Papa in Vollzeit vs. Teilzeit-Daddy: Warum nach der Elternzeit nicht auf Teilzeit arbeiten?


Still, aber spürbar lösen die neuen Väter eine Revolution in unserer Gesellschaft aus. Über allem steht eine große Sehnsucht der Väter nach Zeit mit dem Kind. Sie wollen für sich etwas anderes als ihre Väter. Hier und Heute - Väter - die neuen Helden (1/2): Vater werden - 2016 | Dokumentationen | Mo 11.01.2016, 22:10 - 22:40 (30 Min.)| WDR Köln
Grade eben lief die oben zitierte Doku im Dritten und es war das erste Mal seit Jahren, dass ich außer der Sportschau gezielt eine Sendung im TV sehen wollte. Zu frisch sind meine Erfahrungen darüber, wie ich Vater wurde und all meine Gedanken und Reflexionen zu dem Thema. Also war ich auch dementsprechend neugierig, ob ich mich in der Doku wiederfinden werde oder nicht?
Immerhin skizziert die Doku die Geschichte eines Neupapas, der „was Soziales“ macht und dem Kind zu Liebe seine Karriere opfert, um mehr Zeit zu haben. Oder der Sternekoch, dessen Selbstständigkeit in dazu zwingt, viel zu arbeiten, der aber dennoch bemüht ist, Zeit für seinen Sohn zu finden, um auch die Work-Life-Balance aufrecht zu erhalten, von der er träumt. Auch die Frage nach dem besten Zeitpunkt, um Vater zu werden hat mich schon mal interessiert und ist hier kurz angeschnitten worden. Als dann auch noch die Unternehmersicht auf Väter in Teilzeit dargeboten wird, war für meinen Geschmack das Szenario komplett, um interessant zu sein. Gleichzeitig habe ich aber auch über meine Vorstellungen des „Vater Seins“ nachgedacht:

Ich, der 2-Monate-Elternzeit-Papa

Mit der Geburt unseres Sohnes bin ich in Elternzeit gegangen. Ja, auch ich habe das Klischee erfüllt, nur 2 Monate Elternzeit zu nehmen. Das war in meinem Falle nicht unbedingt selbstverständlich, da ich erst einen Monat vorher die Stelle als Teamleiter angenommen habe. Mehr oder weniger deshalb habe ich mich aus Gründen nur zu 2 Monaten Elternzeit entschieden. Zum Glück ist mein Chef selber Familienvater und generell sind bei uns vier von sechs Köpfen auf Management-Ebene Familienvater. Nichtsdestotrotz musste ich versprechen, dass die Abteilung erfolgreich weiterläuft in meiner Elternzeit und das tat sie auch, da ich bereit war, zu beweisen, dass ich trotzdem Ergebnisse liefern kann. Für mich bietet der Beruf also durchaus auch eine Möglichkeit der Verwirklichung, die in meinen Augen auch Sinn macht, um eine Familie zu ernähren. Je näher aber das Ende der Elternzeit rückte, desto mehr wurde ich mir bewusst, dass die Zeit mit meinem Kind so unglaublich intensiv und nur temporär ist, dass ich schnell anfing sie zu vermissen.

Arbeiten nach der Elternzeit

Der erste Wiedereinstieg nur auf Teilzeit

Im Anschluss bin ich noch für eine kurze Zeit auf Teilzeit mit 80% eingestiegen und hatte somit immer einen freien Freitag die Woche. Das klang für mich erst einmal nach einem gesunden Kompromiss, um gewisse Karriereambitionen realisieren zu können und gleichzeitig genug Zeit mit meiner Familie zu haben. Ich kann mich also wirklich nicht darüber beklagen, dass meine Firma keine Rücksicht auf meine Ansprüche als Vater und wertvoller Mitarbeiter der Firma nehmen würde. Das tut sie durchaus und zeigt sich damit auch in einem von der Doku dargestellten Trend, den Arbeitnehmer in seiner Vaterrolle zu akzeptieren und zu fördern.

