Nachhaltiger leben mit Kindern – So fange ich an


Die vergangenen neun Monate haben wir im südostasiatischen Ausland verbracht. Bali, Thailand, Malaysia. Zehn Monate, die meine Sicht von der Welt und dem Leben durchaus verändert haben. Vor allem mein Bewusstsein für Umwelt, soziale Gerechtigkeit und Tierwohl wurde in dieser Zeit gestärkt. Wodurch genau eigentlich kann ich schwer sagen, aber gerade mit Kind scheinen solche Themen ohnehin wichtiger zu werden.

Jedenfalls ist in mir der starke Vorsatz entstanden, in Zukunft vieles besser zu machen. Nachhaltiger zu leben. Nicht, weil ich mir anmaße, als einzelner Mensch die Welt retten zu können. Sondern weil ich weiß, dass der Ozean aus vielen Wassertropfen besteht und wenn jeder seinen Teil beitragen würde, wären unsere Probleme gelöst. Dass der allergrößte Teil der Menschen auf unserem Planeten es nicht einmal versucht, will ich für mich persönlich nicht weiter als Ausrede gelten lassen.

Was bedeutet Nachhaltigkeit?

Nachhaltigkeit ist ja mittlerweile eine Art Modewort und man hört es an allen Ecken und Enden. Das kann schon mal nerven. Zumal bei mir, wenn ich die Sache nur oberflächlich betrachte, schnell der Eindruck entsteht, dass das unglaublich schwierig ist. Nachhaltig leben.

Aber eigentlich bedeutet nachhaltiger leben etwas gutes. Nämlich das Bemühen um einen verantwortungsvollen und langfristig sinnvollen Umgang mit unseren Ressourcen und unserer Umwelt – und damit natürlich auch mit der Zukunft unserer Kinder und unserer aller Gesundheit. Nachhaltig bedeutet, dass die Effekte langfristig spürbar sind. Nachhaltiger leben tun wir also nicht unbedingt für uns, sondern für kommende Generationen. Für unsere Kinder.

Wie nachhaltig lebe ich?

Auch wenn man das früher nicht als nachhaltiger leben, sondern als umweltbewusster oder umweltfreundlicher leben bezeichnet, meine Eltern haben uns sehr nachhaltig erzogen. Sie leben mittlerweile in einem Niedrigenergiehaus, das durch Photovoltaik auf dem Dach und eigenem Brunnen im Garten völlig autark funktioniert. Das heißt, wir sind hier weder auf Strom, noch Wasser oder Heizwärme von außen angewiesen. Außerdem sind alle im Haus verbauten Materialien – mit Ausnahme eines Klebstreifens an den Fenster- und Türstöcken, aus ökologisch abbaubaren und nachhaltigen Materialien. Das ist natürlich die Königsdisziplin und solche Beispiele können mich persönlich schnell demotivieren.

Doch auch die Kleinen Dingen waren meinen Eltern schon immer wichtig. Dass wir so wenig wie möglich Alu-Folie in der Küche verwenden zum Beispiel. Strom sparen. Auf Plastik nach Möglichkeit verzichten. Möglichst wenig neu kaufen.

Als Kind und Jugendliche, das gebe ich zu, habe ich den Sinn dahinter oft nicht so richtig verstanden. Doch heute, wo ich selbst Mutter bin, sehe ich das anders. Mir tut es nicht nur leid um die Zeit, in der ich so wenig auf unsere Umwelt geachtet habe, ich bin auch dankbar für die vielen kleinen Angewohnheiten und Vorbildwirkungen, die das Verhalten meiner Eltern schon immer auf mich hatte.

Einfache Möglichkeiten, nachhaltiger zu leben mit Kind

Denn einiges an unserer Lebensweise war ohnehin „nachhaltig“ – einfach, weil ich es nicht anders kenne oder möchte. Und natürlich war das Thema auch vor unserem Auslandsaufenthalt wichtig. Doch nun ist es präsent wie nie zuvor. Ich habe daher einige Punkte zusammengetragen, die für mich mit relativ wenig Aufwand zu verwirklichen sind und die ich daher nach und nach durchsetzen möchte. Vielleicht ist für Dich ja auch etwas dabei?

Nachhaltigkeit im Kinderzimmer

„Kinder an sich sind die größte Umweltverschmutzung“. So oder so ähnlich hat sich meine Mama mal geäußert und natürlich hat sie recht. Je mehr Menschen auf dieser Erde leben, desto mehr leidet unser Planet. Trotzdem haben oder wollen die meisten von uns Kinder. Anstatt den Kopf in den Sand zu stecken, kann man also versuchen, die Umweltverschmutzung durch das Kind möglichst gering zu halten.

