Starke Mutter-Kind-Beziehung durch Stillen? Warum ich unbedingt eine stillende Mutter sein will


Am zweiten Tag im Krankenhaus saß ich halb aufrecht im Bett unseres lichtdurchfluteten Familienzimmers und der kleine Milchprinz trank eifrig an meiner Brust. In diesem Moment standen mir Tränen in den Augen. Tränen des Glücks. Dieser Augenblick war so friedlich, so innig und so perfekt. Ich konnte zum ersten Mal ohne Einschränkungen diese Verbundenheit zu meinem Baby spüren. Er lag in meinem Arm, ganz unschuldig und hilflos und genoss die Nähe zu seiner Mama. Meine Anwesenheit und die Tatsache, dass ich Muttermilch produzieren kann, reichte für ihn völlig aus, war alles, was für ihn zählte.

Immer, wenn er genug getrunken hat, streckt er sein Köpfchen mit einem zufriedenen Gesichtsausdruck weit nach hinten, lächelt fast wie um zu sagen:

Mama, ich bin fertig, du kannst jetzt den Milchbart abwischen.

 

Er hat dann nämlich immer einen kleinen Milchbart oder noch etwas Milch im Mundwinkel. Danach möchte er einfach ganz nah bei mir einschlafen, am besten mit dem Kopf nah an meinem Herzen und seinem Bauch an meinem. (Wir nennen es “das Milchkoma“.)

Für mich gibt es nichts Schöneres, was ich meinem Kind und mir schenken könnte als diese Momente. Ich kann mir nicht vorstellen, dass andere stillende Mütter da anders denken.

Gut für die Mutter-Kind-Beziehung?

Und immerhin ist das Ernähren seines Babys auf diese Weise doch eigentlich das natürlichste der Welt! Da liegt es doch gefühlt auf der Hand, dass eine Mutter-Kind-Beziehung durch Stillen eigentlich keine Nachteile bringen kann oder sollte.

Trotzdem wird immer wieder über genau dieses Thema diskutiert. Für manche Mütter entsteht vielleicht gerade deshalb ein regelrechter Druck, stillen zu müssen, um keine Rabenmutter zu sein. Andere finden es anstößig, wenn man stillende Mütter in der Öffentlichkeit sieht.

 

10 gute Gründe zum Stillen

Für mich hat Stillen, abgesehen von den oben beschriebenen Momenten, noch einige weitere Vorteile, die mich in meiner Entscheidung für das Stillen bekräftigen:

  • Die Milch, die mein Kleiner von mir bekommt, hat zu jedem Zeitpunkt in seinem Leben die perfekte Zusammensetzung an Nährstoffen für seine Bedürfnisse. Auch die Menge passt sich genau dem an, was er gerade braucht.
  • Zusätzlich dazu enthält die Muttermilch Antikörper für die Immunabwehr meines Babys und beugt vielen Erkrankungen vor – sowohl im Kindesalter, als auch im späteren Leben.
  • Meine Milch hilft meinem Zwerg, in der richtigen Geschwindigkeit zu wachsen. Ein zu viel an Muttermilch gibt es angeblich nicht (bei dem Milchprinzen bin ich mir da nicht so sicher, immerhin nimmt er ordentlich zu), denn auch das Sättigungsgefühl wird über die Milch gesteuert. Auch als Erwachsene haben gestillte Kinder ein geringeres Risiko, übergewichtig zu werden.
  • Für meinen Kleinen gibt es nichts besseres, als Mamas Brust. Wenn er gestresst ist oder Blähungen hat, verschafft ihm eine Portion Milch so gut wie immer Besserung.
  • Anscheinend fördert das Stillen sogar die Entwicklung des Gehirns. Das war mir auch neu.
  • Auch für mich hat das Stillen Vorteile: Zum Beispiel geht durch die Ausschüttung des Hormons Oxyticin die Rückbildung schneller. Das kann ich anhand meines Bauches durchaus bestätigen – man hat nach weniger als einer Woche schon kaum mehr gesehen, dass ich schwanger war (auch wenn er so wie vorher natürlich noch nicht aussieht).
  • Das Oxyticin in meinem Körper beugt außerdem einer Wochenbettdepression oder ähnlichen Stimmungstiefs vor. Auch da kann ich Positives berichten – bis auf eine Weinattacke am Abend des 3. Tages ist bei mir der Baby-Blues mehr oder weniger ausgeblieben. Außerdem bildet mein Körper übrigens Prolactin, dass meine Stressresistenz stärkt.
  • Wer mit ein paar zusätzlichen Kilos nach der Schwangerschaft kämpft, verliert die durch das Stillen auch einfacher wieder.
  • Die Muttermilch ist nicht nur kostengünstig, sondern auch immer verfügbar und immer in der richtigen Temperatur. Das spart wirklich viel Stress, vor allem unterwegs oder nachts. Von den 900-1500 EUR, die wir uns dadurch im ersten Jahr sparen, machen wir lieber einen kleinen Urlaub.
  • Auch auf meine Gesundheit wirkt sich das Stillen positiv aus. Nicht nur habe ich ein niedrigeres Brustkrebsrisiko und eine höhere Lebenserwartung, bei mir im Speziellen scheint die Histaminunverträglichkeit weiter zu pausieren. Weltklasse!