Der Alltag bringt die Nähe!Hier und Heute - Väter - die neuen Helden (1/2): Vater werden - 2016 | Dokumentationen | Mo 11.01.2016, 22:10 - 22:40 (30 Min.)| WDR Köln

Zu diesem Zeitpunkt bekamen die Tage zuhause eine neue Struktur für unseren Kleinen und auch mehr Regelmäßigkeit. Er verbrachte die Tage hauptsächlich mit seiner Mutter und beide konnten so nach der intensiven Geburt in aller Ruhe zueinander finden. Zeit, die unheimlich wichtig für beide war. Und auch für uns als Eltern haben wir festgestellt, es tut uns ganz gut, wenn ich arbeiten gehe und nicht den ganzen Tag zuhause bin. Dafür hatten wir ab Donnerstag Abend immer Quality-Time als kleine Familie. Und die haben wir auch richtig schön genutzt. Trotzdem hatte ich Angst, ein bissl den Anschluss bei der Erziehung des Rubbelbatz zu verlieren. Denn den Alltag habe ich an seine Mama abgegeben.

Lieber Vollzeit oder Teilzeit arbeiten nach der Elternzeit?

Dann kam der Zeitpunkt, an dem ich wieder mit 100% im Berufsalltag eingestiegen bin. Ich hatte also werktags eine Stunde in der Früh zusammen mit dem Rubbelbatz bevor ich in die Arbeit fuhr. Wir sind dann immer ins Badezimmer und haben die Rubbelmama noch ein wenig Schlaf nachholen lassen. Diese Stunde war also nur für uns beide, in der ich das Badezimmer schön aufgeheizt, den Kleinen mehrfach abgehalten und vor allem mit ihm gekuschelt und rumgespielt habe. Ja, eigentlich hätte ich ihn auch ein bissl waschen sollen aber das hat dann meist die Rubbelmama übernommen, wenn ich los musste. Sie wusste nämlich, dass ich ihn abends höchstens noch mal eine Stunde sehen kann, bevor er ins Bett geht. Eine Stunde, in der ich gestresst oder gezeichnet vom Tag war und manchmal den Kopf voll hatte. Zuviel war los im Büro oder zu tun oder oder oder…

Ich bin ehrlich zu mir selbst, wenn ich sage, dass ich es nicht cool fand, die wenige Zeit, die wir abends hatten, nicht genießen zu können. Es war nicht immer so, bloß nicht falsch verstehen. Aber wenn es so war, dann tat es mir immer sehr leid, denn der Kleine wusste ganz genau, dass ich abends nachhause komme und hat mich immer mit einem großen, breiten Grinsen empfangen. Oft genug konnte ich dann den Tag wie auf Knopfdruck vergessen. Oft genug aber leider auch nicht!

In meinem Kopf habe ich dann mal eine Hochrechnung aufgestellt. Mein Tag hatte meist ca. 18h. Davon konnte ich den Kleinen ca. 2h des Tages sehen und erleben. Das macht 11% meines Tages aus. Die restlichen 89% waren reserviert für Wegstrecke, Arbeit und noch ein paar Dutys, die sonst noch so anfallen. Rein numerisch klingt es nach genug Zeit. Ich merkte aber, dass es mir einfach nicht genug Zeit war. Und die Wochenenden waren auch viel zu schnell vorbei. Dafür tat sich zuhause einfach viel zu viel. Der Kleine legt schließlich ein brachiales Tempo bei seiner Entwicklung vor und ich wollte ganz einfach mehr dabei sein.

Auf der anderen Seite habe ich aber nun mal augenblicklich die Rolle des Versorgers inne. Und auch meine Vorstellungen für die nächsten 5 Jahre scheinen mir umsetzbar, was die Karriere betrifft. Aber der ganze Plan kam Ende letzten Jahres langsam ins Schwanken. Zum Glück teilen die Rubbelmama und ich die gleichen Ansichten und Werte der Kindererziehung. Und wir sind uns einig, dass Zeit und nicht Geld das ist, was in unserer Situation aktuell am kostbarsten ist. Irgendwann nämlich werden wir an die ersten Monate mit unserem Baby zurückdenken und wenn wir gefragt würden, was uns am meisten gefehlt hat in der Zeit, dann würden wir wohl nicht mit „Geld“ antworten, auch wenn dem so wäre. Da sind wir uns sicher. Auch deshalb sagte mir meine Frau, dass sie es schön fände, wenn ich mehr Zeit daheim verbringen könnte. Bei ihr, bei unserem Kleinen, bei uns als kleine Familie. Die Überlegung auf Teilzeit zu wechseln folgte prompt.

Karriere und Teilzeitarbeit- Ein Widerspruch?