Stoffwindeln

Wir haben Stoffwindeln oder zumindest Öko-Windeln genutzt. Im Falle von Öko-Windeln ist das auch eine finanzielle Frage, durch Stoffwindeln kann man sogar viel Geld sparen. Vor allem, wenn man zwei oder mehr Kinder hat, wie wir bald.  Außerdem haben wir immer versucht, möglichst wenig Feuchttücher zu nutzen, indem wir für das große Geschäft unser Kind abgehalten haben. Auch feuchte Waschlappen oder zerschnittene Handtücher eignen sich gut als Feuchttuch-Ersatz beim Wickeln. All das ist auch besser für die Gesundheit und die Haut des Babys!

Produkte aus Plastik vermeiden

Bei vielen Produkten haben wir als Eltern die Wahl zwischen Plastik und anderen Materialien aus nachwachsenden Rohstoffen. Essgeschirr und -besteck für Kinder zum Beispiel gibt es aus Plastik oder aus Keramik, Bambus oder Metall. Auch bei Spielzeug gibt es fast immer eine Alternative aus Holz. Sogar Gegenstände, von denen man es vielleicht nicht denken würde, z.B. Babybadewannen, gibt es aus nachhaltigem Material. Auch immer mehr konventionelle Baby-Shops warten mit eigenen Regalen oder Online-Kategorien mit nachhaltigen Produkten auf.

Badewanne, Töpfchen und Toilettensitz aus 100% biologisch abbaubarem Bio-Kunststoff – Bildquelle: https://www.baby-walz.de/

Gebraucht oder nachhaltig kaufen

Am Nachhaltigsten ist natürlich immer gar nicht kaufen oder gebraucht kaufen. Oft gibt es  Babyausstattung und Spielzeug  gebraucht in gutem Zustand und viel günstiger.

Vor allem bei Kleidung für mich ein großes Thema: So viele Produkte aus Stoff werden entweder umsonst gekauft, also nie getragen, oder die Qualität ist so gering, dass nach ein paar Wochen oder Monaten schon weggeworfen und neu gekauft wird. Das gilt für Kinder-, wie auch für Erwachsenenmode. Dabei wird für die Produktion eines Kleidungsstückes aus z.B. Baumwolle irre viel Wasser verbraucht. Außerdem werden die billigen Modestücke meist in Entwicklungsländern produziert und legen dann einen weiten Weg zurück.

Wir versuchen deshalb schon immer, Kinderkleidung gebraucht zu kaufen. Das ist auch erheblich günstiger. Sogar Kinderschuhe kann man meist für mehrere Kinder nutzen, weil sie so kurz getragen werden, dass sie nicht „ausgelatscht“ werden. Die letzten Kleidungsstücke, die ich gekauft habe, sind außerdem aus nachhaltiger Produktion – auch für Kinder gibt es nachhaltige Bio Kindermode.

Bei Möbeln stellen wir uns meist zu allererst die Frage: Brauchen wir das wirklich? Eine Wickelkommode zum Beispiel hatten wir nie. Unser Babybett haben wir gebraucht gekauft und dann, unbeschlafen, an Freunde weitergegeben. Unsere Möbel bestehen nach Möglichkeit aus Holz, einem nachwachsenden Rohstoff.

Nachhaltig Essen

Essen und Nahrungsmittel einkaufen ist für jeden Menschen ein wichtiges Thema. Wir tun es jeden Tag. Viele Male. Deshalb ist das auch eine der wichtigen Stellschrauben, an denen ich drehen kann.

Auf Fleisch und Tierprodukte verzichten

Seit einigen Monaten lebe ich bereits vegetarisch. Was das mit Nachhaltigkeit zu tun hat? Wusstest Du, dass 40% der Feinstaubbelastung auf der Welt aus der Tiermast stammt? Hast Du Dich schon einmal damit beschäftigt, wie viel Wasser und pflanzliche Nahrung es braucht, ein Kilogramm Fleisch zu erzeugen? Vom Tierleid möchte ich hier gar nicht sprechen.

Dasselbe gilt natürlich auch für andere tierische Produkte, denn auch für Eier oder Milch werden Tiere in großen Betrieben gehalten. Deshalb möchte ich zusätzlich nach und nach die tierischen Produkte in meiner Ernährung zurückschrauben. Das bedeutet nicht, dass ich nie wieder Käse essen will oder auf die Milch im Kaffee verzichten kann. Aber da, wo es mir möglich ist, steige ich um. Zum Beispiel kommt in mein Müsli immer häufiger Hafermilch und auch die Tasse Matcha Latte am Morgen wird mit Hafer- statt Kuhmilch zubereitet.

