auf kurze Transportwege und faire Arbeitsbedingungen geachtet.

Das Ergebnis ist in aller Regel teurer, als die Fast Fashion aus den Mode-Discountern, meist aber nicht als herkömmliche Markenware. Dafür ist die Slow Fashion nicht mit Giften belastet, schont unsere Umwelt und ist unter menschenwürdigen Bedingungen hergestellt.

Was können wir tun?

Was also können Menschen wie Du und ich tun, um dem entgegen zu wirken? Wer nicht vor hat, sich politisch zu engagieren oder Greenpeace beizutreten, der kann als allererstes einmal bei sich und der eigenen Familie anfangen. Wenn das jeder tun würde, wäre schon viel getan. Und oft ist es auch das einzige, was realistisch gesehen bleibt.

Hier ein paar realistisch umsetzbare Tipps, wie Du der Fast Fashion Industrie den Rücken kehren kannst:

Nicht kaufen

Egal, welche umweltfreundlichen Konsum-Alternativen es gibt, am besten für die Umwelt und sogar den Geldbeutel (nicht für die Wirtschaft) ist NICHT KAUFEN. Wenn es sich also vermeiden lässt, vielleicht muss es ja nicht die gesamte Farbpalette an Mützen oder Pullovern sein, sondern es reichen so viele, wie Dein Kind tatsächlich tragen kann.

Ich zum Beispiel kaufe grundsätzlich etwas größer, nicht nur bei Schuhen. So passen die Kleidungsstücke über viele Monate.

Bei mir selbst überlege ich vorher einige Tage, bevor ich tatsächlich einkaufen gehe. Früher habe ich oft spontan irgend etwas eingekauft oder bestellt und dann im Nachhinein festgestellt, dass ich es gar nicht gebraucht hätte – oder, dass es mir gar nicht so gut gefällt.

Reparieren

Eine andere Version von Nicht-Kaufen ist Reparieren. Wenn ein Shirt ein kleines Loch unter dem Arm hat, dann reichen meine Näh-Fähigkeiten durchaus, um das zu flicken. Genauso verhält es sich mit der Hose meines Mannes oder meinem Lieblingsschal.

Kinderhosen werden an den Knien schnell dünn und reißen, dafür gibt es Flicken mit kindgerechten Designs, die der Hose ein zweites Leben geben.

Ein durchgescheuertes Knie ist noch lange kein Grund, eine Kinderhose zu entsorgen. Mein Sohn liebt die Jeans mit dem Laster.

Gebraucht kaufen

Wenn mein Sohn dann aus einer Kleidergröße heraus wächst, kaufe ich überwiegend gebrauchte Kinderkleidung.

Bei Ebay oder Mamikreisel gibt es ganze Bekleidungspakete in der entsprechenden Kindergröße für wenig Geld. Portale wie Kleiderkreisel sind für gebrauchte Erwachsene gute Anlaufstellen.

Second-Hand Shops habe ich noch nicht so für mich entdecken können, dort finde ich die Auswahl meist etwas eingeschränkt und auch das Ambiente irgendwie gewöhnungsbedürftig.

Gebrauchte Kleidung hat zwei große Vorteile:

  1. Es wird nichts extra produziert, d.h. selbst wenn Du gebrauchte „Fast Fashion“ kaufst, bist Du nicht für deren Produktion verantwortlich. Gleichzeitig verhinderst Du, dass Kleidung im Müll und deren Fasern in unserem Grundwasser landen.
  2. Zweitens sind eventuelle Giftstoffe meist längst verdampft und ausgewaschen. Gebrauchte Kleidung ist also auch gesünder zu tragen.

Nachwertige Mode

Wenn Du trotzdem neu kaufen möchtest, wächst das Modesegment an „Slow Fashion“, also nachhaltig produzierter Mode, stetig. Zwar macht es bisher erst 2% des Markets aus, jedoch hoffen alle Beteiligten, dass das in Zukunft wächst.

Für Kindermode habe ich kürzlich das nachhaltige Kindermode-Label MilliTomm gefunden. Dort gibt es Bio Kindermode aus Baumwolle, die für meinen kleinen aktiven Wirbelwind wie gemacht ist.

Mode leihen

Es gibt auch erste Unternehmen wie die Kleiderei in Köln, die hochwertige Kleidungsstücke verleihen. Alternativ könntest Du auch selbst mit Deinen Freundinnen ein Rotationssystem entwerfen.


Quellen: 

  • https://www.greenpeace.de/themen/endlager-umwelt/textilindustrie/mode-bewusst
  • https://www.greenpeace.de/themen/endlager-umwelt/fast-fashion-versus-gruene-mode
  • https://www.youtube.com/watch?v=SBljMz1PCBU

Auf Pinterest merken: 



Sag uns, was Du dazu denkst

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.