Kinderwunsch.


Man sagt oft, Kinder spiegeln unsere Gefühle. Heute morgen habe ich meinen Sohn gefragt, ob er gerne ein Geschwisterchen hätte. Ein Baby. Seine Augen strahlten, er grinste übers ganze Gesicht und nickte. Ich fragte ihn, ob es in Ordnung sei, dass ich dann weniger Zeit hätte und er mehr Zeit mit Papa verbringt. Ein irritierter Blick. „Was machst du dann?“ wollte er wissen. „Ich kümmere mich um das Baby“. Wieder ein lächelndes Nicken.

Natürlich weiß ich, dass er mit seinen 2,5 Jahren noch nicht einschätzen kann, was das auf lange Sicht bedeutet. Doch ich muss auch so ehrlich zu mir selbst sein: Er ist nicht der Einzige, der sich das völlig blauäugig wünscht. Ein Geschwisterchen.

Die Sache mit dem richtigen Zeitpunkt

Früher dachte ich ja, ich würde zwei oder drei Kinder im Abstand von jeweils etwa 2 Jahren haben. Dann kam das erste und nach über einem Jahr wollten mein Mann und ich nicht mal an ein zweites Kind denken. Wir waren beide voll ausgelastet mit Nummer 1 und zudem saßen die Erlebnisse der Schwangerschaft und Geburt noch tief. Wir dachten ernsthaft über eine Adoption nach, doch auch dazu fehlte uns die Energie und der Wille.

Im Juli wird unser Sohn nun schon drei Jahre alt. Seit wir bei meinen Eltern in Bayern wohnen, ist er viel selbständiger und einfacher geworden. Wir haben zum ersten Mal das Gefühl, durchatmen zu können. Zeit für uns zu haben. Manchmal gehen wir abends essen oder der Kleine bleibt sogar über Nacht bei Oma und Opa. Wir haben unser Leben zurück, zumindest ein Stück weit. In einem Monat brechen wir auf nach Bali. One way. Wann wir zurückkommen, wissen wir noch nicht.

Und dann kommt da diese leise Stimme in mir. Die sich, trotz allem, vorstellen kann, nochmal schwanger zu sein. Ein ganz kleines Baby zu haben. Mehr noch, die sich wünscht, alles noch einmal zu erleben. Ich wage das Wort kaum auszusprechen. Ein Kinderwunsch.

Ich würde gerne alles noch einmal erleben. Die Schwangerschaft, die Geburt, das Kennenlernen, das Stillen, das Leben mit einem Baby. Nur diesmal bewusst. Mit weniger Sorgen und Zweifeln und Verwirrung. Weil ich den Weg schon einmal gegangen bin und schon vieles kenne. Weil ich mich nicht fragen muss, wie es wird, als Familie – wir sind schon eine. Weil ich mich diesmal uneingeschränkt freuen könnte auf einen neuen Bauchzwerg.


Aber…

Ja, aber, fragen jetzt viele, wie willst du das denn machen im Ausland? Auch mein Mann ist der Meinung, dass wir das Thema angehen sollten, wenn wir zurück sind. Anfangs dachte ich das auch. Doch näher betrachtet, ist es eigentlich ziemlicher Quatsch.

Zuerst einmal bekommen Frauen überall auf der Welt Kinder. Wir haben nicht vor, im Busch zu leben, fernab jeder Zivilisation. Es gibt auch auf Bali oder in Thailang Krankenhäuser und Geburtsvorsorge. Und so wie ich das sehe, sieht es mit der Geburtshilfe in diesem Land aktuell ohnehin nicht so gut aus. Zu wenig Hebammen, Krankenhäuser weisen Schwangere ab, selbst einen Gynäkologen oder Kinderarzt zu finden wird zunehmend schwieriger.

Wenn wir irgendwann zurückkommen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass mein Mann wieder eine Festanstellung beginnt. Dagegen können wir uns in den kommenden Jahren die Zeit frei einteilen. Ich wäre nicht wieder den ganzen Tag alleine mit dem Baby. Er könnte mithelfen. Miterleben. Das Baby ebenso kennenlernen. Zeit mit uns verbringen.

Aber…

…ja, ich weiß. Da sind auch die Beschwerlichkeiten der Schwangerschaft, von der Geburt ganz zu schweigen, da sind die Nächte mit wenig Schlaf und das Dauerstillen und das Babygeschrei. Ja, es könnte ein genauso anspruchsvolles Baby werden, wie unser Rubbelbatz. Nah an dem, was man mittlerweile als High Need bezeichnet. Es könnte auch noch schlimmer kommen. Komplikationen, Frühgeburt, Schreibaby, medizinische Probleme, wir haben keine Garantie für all das.

