Gedanken aus der 10. Schwangerschaftswoche


Unfassbar, jetzt bin ich schon in der 10. Schwangerschaftswoche (9+1)! Das heißt, seit 8 Wochen wächst nun schon das kleine Würmchen in mir. Ein kleines Wunder. Keine Zweifel wie in der ersten Schwangerschaft. Nur Freude. In dieser Schwangerschaft ist alles anders, als in der ersten. Nur eine Sache bleibt: Die Übelkeit.

Schwangerschaftsübelkeit reloaded

Jeden Tag frage ich mich, wie ich es vor vier Jahren geschafft habe, jeden Tag zur Arbeit zu gehen. Vollzeit. Mit dieser Übelkeit. Und den Unterleibsschmerzen, die ich immer wieder hatte und habe. War ich damals einfach belastbarer? Oder ein bisschen verrückt? Ehrgeizig?

Mir ist nun seit vier Wochen übel. Fast durchgehend, mal mehr, mal so sehr, dass ich an gar nichts anderes denken kann. Immer noch schlimm genug, aber zumindest etwas weniger schlimm, als in der ersten Schwangerschaft – vielleicht auch, weil ich mich mehr schone und regelmäßiger esse?

Denn diesmal ist, wie gesagt, alles anders. Ich muss nicht arbeiten. Ich kann, zwischendurch. Wenn es geht. Wenn es sein muss. Aber ich kann auch einfach tagelang im Bett liegen und mich selbst bemitleiden. Denn auch mein Mann muss, anders als in der ersten Schwangerschaft, nicht arbeiten. So kann er sich den ganzen Tag um unseren kleinen Rubbelbatz kümmern, essen besorgen und sich um die Wäsche kümmern. In einem Land wie Thailand gibt es sonst nicht viel Verpflichtungen. Zum Glück.

Mein Alltag im ersten Trimester: Schwanger oder krank?

Und anders als in der ersten Schwangerschaft ist es diesmal nicht nur die Übelkeit und ein paar Bauchkrämpfe, die mir zu schaffen machen. Ich fühle mich insgesamt elend. Habe immer wieder Kopfschmerzen, Schwindel, allgemeine Erschöpfung. Schlafe schlecht, liege nachts manchmal Stunden wach.

Ich fühle mich, als wäre ich krank. Nur dass es nicht, wie sonst bei mir, nach ein oder zwei Tagen rumhängen wieder besser wird. Ich weiß, es heißt immer, man ist schwanger und nicht krank. Doch wer diesen Spruch loslässt, hat die Rechnung ohne mich im ersten Trimester gemacht.


Morgens habe ich manchmal Energie für eine kurze Unternehmung mit dem Kleinen. Schnell was einkaufen fahren, ein paar Löcher buddeln am Strand oder einfach ein Spaziergang zum Fischteich. Danach bin ich meist k.o. wie eine 90-jährige und muss mich erst einmal ausruhen. So die nächsten 10 Stunden. Dann essen wir Abend, machen uns bettfertig und ich geh mit meinem Kind ins Bett.

Die guten Seiten

Genug gejammert. Das hört sich jetzt alles ganz fürchterlich an. Ist es auch. Momentan. Aber ich weiß, dass es bald vorbei ist. Beim letzten Mal wurde es etwa ab der 11. Woche besser. Denn dann erreicht der hcG-Pegel seinen Höhepunkt und sinkt langsam wieder.

Und dann kommt der Teil, auf den ich mich so sehr freue: Meine Familie. Bis mein Bruder nach Thailand kommt, sind es nur noch zwei Wochen, meine Eltern kommen eine Woche später. Wir verbringen zusammen Weihnachten in Thailand. Alle in einem Haus. Am Strand.

Und was, wenn sie wieder fahren?

Die Pläne

Aktuell – und ich schließe nicht aus, dass sich das mit Ende der Übelkeit wieder legt – habe ich fürchterliches Heimweh. Ich vermisse meine Eltern, meine Geschwister, das Essen in Deutschland und alle Vorzüge eines echten Zuhauses. Einer richtigen Küche, eines Backofens, eines vollen Kühlschrankes. Eines eigenen Bettes und eigenen Kleiderschranks. Einer Waschmaschine, die mit heißem Wasser wäscht. Waschen ohne Weichspüler und mit normalem Waschmittel. Ein Garten ohne Schlangen, Skorpione und Tigermücken. Ich vermisse sogar den Herbst. Mit all dem Schmuddelwetter und den Schnee, der dann irgendwann kommt.

Kurz gesagt: Momentan würde ich am liebsten gestern als heute ins Flugzeug steigen und nach Hause fliegen. Zu meiner Mama. Zu den liebevollen Großeltern meines Sohnes. Zu meinen Großeltern. Zu all der Geborgenheit und dem Zusammenhalt, den wir vor unserer Abreise noch mal in vollen Zügen genießen durften. Diese Geborgenheit könnte ich jetzt gut gebrauchen.

Mein Clan

Denn diesmal ist, wie gesagt, alles anders. In der ersten Schwangerschaft war ich weit weg von meiner Familie – in Berlin. Nach der Geburt wollten wir erst einmal selbst und zu dritt als Familie zusammenfinden, uns an die neue Situation als Eltern gewöhnen. Wir wollten nicht gleich Besuch und Unterstützung. Wollten die Dinge alleine im Griff haben. Damals erschien uns das logisch und richtig. Heute erscheint es mir irgendwie unverständlich und mühsam.

Diesmal will ich meine Familie teilhaben lassen. An allem. An der Schwangerschaft, an den Tagen um die Geburt, an der ersten Zeit mit Baby. Woher dieser Sinneswandel kommt? Ich weiß es nicht, aber meinem Mann geht es genau so. Wahrscheinlich haben uns die letzten 4 Jahre verändert. Uns gezeigt, was wirklich wichtig ist. Wie schön eine Gemeinschaft ist. Eine Familie. Wir ähnlich unsere Vorstellungen von Erziehung und Aufwachsen unseres Kindes doch dem sind, was meine Eltern damals mit uns lebten. Dass wir nichts zu befürchten haben, sondern hauptsächlich gewinnen können.

Ich weiß jetzt und ich habe in anderen Teilen der Welt gesehen, wie Familien vor unserem Jahrhundert waren. Dass es nicht natürlich ist, dass eine Mama sich in einer Wohnung oder einem Haus den ganzen Tag alleine um alles kümmern muss. Menschen haben über viele zehntausende Jahre in „Clans“ gelebt, in Großfamilien, in Gemeinschaften. Und wahrscheinlich wäre das auch weiterhin gut so. Nur die Realität hat sich für die meisten geändert. Wir leben alleine, Vater, Mutter, Kind. Isolieren uns selbst.

Vielleicht können wir da einen anderen Weg gehen. Einen, der besser zu uns passt.



Alle Kommentare (2)

    Ich fühle mit dir. Übelkeit ist wirklich wirklich lähmend. Mir war 20 Wochen lang jeden Abend schlecht. Und ich habe auch intensiv gerochen, vor allem Zwiebel habe ich aus gefühlt 100m Entfernung gerochen und ich mag noch nichtmal Zwiebeln. Meine Ärtzin hat mir irgendwann aus letzter Verzweiflung einen Magensäureblocker gegeben und dann war es schlagartig vorbei. Schon spannend diese Sache mit den Schwangerschaften. 😂

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