Wenn ich mich in unserer Firma umsehe, dann bin ich wohl eine Ausnahmeerscheinung. Weder bei uns, noch in meinem direkten Umfeld kenne ich jemanden, der mir von Führungskräften in Teilzeit erzählt, geschweigedenn zeigen kann. Sogar die Familienväter, mit denen ich arbeite, arbeiten viel und hart. Ihre Arbeitstage lassen meist nur zu, morgens etwas Zeit mit ihren Kindern zu verbringen. Ich könnte mir vorstellen, dass auch sie unter meinen oben beschriebenen 11% bleiben. Wissen tu ich es aber nicht. Was unterscheidet mich aber nun von Ihnen?

Hauptsache du erledigst deinen Job!Hier und Heute - Väter - die neuen Helden (1/2): Vater werden - 2016 | Dokumentationen | Mo 11.01.2016, 22:10 - 22:40 (30 Min.)| WDR Köln

In erster Linie nichts, was den Erfolg per se betrifft. Ich stehe schließlich mit meiner Verantwortung für die Leistung, die ich bringe.  Und so lange meine Leistung stimmt, nehme ich mir gern die Freiheit, meine Prioritäten anders zu setzen. Es ist also keine Entscheidung gegen die Arbeit oder Karriere, sondern eine Entscheidung pro Familie. Ich bin also vollkommen davon überzeugt, dass ich auch als Führungskraft in Teilzeit mit meinen Erfahrungen und Kompetenzen wertvoll für eine Firma sein kann. Vielleicht bin ich sogar produktiver und drücke ein 5 Tage Pensum, auf 4 Tage durch. Performance lässt sich in meinem Job vor allem an Zielerreichung der Projektpläne skalierbar machen. Und da geben mir die Zahlen Recht.

 

Was bin ich denn jetzt für ein Typ „Vater-Held“?

Während die Doku versucht die Umbruchsstimmung in der neuen Rollenverteilung und Definierung von Vaterschaft in den Vordergrund zu rücken, lässt mich dieser Aspekt weitestgehend kalt. Als „neuer Vater“ verstehe ich mich nicht. Ich bin vaterlos aufgewachsen und verfolge deshalb kein erlebtes Vorbild, sondern habe meine eigenen Ansichten und Ansprüche in Bezug auf mein Kind. Diese sind in erster Linie intuitiv und ein Stück weit sicherlich auch so, wie ich mir ein Leben mit Vater gewünscht oder vorgestellt hätte.

Aktuell versuche ich aber genau den Spagat zwischen beruflichem Erfolg und ausgewogenem Familienleben hinzubekommen. Typische Mutter- oder Vateraufgaben verkörpern wir durch Stillen und Arbeiten gehen zwar schon, aber wir sehen unsere Aufgabe eher als Elternschaft, wo wir beide uns gegenseitig unterstützen mit dem gemeinsamen Ziel, dass es unser Kleiner einfach gut bei uns hat. Das heißt, auch ich kümmer mich werktags im Wechsel mit meiner Frau nachts um den Kleinen, wenn er schreit und lasse ihn auf meiner Brust schlafen oder tröste ihn, wenn er zu unruhig und aufgewühlt ist. Damit möchte ich also meinen Anteil einer möglichst gleichberechtigten Elternschaft geltend machen. Dann ist es auch egal, dass ich hin und wieder im Büro auf meine Augenringe angesprochen werde. Dafür schlafe ich im 3 x 2,20m-Familienbett. Wenn ich schlafe, schlafe ich also gut!

Väter als Helden zu bezeichnen oder sie zu glorifizieren, nur weil sie sich der Erziehung annehmen und sich aktiv daran beteiligen wollen, finde ich etwas zu euphemisiert. Mich in die Working-Dad-Schublade zu stecken finde ich unpassend. Und mich „nur als Vater“ zu definieren, reicht mir auch nicht.

Ich glaube, solange ich meinem Impuls folge und mehr Zeit für die Familie aufbringe, weil es mein Wunsch ist mehr von meinem Kind zu erleben, gleichzeitig beruflich beweise, dass ich die Herausforderung Kind und Beruf packen kann und dabei noch gute Ergebnisse abliefer und mein Sohn mich in ein paar Jahren als Held sieht, der immer für ihn da ist, wenn er ihn braucht, dann fülle ich die Rolle ganz gut aus, die ich gerne einnehmen möchte.

Also irgendwie doch ein bissl HERO!

 



Sag uns, was Du dazu denkst

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.