Regionale Produkte einkaufen

Im Sommer kommen viele Lebensmittel aus dem Garten meiner Eltern. Nicht nur super lecker, sondern auch nachhaltig. Kein Transport, keine Lagerung, keine Verpackung. Darauf kann ich aber auch achten, wenn ich Lebensmittel einkaufe. Dass z.B. Avodado, Ananas oder Wassermelone nie aus regionalem Anbau kommen, ist klar. Das heißt, es wurde viel Energie aufgewandt, um sie zu lagern und zu transportieren. Das schadet unserer Umwelt.

Avocados sind zwar super gesund, aber reisen um die halbe Welt und verbrauchen dort irre viel Wasser zur Produktion. Auch Mandeln sind ökologisch nicht gerade einwandfrei. Das gilt dann natürlich auch für Mandelmilch. Andere Lebensmittel sind saisonal bei uns erhältlich, werden zu anderen Jahreszeiten aber importiert. Ein Blick aufs Ettikett verrät Dir, was Sache ist.

Regional bedeutet übrigens häufig auch gesünder. Denn je weniger weit das frische Obst und Gemüse reist, desto weniger Nährstoffe verliert es durch die Lagerung.

Verpackungsmüll beim Einkaufen reduzieren

Ein Einkauf im konventionellen Supermarkt ist von Plastikmüll gesäumt. Plastiktüten im Supermarkt, Plastikverpackungen um Obst und Gemüse bzw. Obstbeutel, einzeln abgepackte Snacks – das sind nur einige Beispiele. Selbst, wenn Du das Plastik im Supermarkt lässt, abbaubar ist es deshalb auch nicht.

Ich versuche deshalb, immer eine Stofftasche dabei zu haben oder die meisten Sachen in meine Handtasche zu packen und den Rest in die Hand zu nehmen. Meine Eltern haben immer eine Klappbox im Auto und packen da hinein alles aus dem Einkaufswagen. Wenn wir die mal vergessen, funktioniert auch eine Schachtel aus dem Supermarktregal oder wir legen die Einkäufe einfach so in den Kofferraum.

Mittlerweile gibt es auch wiederverwendbare Obstbeutel, sodass man auch auf diesen Plastikmüll verzichten kann. Ganz toll sind natürlich richtige Unverpackt-Läden, allerdings gibt es die nur selten. Alternativ wird auch in Bio-Märkten oft auf die Reduzierung von Plastik geachtet.

Snacks in der Brotdose

Wir tun es wahrscheinlich alle: Das Kind hat unterwegs Hunger, also schnell in den Drogerie um die Ecke und einen kleinen Snack eingekauft. Ein Quetschie oder einen Müsliriegel. Und immer ist eine Plastikverpackung drumherum.

Das kann ich einfach umgehen, indem ich zu Hause etwas schnibbel und in eine Brotbox (am mit Abteilen und aus Metall) lege. Quetschbeutel gibt es auch zum Wiederbefüllen mit eigenem Obst- oder Gemüsebrei. Auch eine Flasche Wasser habe ich immer in der Handtasche, wenn ich mit dem Kleinen unterwegs bin. Denn die Durstattacken sind unberechenbar. Und wenn wir schon Wasser unterwegs kaufen, dann lieber Mehrweg- als Einwegflaschen. Was ich mir für demnächst vornehme: Eine Metallflasche statt der Plastikflasche. Denn aus jeder Plastikverpackung lösen sich Erdölrückstände, Weichmacher und eventuell auch Mikroplastik. Glas oder Metall sind also auch besser für die Gesundheit.

Nachhaltige Hygiene

Auch durch Pflegeprodukte und die weibliche Monatshygiene entsteht viel Müll und gleichzeitig ist ein gewisser Aufwand für die Produktion, Lagerung und Transport nötig. Auch für die Gesundheit sind die meisten herkömmlichen Produkte wie Flüssigshampoo, Spülung und Cremes nicht gerade förderlich. Oft enthalten sie Weichmacher, Konservierungs- und Farbstoffe und andere unerwünschte Inhaltsstoffe.

Bei uns kommt deshalb seit langem möglichst wenig davon zum Einsatz. Meine Hebamme hat damals gesagt, sie würde an Baby’s Haut nur Produkte lassen, die ich auch essen würde. Und so handhaben wir es meistens. Auch für meine eigene Haut verwende ich überwiegend Öl, z.B. ganz normales Kokosöl. Das gibt es in großen Gläsern und ohne Zusatzstoffe. Auf Make-Up im Alltag verzichte ich.