Wenn Stillen dann doch mal nervt

Es gibt also wirklich viele gute Gründe, zu Stillen. Trotzdem muss ich ganz ehrlich sagen: Manchmal nervt Stillen auch. Fürchterlich. Dass ich mit dem Gefühl der totalen Verfügbarkeit nicht alleine bin, das konnte ich bei Susanne von nullpunktzwo.de in ihrem Beitrag übers Wochenbett und die Stillzeit nachlesen und erkenne mich da so gut wieder! Es frisst wahnsinnig viel Zeit und ich muss wirklich immer verfügbar sein. Rund um die Uhr. Während mein Mann nachts friedlich weiterschlafen kann, muss ich auf das Geschmatze des Juniors reagieren und meine Brust bereit machen, um größeres Gebrüll zu verhindern. Selbst wenn er tagsüber mal allein mit dem Kleinen nach draußen geht, weiß ich, dass die beiden nach spätestens einer Stunde wieder da sind und dann will der Milchjunkie nur eins: mehr Milch. Selbst wenn er vor dem Losgehen nochmal fleißig getrunken hat.

Dann gibt es da noch das leidige Thema Milchstau, Brustentzündung oder im günstigsten Fall einfach nur die Tatsache, dass die Brust und die Brustwarzen teils einfach weh tun. Heute morgen bin ich zum Beispiel aufgewacht und wollte weinen, weil nicht nur der Vorbau schmerzt, sondern alle anderen Glieder auch. Kombiniert mit der roten, harten, schmerzenden Stelle an der Brust lässt unser “Doktor” Internet nach ausgiebiger Recherche nur einen Schluss zu: Brustentzündung. Zum Glück habe ich kein Fieber und in der Regel sollte das morgen wieder vorbei sein. Trotzdem nervig.

Neun Monate habe ich jetzt auf meine Ernährung geachtet, keinen Alkohol getrunken, mich von Rauchern ferngehalten, etc. Doch das hat mit der Schwangerschaft kein Ende, genau wie die Schwangerschaftsdemenz, die nahtlos in die Stilldemenz übergeht. Weiterhin sind Alkohol und andere “Drogen” wie Kaffee tabu, mein Mann kocht frisches Bio-Gemüse und ich achte darauf, genug zu trinken. Immerhin trinkt ja noch jemand mit.

Und trotz aller Vorsicht können wir nicht verhindern, dass der Organismus unseres Kleinen belastet wird durch Rückstände und Schadstoffe in der Muttermilch. Vor allem die Erstgeborenen trifft es da wohl besonders hart, immerhin hatte ich ein ganzes Leben Zeit, Umweltgifte in mir anzuhäufen.

Trotz all dieser “Nerv-Faktoren” stille ich meinen kleinen Milchprinzen. Er liebt es und ich kann es mir nicht anders vorstellen. Allerdings verstehe ich auch langsam ein bisschen jene Mütter, die sich dagegen entscheiden – und damit manchmal als Rabenmütter in unserer Gesellschaft dastehen.

