Nach der Saugglockengeburt zur Osteopathie? – Unsere Erfahrungen


Unser Rubbelbatz ist mit der Saugglocke zur Welt gekommen. Das alleine spricht schon für eine schwierige Geburt und dementsprechend kann diese auch für unser Baby sehr stresshaft gewesen sein. Für mich als Mutter war sie dies auf jeden Fall, weshalb ich auch immer noch das Geburtrauma verarbeiten muss.

Die Frage, die dabei im Raum steht ist nämlich, ob es nicht bei unserem Kleinen zu irgendwelchen Verformungen geführt hat oder ob er seit der Geburt an Blockaden oder Verspannungen leidet?

Wann sollte man mit dem Baby nach der Saugglockengeburt zur Osteopathie?

Eine der ersten Fragen, die ich der Kinderärztin nach der Geburt in der Maria Heimsuchung gestellt habe, war, ob seine kleine Wirbelsäule davon Schaden nehmen könne. Sie hat lächelnd abgewunken. Wir bräuchten in die Richtung nichts zu unternehmen. Es gäbe Meinungen, nach denen die Hirnhaut davon in Mitleidenschaft gezogen werden könnte, aber das sei eigentlich Unsinn. Dass diese Meinungen, die der Osteopathie sind und in anderen Krankenhäusern durchaus empfohlen wird, einen Osteopathen nach einer Saugglockengeburt aufzusuchen, der das Baby einmal durchcheckt, hat sie uns leider nicht erzählt.

Allerdings war ich auch so der Meinung, dass ein Besuch beim Osteopathen nach so einer Geburt nicht schaden kann und unsere Hebamme hat uns da beigepflichtet. Die Krankenkasse vom Rubbelpapa übernimmt zum Glück 80% der Behandlungskosten bzw. bis zu 40 EUR pro Behandlung und auf Empfehlung der Hebamme hatten wir am Mittwoch unseren ersten Termin im Cabinet de Chiropratique. Eine Praxis für Osteopathie, die auf die Behandlung von Schwangeren und Babys spezialisiert ist. Zu finden im Berliner Stadtteil – wo auch sonst! – Prenzlauer Berg nähe Kollwitzplatz. Sowohl Inhaber / Therapeuten, als auch die Empfangsdame sind Franzosen. Sie sprechen fließend deutsch mit starkem französischen Akzent.

Osteopathie fürs Baby im Prenzlauber Berg bei Dominique Helias

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Ungewöhnlich, aber gleichzeitig sehr sympathisch. Und genauso ist auch die ganze Praxis: sehr freundlich, einladend und irgendwie heimelig. Nach einem kurzen Smalltalk wurde uns von der Empfangsdame erklärt, wo alles in den Räumlichkeiten für uns zu finden ist, also Warteraum, Getränke, Spieleecke, Toilette und Wickeltisch. Wie das ganze abläuft und dass man einen Termin mit Babys sowieso nie die genauer planen kann. Die müssen zwischendurch schon mal gestillt werden oder eine frische Windel bekommen.

Und dann kam Dominique Helias. Er ist der Osteopath und Inhaber der Praxis, bei dem wir auch den Termin hatten. Ein Franzose, wie gesagt. Aus Paris, wenn man den Flyern glaubt. Ein Mann in den 40ern, groß, gutaussehend und ordentlich einparfümiert. Meine Vorurteils-Glocken klingelten lautstark. Typischer Franzose, arrogant und ein Lebemann? Doch wieder einmal wurde ich eines besseren belehrt. Dominique begrüßte erst einmal den schlafenden Rubbelbatz ganz ausgiebig und bewunderte ihn, danach schüttelte er uns freundlich lächelnd die Hand und bat uns ins Behandlungszimmer. Seine gute Laune und positive Ausstrahlung war wirklich ansteckend. Zunächst stellte er uns ein paar Fragen und beglückwünschte uns zu unserem wunderbaren Kind. Dann nahm er den kleinen Lord aus dem MaxiCosi, um ihn erstmal richtig zu begutachten und zu knuddeln. Er hat ihm sogar ein Küsschen auf die Stirn gegeben. Wir waren im ersten Moment beide irritiert von dieser Geste – ein Fremder küsst unseren Sohn? Letztendlich haben wir uns aber mit dem Gedanken zufrieden gegeben, dass unser Kleiner eben zum auffressen süß ist und Dominique eben wirklich, wirklich gern mit Babys arbeitet. Und das hat man gemerkt, den gesamten Ablauf über.

Was macht ein Osteopath beim Baby?

