Der Test

10.12.2021. Es ist 20 Uhr. Mein Mann bringt den 2-jährigen ins Bett. Der Große schläft bei seiner Oma. Ich möchte unter die Dusche. Vorher suche ich noch schnell einen Schwangerschaftstest heraus. Meine Regel ist zwei Tage überfällig. Es ist Zyklustag 30.

Ich tauche den Test ein und lege ihn auf das Regal neben der Dusche. Erst einmal duschen.

Das Ergebnis hat ja Zeit. Es wird ohnehin negativ sein. Immerhin zieht es seit zwei Tagen immer wieder in meinem Unterleib. Das ist die Regelblutung, die sich ankündigt. Ganz bestimmt. Immerhin hat es letzten Monat auch schon nicht geklappt. Und in den letzten zwei Jahren sind einige “Unfälle” gut ausgegangen. Mein Körper scheint eben nicht bereit zu sein für eine Schwangerschaft. Vermutlich müsste ich den Sonnenschein abstillen. Aber der trinkt noch zweimal am Tag. Und gerade eben erst hat er mir erklärt, dass nichts so gut schmeckt wie meine Milch. Nicht einmal Schokolade. Und er liebt Schokolade sehr. Eigentlich will ich ihn also nicht abstillen. Ob es schon reichen würde, auf einmal am Tag stillen zu reduzieren?

Ich steige in die Dusche und lasse das Wasser laufen, damit es warm wird.

Ja, der Kinderwunsch ist immer noch da. Ich habe alles versucht. Vernünftig sein. Die Nachteile sehen. Die Tatsache akzeptieren, dass mein Mann nicht so richtig mit von der Partie ist. Ich habe  versucht, abzuschließen. Mich dagegen zu entscheiden und damit fein zu werden. Habe die meisten Babysachen aussortiert und weg gegeben. Nur behalten, was ich eines Tages den Enkelkindern geben würde. Die Schwangerschaftssachen verkauft. Tragejacken.

Doch die tief in mir blieb die Stimme, die sich fragte, wie es wäre. Warum wir es nicht einfach versuchen. Und schließlich wurde mir klar: Die Entscheidung gegen ein drittes Kind wäre eine, die ich bereuen würde. Eines Tages. Ich würde mich fragen, ob da noch ein Mädchen für mich gewesen wäre. Oder noch so ein kleiner Sonnenschein-Junge. Vielleicht würde ich wütend sein auf meinen Mann, weil er es nicht wollte. Mein Leben lang immer mal wieder würde ich es bereuen. Niemals bereuen dagegen würde ich ein drittes Kind, wenn es da wäre. Niemals. Damit war die Entscheidung für mich ganz klar – und letzten Endes auch für meinen Mann. Denn dem Partner etwas vorzuenthalten, was für ihn so essentiell dazu gehört, kommt in unserer Beziehung nicht in Frage.

Die Duschwand ist trüb, aber ich sehe den Test.

Ich erinnere mich an meine zweite Schwangerschaft. Ich war mir bereits ziemlich sicher, dass ich schwanger war. Die Müdigkeit. Die Übelkeit. Dieses Ziehen im Bauch. Trotzdem zeigten die Tests entweder negativ oder einen ganz schwachen zweiten Strich.

Diesmal nicht. Da ist, in dem Moment, als die Flüssigkeit die Stelle berührt, ein leuchtender roter Strich zu sehen. Selbst durch die trübe Duschwand kann ich ihn überdeutlich sehen. Schwanger! Wirklich schwanger!

Meine Gefühle sind eine Mischung aus Überraschung und “hab ich eh gewusst”. Ich bin ganz ruhig. Erstmal zu Ende duschen.

Ich gehe nach unten und räume den Geschirrspüler aus. Nach zwei Tassen kommt mein Mann. Mit einem Blick in mein Gesicht weiß er, dass etwas passiert ist. Er vermutet, dass irgendwas in der Küche kaputt sei. “Ja, es ist was passiert. Heb mal das Smartphone da hoch.”

Darunter liegt der Test. Mein Mann ist ungläubig. Damit hat er nicht gerechnet. Obwohl wir es versuchen, hat er nicht damit gerechnet.

Jetzt erst kommt bei mir die echte, pure Freude. Ich habe Tränen in den Augen. Wir freuen uns, gemeinsam. Ich bin schwanger. Den Rest klären wir dann.

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