Auch Tampons oder Binden habe ich mir abgewöhnt. Stattdessen habe ich Menstruationstassen und bin super zufrieden damit. Es gibt aber auch waschbare Slipeinlagen (und Stilleinlagen!), man kann die sogar selbst nähen. Alternativ gibt es noch Frauen, die auf das sog. „Free Bleeding“ schwören.

Immer mehr Menschen haben ein sehr ehrgeiziges, aber wie ich finde auch ehrenwertes Ziel: Sie versuchen, komplett plastikfrei zu leben.

Energie und Wasser sparen

Strom sparen

Dazu gehört nicht nur Licht ausschalten, sondern auch die Netzgeräte für Handy- oder Laptop Ladegerät herausziehen und den Standby-Modus vermeiden. Mein Mann und ich kaufen seit vielen Jahren nur noch Öko-Strom und der Strom bei meinen Eltern kommt ohnehin vom Dach.

Wasser sparen.

Ewiges Duschen ist nicht nur eine Kosten-, sondern auch eine Wasserfrage. Es geht nicht darum, dass ich mein Kind abends nicht mehr baden darf, sondern darum, dass ich ihm erkläre, warum wir die Dusche ausmachen, wenn er sauber ist, warum wir die Wasserspartaste an Toilette nutzen und warum der Wasserhahn nicht durchgehend läuft, während er sich die Hände einseift.

Wir haben den großen Luxus, in einer Region der Erde zu leben, in der es genug sauberes Trinkwasser gibt. Das muss nicht für immer so bleiben und ich möchte, dass mein Sohn ein Bewusstsein für die Ressource Wasser entwickelt.

Müll trennen

Für mich eine Selbstverständlichkeit, die ich in den letzten Monaten oft in Frage gestellt habe. Was bringt es, wenn wir Deutschen unseren Müll recyceln angesichts der Mengen die in anderen Ländern einfach auf der Straße landen. Doch, wie gesagt, habe ich für mich beschlossen, diese Problematik nicht länger als Entschuldigung für mich gelten zu lassen. Ich trenne also Bio-Müll, Wertstoffe und Restmüll.

Nachhaltig putzen

Viele Putzmittel sind reine Chemie und vollkommen unnötig. Wir haben seit einiger Zeit Mikrofaser-Tücher von EASYCLEAN zu Hause, mit denen man größtenteils ohne Putzmittel auskommt, sogar beim Fenster putzen. Für die Stellen, an denen tatsächlich Reinigungsmittel nötig sind, gibt es solche auch ohne Chemie oder tolle Möglichkeiten zum Reinigen mit Hausmitteln.

Das tolle daran ist,  dass es auch gesünder ist. Mein Kind und ich atmen keine Chemie ein und der Kleine kann problemlos beim putzen helfen.

Mobilität

Zugegeben, an diesem Punkt haben wir mit unseren Langstreckenflügen im letzten Jahr nicht unbedingt geglänzt. Aber grundsätzlich macht es schon Sinn, den CO2-Ausstoß und die Feinstaubbelastung durch Diesel- und Benzinfahrzeuge zu reduzieren. In der Stadt braucht man vielleicht gar kein Auto, kann die öffentlichen Verkehrsmittel nutzen. Für kurze Distanzen wie nach Berlin fahren wir gerne mit der Bahn und hier bei meinen Eltern auf dem Land versuchen wir, häufiger das Fahrrad zu nutzen.

Auf lange Sicht wollen meine Eltern und wir auf E-Mobilität umsteigen.

Bringt das überhaupt was?

Und immer wieder stellt sich die Frage: Werde ich so die Welt retten?

Nein. Ich allein nicht, so viel ist sicher.

Aber ich werde meinem Kind ein gutes Vorbild sein und einige Dinge wird er ungefragt übernehmen. So wie ich von meinen Eltern. Einstellung ist alles. Wenn uns als Eltern Prestige und Etikette wichtiger ist, als Umweltschutz, dann werden unsere Kinder genau in dieser Ignoranz aufwachsen. Wenn wir aber mit ihnen sprechen und ihnen Wertschätzung und Liebe zur Natur und unserer Umwelt beibringen, dann wird es ihnen später auch leichter fallen, eben das zu leben. Genau wie mir. Den gedanklichen Schritt muss jeder Mensch selbst gehen. Aber wir können es unseren Kindern einfacher oder weniger einfach machen.

Und mehr als den eigenen Beitrag, im Rahmen meiner Möglichkeiten, zu leisten, kann ich nicht tun. Das rettet nicht die Welt. Es würde aber die Welt retten, wenn es jeder tun würde. Fürs Erste reicht es schon, wenn Du mitmachst.

Welche Punkte fehlen noch? Wo lässt sich noch ganz einfach Nachhaltigkeit im Alltag mit Kind leben? Schreib es mir in den Kommentaren!


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