Zunächst testet der Osteopath immer anhand meiner Körperspannung, wenn der Kleine zwischen meinen Beinen liegt und mit mir im Körperkontakt steht, ob überhaupt eine Behandlung nötig ist und welche genau. Wenn nicht, hätte er uns wieder weggeschickt. Diagnose dieser ersten „Untersuchung“ und einer weiteren Begutachtung des Rubbelbatzes war, dass er durch die Geburt nur sehr geringen Schaden genommen hat. Eigentlich nicht der Rede wert, aber natürlich kann es immer mal sein, dass selbst so kleine Blockaden sich später zu größeren Problemen entwickeln. In den ersten Wochen nach der Geburt ein paar osteopathische Behandlungen (nicht mehr als 2-3 Sitzungen), dann läuft alles wieder rund und wir bräuchten keine weiteren Termine in seiner Praxis.

Herr Helias hat uns außerdem erklärt, was es mit der Gehirnhaut auf sich hat (die Erwähnung der Klinikärztin macht damit auch Sinn): Das Gehirn, wie auch das Rückenmark sind von einer Flüssigkeit umgeben, die von der Gehirnhaut geschützt und begrenzt wird. Diese Gehirnhaut ist wie ein Schlauch um Gehirn und Rückenmark gewickelt und an bestimmten Stellen befestigt. Wird der „Schlauch“ gedreht oder in der Position verändert, gibt es Stauungen an bestimmten Stellen und das zentrale Nervensystem bzw. Gehirn kann nicht richtig versorgt werden. Hört sich gerade in einer Phase, in der sich das Gehirn so stark entwickelt, wie bei Babys, nach keiner guten Idee an. Ich war heilfroh, dass wir hergekommen waren.

Mittlerweile waren wir auch ein zweites Mal dort. Die Behandlung an sich ist bei Säuglingen sehr, sehr sanft und besteht hauptsächlich aus Drücken an bestimmten Wirbeln. Behandelt wird dabei nicht die Wirbelsäule an sich, sondern der „Schlauch“ der Gehirnhaut. Durch Drücken oder manchmal auch mit Hilfe eines Instruments, das aussieht wie eine Kreuzung aus Spritze und Bolzenschussgerät (aber nur ganz leichten Druck macht, wir durften es vorher an unserer Hand testen) wird ein Impuls gegeben.

Das alles macht Dominique mit einer Freude und einem Maß an Einfühlungsvermögen, dass es einfach nur schön ist, zuzusehen. Sobald der Rubbelbatz auch nur überlegt, zu weinen, hebt er ihn hoch, spricht mit ihm, flüstert ihm ins Ohr, trägt ihn im Raum herum und massiert dabei einen Wirbel im Steißbeinbereich. Behandlung und Liebkosung sind teils nicht voneinander zu unterscheiden. Aber offenbar war der Rubbelbatz auch besonders friedlich und kooperativ, zumindest hat Dominique ihn ein „easy Baby“ genannt. Wir waren natürlich stolz wie Oskar auf unseren kleinen Lord.

Ein Termin steht noch aus, danach sollte alles wieder in Ordnung sein bei ihm. Was wir außerdem zu Hause machen sollen, ist den Rubbelbatz einmal am Tag für 30 Sekunden verkehrt herum halten. Hört sich erstmal gemein an, scheint ihm aber so gar nichts auszumachen. Im Gegenteil, heute war er nach dem „Kopfstand“ ganz fröhlich und ausgeglichen.

Insgesamt ist Osteopathie beim Baby auf jeden Fall eine gute Sache. Ich bin mir selbst noch nicht ganz sicher, ob ich an die Gehirnhaut-Schlauch-Geschichte glaube, oder nicht. Trotzdem möchte ich nicht eines Tages feststellen, dass was dran war und es unserem Kleinen deshalb nicht gut geht. Sicher ist sicher.

Alle Kommentare (2)

    Jetzt bin ich grad ein bisschen erschrocken. Der Miniheld und auch ich sind beide mit der Glocke geholt worden. Bei ihm war es damals nötig, weil er ein sehr großes Baby in einer sehr kleinen Mama war und sich mit der Schulter verhackt hatte und nicht raus kam. Er wurde auch umgehend von einer Kinderärztin untersucht und alles entwickelte sich normal.
    Allerdings wusste ich auch nix von dem, was du da oben jetzt berichtest und bin irgendwie froh nun schlauer zu sein. Man kann ja nie wissen, wie es nun bei Nummer 2 laufen wird… ahje…

    Ich bin mir sicher, dein Kleiner wird auch so groß und fit. Ich bin mir wie gesagt selbst nicht ganz sicher, ob das wirklich nötig ist bzw. hilft, aber schaden kann es auf keinen Fall, also haben wir die Möglichkeit wahrgenommen!

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