Digitale Nomaden: Ist das wirklich mutig?


Immer wieder bekomme ich gesagt, dass das, was wir aktuell tun, sehr mutig sei. Alles hinter sich lassen, den Traum vom unabhängigen Leben leben. Sich Zeit nehmen. Doch aus meiner Perspektive fühlt es sich aus verschiedenen Gründen gar nicht so mutig an. Im Gegenteil. Für mich ist es der Weg des geringsten Widerstandes.

Lebensträume und Ziele

Jeder Mensch hat eigene Träume. Jedoch lohnt es sich, mal ein wenig in sich zu gehen. Woher kommen diese Träume eigentlich? Sind es wirklich meine eigenen? Oder sind sie vielleicht von der Gesellschaft geprägt, von unserer Kultur? Oder kommen die Wertvorstellungen und Lebensziele, die wir haben, eigentlich von unseren Eltern? Was macht mich wirklich glücklich?

Für sind das Fragen, die sich im Laufe meines Lebens immer wieder gestellt haben. Denn die Vorstellung vom Glück, meine Träume und Zukunftswünsche haben sich einige Male stark verändert. Zum ersten Mal, als mit Anfang 20 meine langjährige Beziehung zu Ende ging. Ein zweites Mal, als ich Mutter wurde. Je älter ich wurde, desto klarer wurde für mich, dass ich nicht dieselben Wertvorstellungen habe, wie die meisten Menschen in Deutschland. Ein Eigenheim, großes Auto, materielle Sicherheit, gesellschaftliches Ansehen. Das ist alles mag für andere gut sein, aber für mich nicht so wichtig.

Und mit den großen Veränderungen meiner Lebensvorstellungen wuchs auch der innere Widerstand, mich festzulegen. Mich in eine Situation zu bringen, in der ich an etwas festhalten müsste, was nicht mehr richtig ist für mich. Aus der es kein Zurück gibt.

Gesundheit und Zeit

Gleichzeitig veränderte sich etwas anderes ganz gravierend in meinem Leben: Meine Gesundheit. Mit Mitte zwanzig fand ich das Fitnesslevel von 50-jährigen beneidenswert und fühlte mich reif für eine Kur. Spaß beiseite, ich war gesundheitlich und damit auch seelisch an wirklich dunklen Orten. Vieles, was uns im Leben so selbstverständlich vorkommt, war es für mich plötzlich nicht mehr. Lebenszeit und Lebensenergie, das wurde mir in dieser Lebensphase bewusst, sind endlich und darum so unendlich wertvoll. Kein Geldbetrag der Welt kann mir diese Dinge kaufen.

Mit der Geburt meines Sohnes rückte das Thema gemeinsame Zeit stark in den Fokus. Zeit als Familie. Mein Kind beim Aufwachsen begleiten. Zusammen sein.

Die einfachste Lösung: Ortsunabhängig leben

Und jetzt ratet mal, wie sich diese Dinge unter einen Hut bringen lassen? Richtig, durch ein Leben, wie wir es aktuell führen. Was von außen vielleicht mutig oder nach einer tollen Leistung aussieht, fühlt sich für mich ganz anders an. Es ist der Weg des geringsten Widerstandes. Ein Weg, der mich erst einmal nicht zwingt, mich festzulegen auf einen Ort, ein Haus, einen Beruf oder eine bestimmte Richtung. Es ist ein Weg, der mir viel Zeit mit meiner Familie schenkt, gefühlt ohne irgendwelche Abstriche machen zu müssen. Es ist ein Weg, der sich auch mit mittelmäßiger Belastbarkeit gehen lässt. Der mir den Raum gibt, auf meine Gesundheit Rücksicht zu nehmen und mich nicht überlastet.




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