Also?

Und trotzdem. Ich möchte für meinen Sohn ein Geschwisterchen. Ich will nicht immer zu dritt bleiben. Eine Schwangerschaft und Geburt ist immer ein Risiko. In ein paar Jahren noch mehr als jetzt. Ich bin bereit, dieses Risiko ein zweites Mal einzugehen. Bewusst. Und freiwillig. Nicht wie beim ersten Mal, so halb gewünscht und dann doch überrollt von den Ereignissen.

Einen der beiden Männer meiner kleinen Familie habe ich schon auf meiner Seite. Muss ich nur noch den wichtigeren Teilnehmer überzeugen.



Alle Kommentare (8)

    Liebe Hanna,

    eines meiner Lieblingsthemen – das erste Babyjahr sitzt noch tief aber da gibt es diese leise Stimme im Bauch mit dem Wunsch…Wenn ich bei meinen Eltern bin und Unterstützung habe kommt dieser Wunsch ganz stark weil plötzlich alles viel einfacher erscheint.Wieder zu Hause wird die Stimme dann deutlich leiser und zweifelnder 😉 Ich habe für mich beschlossen so lange zu warten bis sich auch unser Alltag so gut anfühlt,dass auch hier der Wunsch richtig da ist,nicht nur wenn ich besondere Unterstützung habe.Der 1.Kinderwunsch war viel Optimismus und ein bisschen rosa Brille,der 2.braucht sehr viel Mut von uns.

    Alles Gute für euch!

    … mit steigender Selbstständigkeit des ersten Babyjungen, kommt er hier auch auf. Er wird immer deutlicher, der Wunsch nach einem zweiten. Vielleicht hat es die Natur so eingerichtet 🙂

    Ich kann dich sehr gut verstehen ? unser erstes Kind war geplant/gewollt/Ruck zuck da und hat uns überrollt ?
    Aber uns war gleich klar, nach dem der Kleine auf der Welt war, dass wir auf qjeden Fall noch ein 2.Kind haben möchten. Nun ist er fast 2 Jahre alt aber das 2.Kind steht noch aus…Wenn WIR uns bereit fühlen, spüren wir dies und legen los…?

    Habnah, ich denke wo man sein Baby gebährt und auf zieht ist vollkommen egal. Allerdings muss man schauen, wie die Krankenkasse das im Ausland mit macht und ob deine Nerven da mit spielen. (Denke, dass die eigene Psyche ne große Rolle spielt- daheim/im Heimatland fühlt man sich wahrscheinlich am wohlsten/sichersten)

    Fühle das hier und jetzt, das morgige kommt von alleine ?

    Lieber Gruß
    Sina

    Hier ist auch eine Bauchgefühl Befürworterin! Und meine Geschichte gleicht der meiner Vorschreiberin. Habe auch meine 3 Jährige nach schlecht laufender Eingewöhnung abgemeldet. Mittlerweile ist sie knapp dreieinhalb und das Geschwisterchen kommt bald. Alle haben mich für verrückt erklärt einen doch so wertvollen Kita Platz, trotz Schwangerschaft, zu kündigen. Aber es fühlt sich einfach richtig an! Und mein Kind ist seit her viiiieel ausgeglichener. Jetzt hätte ich ab August einen Platz in einem anderen Kindergarten, aber auch da zwickt der Bauch ein bisschen, nach der ersten Besichtigung. Ich werde meine Tochter wieder mit entscheiden lassen, vielleicht ist sie dann soweit UND es gefällt ihr dort. Wenn nicht, finden wir eine andere Lösung. Ich hatte mir das mit der Fremd Betreuung so einfach vorgestellt, aber zumindest in unserem Bundesland ist der Betreuungsschlüssel wirklich mies und vielen Einrichtungen merkt man das leider deutlich an, überlastete Betreuuer, gestresste Kinder. Wir hatten bis jetzt leider noch nicht das Glück, einen Platz in einer der wenigen Sahneschnitten Kitas zu ergattern. Und so einfach wie ich anfangs dachte, das Kind steckt das schon weg oder gewöhnt sich dran, ist es eben nicht, vor allem nicht bei sensiblen Kindern.

    Ich denke auch, dass ganz ganz viel vom Kind abhängt. Für manche ist es wirklich schlimm, so lange von der Mutter getrennt zu sein, andere genießen das und blühen regelrecht auf. Deshalb machst Du es sicher ganz richtig: Du kennst Dein Kind am besten und kannst damit auch beurteilen, ob es ihm gut tut oder nicht.

    Ich wünsche euch, dass die neue Kita passt,
    Hanna

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