 

 

 



Alle Kommentare (6)

    Liebe Hanna, danke für deine Glückwünsche! Du stehst mit deinen Gedanken zum Stillen nicht alleine da. Ich muss mir oft wieder ins Gedächtnis rufen, wie gut und unersetzbar die Muttermilch für meine kleine ist, um mich von den Abhängigkeitsgedanken abzulenken. Ich muss zugeben, in den 10 Tagen war ich schon mehr als einmal verzweifelt, wenn die kleine jede Stunde trinken wollte und ich den fehlenden Schlaf einfach gar nicht nachholen konnte (auch wenn ich wollte). Heute hatten wir einen “guten” Tag mit Abständen von 2-3 Stunden und ich fühlte mich direkt besser… Du siehst, auch ich kann die als Rabenmütter verschrienen Frauen verstehen, die nicht stillen. Jede muss es ja irgendwie fûr sich selber finden und den Weg gehen, der für das kleine Wesen, aber auch für sie selber smam besten ist.

    Ganz liebe Grüsse, Klaudia

    Hej Hanna,

    vielen Dank für Deinen Beitrag über das Stillen. Das Thema kenne ich gut, schließlich trinkt unser kleines Küstenmädchen auch wie wild. Und Du hast recht, nicht nur die Bedürfnisse des Kindes, sondern auch die der Mutter sind von Bedeutung, da habe ich neulich auch drüber geschrieben. ..

    Bei Brustentzündung kann Dir übrigens Deine Hebamme weiterhelfen oder auch eine Stillberaterin. Häufiges Anlegen und kühlende Quarkwickel unterstützen das Abklingen.

    Gute Besserung und viele liebe Grüße

    Küstenmami

    Meine maus ist nun 8 monate und wir stillen in der nacht nach wie vor. Stillen ist praktisch aber wie du schreibst, zeitaufwändig. Man kann das baby nicht mal schnell daheim lassen sondern es muss mit und notfalls haben wir am anfang schon mal im möbelhaus und oft im auto gestillt. Darum versteh ich das drama um “in der öffentlichkeit stillen” nicht. genieß die zeit in der euer milchjunkie noch so viel nähe möchte. Und schmerzende brustwarzen und brüste legen sich nach ein paar wochen.

    Wenn das Stillen klappt ist es eine tolle und praktische Sache. Bei uns kam es leider zu wochenlangen massiven Problemen, so dass ich nun nach 3 Monaten langsam abstille. Aber ich finde es schlimm, dass die Gesellschaft versucht, einem diesbezüglich ein schlechtes Gewissen zu machen. Die Entscheidung, ob man stillen will oder nicht sollte jede Frau für sich selbst treffen und es gibt sowohl dafür als auch dagegen jede Menge Gründe. Welche einem persoenlich wichtig sind, ist eine ganz individuelle Entscheidung.LG

    Ich gehöre leider zu den sogenannten Rabenmüttern, die nicht gestillt haben und wohl auch bei KInd 2 nicht stillen werde. Das liegt zum Teil an der Brust selber, aber auch an einer Art…nun ja…Aversion gegen die Brust…ich hatte immmer starke Komplexe damit schon als Kind und habe schon oft um operative Veränderungen herumgeschlichen usw… Sie könnte wohl Milch geben, denke ich, aber ich hatte damals eine Schwester nach der Geburt, die nahm mir dann den Druck, in dem sie sagte: Wissen sie, das Kind spürt es, wenn sie unglücklich dabei sind und davon haben weder sie noch das Kind etwas.
    Daraufhin habe ich es gewagt und bin auf die Flasche umgestiegen und war viel glücklicher damit und hatte dennoch innige Momente.
    Und trotzdem habe ich oft das Gefühl vond en Menschen um mich herum dafür verurteilt zu werden…wie du halt so schön schreibst, eine Rabenmutter zu sein…hachja…

    Ich glaube, da hattest du eine sehr kluge Schwester! Meine Mama sagt mir auch fast täglich, dass all die Idealvorstellungen, die ich für mein Kind habe, ja schön und gut sind, aber ich muss auch ein wenig auf mich schauen, um eine gute Mama sein zu können und das eine oder andere auch mal über Bord werfen. Und Mamas haben ja bekanntlich immer Recht.

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